Humanitäres Handeln besiegelt

Gymnasium erhält Auszeichnung vom Niedersächsischen Jugendrotkreuz

Das Schild fällt klein aus, zeugt aber vom großen Herzen der Gymnasiasten: Gesa Grabowski, Mieke Cordes, Alexandra Reermann und Levke Wohlers präsentieren die Ausszeichnung stellvertretend für die AG.
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Das Schild fällt klein aus, zeugt aber vom großen Herzen der Gymnasiasten: Gesa Grabowski, Mieke Cordes, Alexandra Reermann und Levke Wohlers präsentieren die Ausszeichnung stellvertretend für die AG.
  • Anne-Katrin Schwarze
    vonAnne-Katrin Schwarze
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Br.-Vilsen – Die meisten Schüler werden erst nach den Ferien mitbekommen, dass im Eingangsbereich ein neues Schild hängt. Es weist ihr Gymnasium als humanitäre Schule aus. Dieses Siegel verleiht das Niedersächsische Jugendrotkreuz.

Humanitär bedeutet, „auf die Linderung menschlicher Not bedacht“. Dieser Geist ist am Gymnasium nicht neu. Als zertifizierte Umweltschule und Schule ohne Rassismus, als regelmäßige Unterstützerin der Aktion Ärzte ohne Grenzen richtet sie den Blick auf viele gesellschaftliche Belange. Die neue Auszeichnung verdankt sie dem Schulsanitätsdienst.

Seit Gründung des Gymnasiums gibt es Schüler, die mit ihren Kenntnissen in Erster Hilfe anderen im Notfall zur Seite stehen. Im jetzt beendeten Schuljahr belebte die Referendarin Alexandra Reermann den losen Zusammenschluss zu einer Arbeitsgemeinschaft wieder und hatte Großes vor. Im Mittelpunkt der Projektwoche sollte eine Typisierungsaktion stehen, um potenzielle Spender von Knochenmark für die überregionale Datenbank (DKMS) zu finden. Eine Idee, die das Jugendrotkreuz wortwörtlich „ausgezeichnet“ fand.

Mit dem coronabedingten Lockdown auch des Gymnasiums kam es weder zur Projektwoche, noch zum Tag der offenen Tür, noch zur Typisierung. Dennoch würdigte der Landesverband die Vorbereitungen darauf mit dem Gütesiegel. Zu Recht, denn in der Krise bewiesen die Schüler, wie viel humanitärer Geist in ihnen steckt: Die AG bildete den Kern einer Gruppe, die Briefe schrieb und Bilder malte für ältere und kranke Menschen, die von einem Tag auf den anderen keinen Kontakt mehr zu ihren Angehörigen haben durften. Ihre Post schickten die Kinder und Jugendlichen an zehn Einrichtungen in und um Bruchhausen-Vilsen. „Die Bewohner der Senioren- und Pflegeheime, und auch die Pflegekräfte, haben sich über dieses Projekt sehr gefreut“, berichtet Religionslehrer Jörn Winkelmann über die Resonanz. „Sie fühlten sich in dieser schwierigen Zeit wahrgenommen.“

Dass die Gruppe aktiv wurde, obwohl sie sich seit Wochen nicht treffen und ausschließlich über die digitale Plattform „Teams“ in Kontakt bleiben konnte, ist den Lehrern ein besonders Lob wert. 16 Schüler haben sich so eingebracht, dass ihr Tun jetzt im Zeugnis Erwähnung gefunden hat.

Für das neue Schuljahr hofft Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen, die ursprüngliche Idee der AG ausführen zu können. Auch, wenn Alexandra Reermann die Schule jetzt verlassen hat. „Als gelernter Krankenschwester war ihr diese Arbeit wichtig“, sagt die Schulleiterin. Obwohl die junge Kollegin in der letzten Phase ihrer Qualifikation zur Lehrkraft selbst ein großes Arbeitspensum zu erfüllen hatte, habe sie viel Zeit für den Sanitätsdienst aufgebracht. „Ich bin zwar ,nur‘ Sanitätshelfer, aber ich übernehme die AG gern“, sagt Jörn Winkelmann.

Der feste Kern des jahrgangsübergreifenden Projekts besteht aus zwölf Schülern. Zwei oder drei von ihnen befinden sich an jedem Schultag im Bereitschaftseinsatz. Vor Beginn der ersten Stunde rüsten sie sich mitFunkgeräten aus, gibt es einen Krankheitsfall oder einen Unfall, werden sie alarmiert. „So sind sie schnell am Einsatzort und können direkt Hilfe leisten“, erklärt Jörn Winkelmann. Auch bei Schulveranstaltungen wie dem Abi-Lauf oder beim Schulkonzert sind die Schulsanitäter dabei.

Schülern ab der siebten Klasse steht die AG offen, sie dürfen an einem Erste Hilfe-Kurs teilnehmen. Im Rahmen des Siegels „humanitäre Schule“ wurden in diesem Schuljahr Mieke Cordes und Levke Wohlers außerdem zu Planspiel-Scouts ausgebildet. Im neuen Schuljahr möchte sich das Gymnasium wieder um diese Auszeichnung bewerben. Allerdings nicht gleich zu Beginn. „Erst einmal soll alles hier in Ruhe anlaufen“, wünscht sich Lisa Peitzmeier-Stoffregen. Unter welchen Bedingungen, sei noch offen.

Sie hoffe darauf, dass der Regelbetrieb wieder stattfinden kann. Für diese Option musste sie Klassen zusammenlegen, weil durch die Vorgaben der Landesregierung nicht genug Lehrer vorhanden sind (wir berichteten). Doch je nach Entwicklung der Corona-Pandemie lägen auch ein Plan B und C fertig in der Schublade. „Wir wären darauf vorbereitet, mit eingeschränktem Präsenzunterricht wie zuletzt oder wieder komplett mit Homeschooling ins Schuljahr zu starten“, sagt sie. Sie werde die Eltern zum Ferienende über die Entwicklung informieren. „Heute lässt sich dazu nichts sagen“, schildert sie die Ungewissheit, mit der siein die Sommerpause geht.

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