„Guter Anschauungsunterricht“: Studenten arbeiten an Gleisen der Museumseisenbahn

Ohne Schwellenangst

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Eisenbahner Guido Tschigor (rechts) leitete die Studenten bei den Gleisarbeiten an.

Asendorf - Von Dieter Niederheide. Dass sie keine Angst vor Schwerstarbeit haben, bewiesen 17 Bauingenieurwesen-Studenten der Hochschule Bremen jetzt bei der Museumseisenbahn. Zusammen mit ihrem Professor Carsten-Wilm Müller, Experte für Verkehrs- und Eisenbahnwesen, tauschten sie in Asendorf auf einer Streckenlänge von rund 140 Metern etwa 40 Schwellen aus.

Die jungen Frauen und Männer ersetzten dabei historisches durch neuzeitliches Material: Sie gruben Holzschwellen aus, die schon seit 1899 zwischen den Gleisen lagen. Laut Guido Tschigor (37), Bahnmeister des Deutschen Eisenbahn-Vereins (DEV) Bruchhausen-Vilsen und verantwortlich für die technische Infrastruktur, handelt es sich bei den ausgebauten Schwellen um die ersten, die einst beim Bau der Kleinbahn gelegt wurden. Der bei der Bundesbahn beschäftigte Bau-Ingenieur erklärte: „Das ist hier ein sehr alter Gleis-Bauabschnitt, die Holzschwellen müssen ausgewechselt werden.“ Die Landeseisenbahn-Aufsicht habe nach einer Besichtigung darauf hingewiesen, dass diese Maßnahme notwendig sei. Und jetzt, zum Ende der Museumseisenbahn-Saison, sei der beste Zeitpunkt, sagte Tschigor, der nicht nur selbst zupackte, sondern den Studierenden auch mit Rat zur Seite stand.

Unter der Regie von Rottenführer Jürgen Werder, der ein gelbes Gleisbaufahrzeug namens Friedhelm fuhr, waren zudem acht Arbeiter des Vereins im Einsatz. Für Professor Müller, selbst Mitglied im DEV, ist die Arbeit an den Gleisen wichtig, um die „Eisenbahn zu spüren und zu verstehen. Eisenbahn ist Kulturgut.“ Die Studenten sollten zudem merken, dass Gleisbau Schwerstarbeit ist – so wie viele andere körperliche Tätigkeiten im Eisenbahnwesen.

Die angehenden Bauingenieure arbeiteten mit Schaufeln, Brechstangen, Stopfpaddeln (Bootspaddeln ähnlich) und Handschrauberschlüsseln sehr engagiert zwischen den Schienen. Voller Krafteinsatz war zum Beispiel beim Lösen der alten Schrauben gefragt, die fest und tief saßen. Juliane Richter (28) und Johanna Stelling (29) fanden, dass dieser arbeitsintensive Nachmittag durchaus ein „guter Anschauungsunterricht“ dafür war, was körperlicher Einsatz bei der Bahn heißt.

Nicht zuletzt war es ein Gruppenerlebnis der besonderen Art. Möglich, dass sich manche Studenten beim Freischaufeln der Schwellen Schwielen an den Händen holten und andere abends müde ins Bett fielen – aber zufrieden waren sicher alle.

Nach Feierabend (am späten Nachmittag) gab es noch Informationen bei einer Hallenführung am Museumsbahnhof in Bruchhausen-Vilsen. Eben dort hatte der Tag für die Bremer auch mit einer Einweisung begonnen.

Im Frühjahr 2016 will Professor Müller mit Studierenden aus Hamburg zum nächsten Arbeitseinsatz beim DEV anrücken.

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