Nitrat-Proben: Bruchhausen-Vilsen auf letztem Platz

Grundwasser in Gefahr?

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Hitze lässt Wasserverbrauch hochschnellen

Br.-Vilsen - Die Nachricht klingt alarmierend: Das Trinkwasser in Bruchhausen-Vilsen weist mit 29,5 Milligramm pro Liter den höchsten Nitrat-Wert der Wässer von 28 untersuchten Kommunen in Deutschland auf. Das geht aus einem Bericht der „Stiftung Warentest“ hervor.

Der Landespolitiker Stefan Wenzel kommt am Dienstag ins Gasthaus Dillertal.

Für die Grünen aus dem Kreis Diepholz ist dieser letzte Platz nicht hinnehmbar. Sie wollen wissen, was die Politik gegen die Trinkwasser-Belastung tut – und wenden sich mit ihren Fragen an die höchste Stelle im Land: Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) soll am Dienstag, 23. August, um 19 Uhr im Gasthaus Dillertal in Bruchhausen-Vilsen, Dille 8, Antworten geben. Die „Stiftung Warentest“ hat für ihre stichprobenhafte Untersuchung neben den sechs größten deutschen Städten auch die 22 Quellorte ausgewählt, aus denen die natürlichen Mineralwässer kommen. In Bruchhausen-Vilsen sitzt mit Vilsa-Brunnen der größte Mineralwasser-Hersteller Norddeutschlands. Die Stiftung entnahm ihre Wasserprobe im Frühjahr im hiesigen Rathaus.

Die gute Nachricht: Keine Kommune hat den Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter überschritten. Die schlechte: In Bruchhausen-Vilsen ist er „schon zu 60 Prozent ausgeschöpft“, wie es die Grünen aus dem Landkreis formulieren.

In einer Pressemitteilung erklären sie: „Wenn das Grundwasser in Liebenau viel Nitrat hat, dann wirkt sich das auch auf den Landkreis Diepholz aus. Bruchhausen-Vilsen und Teile von Syke beziehen nämlich ihr Trinkwasser über die Fernleitung der Harzwasserwerke, in die auch Wasserwerke im Landkreis Nienburg einspeisen“, schreiben Annika Bruck vom Kreisverband Diepholz, Ulf Schmidt von der Diepholzer Kreistagsfraktion und Bernd Schneider vom Ortsverband Bruchhausen-Vilsen. Laut Schneider fehlt dem sandigen, leichten Boden in Liebenau eine schützende Deckschicht, sodass das Nitrat aus Düngern dort besonders leicht ins Grundwasser gelangen kann.

Für die Kreis-Grünen steht fest: „Klar ist, dass die Probleme von einer zu intensiven landwirtschaftlichen Nutzung ausgehen, besonders bei großen Viehdichten mit entsprechenden Nährstoffüberschüssen.“

Wenzel halte zu viel Nitrat im Wasser für eine gigantische Herausforderung. In Niedersachsen würden etwa 80 000 Tonnen Stickstoff zu viel gedüngt; 60 Prozent der Landesfläche seien gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtlinie hinsichtlich der „Nitrat-Belastung des Grundwassers“ in einem schlechten Zustand.

Übrigens ist das Bruchhausen-Vilser Wasser nicht nur durch Nitrat beeinträchtigt: Die „Stiftung Warentest“ hat darin auch Abbauprodukte von Pestiziden gefunden. Auch wenn diese als ungiftig für Mensch und Umwelt gelten, vertritt der Umweltminister eine klare Auffassung: „Pestizide gehören nicht ins Grundwasser – auch nicht in Spuren.“

Wenzel sieht laut Pressenotiz Handlungsbedarf in Sachen Wasser. Eine Ansicht, die die Grünen vor Ort teilen. „Für die hiesige Region spielt das Grundwasser eine besondere Rolle“, betont Bernd Schneider aus Bruchhausen-Vilsen. Der Geestrand sei Quellgebiet und speise die Bäche, die ins Weser-Aller-Tal abfließen. Und wenngleich Vilsa das Wasser aus sehr tiefen und alten Vorkommen gewinne, habe die Firma ein starkes Interesse an einem vorsorgenden Grundwasserschutz.

Darüber hinaus gebe es in der Samtgemeinde, genauer gesagt in Berxen/Uenzen, ein Wasservorranggebiet. Bislang stehe zwar keine Förderung an, aber es könnte mittelfristig in der Region einen Bedarf geben. Zum Beispiel, wenn andere Wasserwerke NitratProbleme bekommen oder nicht mehr so viel Wasser fördern dürfen.

Wie geht die Politik mit der Grundwasser-Gefährdung um? Welche gesetzlichen Lösungen gibt es? Welche Regelungen sind von der Novellierung der Düngeverordnung zu erwarten, und wann werden sie umgesetzt? Antworten auf diese und andere Fragen gibt Stefan Wenzel am Dienstag. Alle Bürger sind willkommen.

In der Veranstaltung geht es indes nicht nur um ernste Themen: Zwischendurch verschafft sich „Willi Grün“ alias Peter Henze Gehör. Der Arbster ist ein Veteran der Studentenrevolte und aus grünen Gründerzeiten. In seinem „Kulturhäppchen“ begibt er sich von Erinnerungen an alte Demo-Zeiten über grüne Kernanliegen in die Niederungen des aktuellen Kommunalwahlkampfs – auf Felder, auf denen es scheinbar nichts mehr politisch zu bestellen gibt. Freundlich, zornig und ermutigend. Sein Credo: „Grün muss von unten wachsen.“ - mah

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