Grünen-Agrarreferent Josef Voss spricht über Massentierhaltung

„Die Nitrat-Werte werden weiter steigen“

+
Josef Voss referierte in Asendorf. Hinter ihm: die beschädigten Schilder der Bürgerinitiative.

Asendorf - Von Horst Friedrichs. „Der Täter sollte jetzt aufstehen und sich entschuldigen.“ Als Dieter Bischoff diese Forderung am Montagabend im fast vollbesetzten Saal des Gasthofs Uhlhorn in Asendorf formulierte, standen die Corpora Delicti – zerbrochene und mit Farbe besprühte Schilder der Asendorfer Bürgerinitiative – hinter dem Rednerpult.

Das führte allerdings nicht dazu, dass der unbekannte Täter sich stellte und Reue zeigte, was Bürgerinitiative-Mitglied Bischoff nach eigenem Bekunden auch nicht wirklich erwartet hatte.

Mittelpunkt des Abends war ein Vortrag von Josef Voss (Georgsmarienhütte), dem Umwelt- und Agrarreferenten der Grünen-Landtagsfraktion in Hannover. Doch zunächst ging es um den zielgerichteten Vandalismus an Eigentum der Bürgerinitiative, die gegen Massentierhaltung kämpft. „Wir wollen eine sachliche Auseinandersetzung“, reagierte Horst Eckebrecht auf Bischoffs Einleitung und fügte mit Blick auf die Beweismittel hinzu: „Keiner von uns würde so etwas tun.“ Eckebrechts Sohn Michael plant in Arbste einen neuen Stall für 1000 Sauen mit Ferkelplätzen (wir berichteten).

„Trotz unterschiedlicher Ansichten leben wir in einem Dorf“, umriss Peter Henze die Ausgangsbasis. Henze, der sich als „Neubürger seit 20 Jahren“ bezeichnete, beschrieb die Extrempositionen der verschiedenen Interessengruppen mit den bekannten Vorurteilen „Bürgerinitiativen sind gegen Bauern“ einerseits und „Den Bauern sind Tiere egal“ andererseits. Daraus, sagte Henze, sei ein einfaches Fazit zu ziehen: „Lasst uns reden.“

Am meisten redete jedoch am Montag naturgemäß Josef Voss. Unter der Überschrift „Nicht noch ein Massen-Schweinebetrieb in Asendorf!“ befasste sich der Referent mit den Auswirkungen der Massentierhaltung auf Mensch und Umwelt und erläuterte die Rechtslage bei der Genehmigung von Stallbauten.

Voss ging in seinem Vortrag als erstes auf die Massentierhaltung unter den Aspekten des Bundesemissionsschutzgesetzes ein und erläuterte mithilfe von Screenshots die Situation der Agrarwirtschaft sowohl überregional als auch im Landkreis Diepholz.

„Der Stickstoffsaldo im Kreis Diepholz ist okay“, sagte Voss. „Das bedeutet aber nicht, dass alles in Ordnung wäre.“ Er erwähnte in diesem Zusammenhang Stickstoffverluste und -niederschläge aus der Luft. Zur Nitratbelastung des Grundwassers erklärte der Referent, dass 62 Prozent der Landesfläche Niedersachsens in einem schlechten Zustand seien – und: „Die Werte werden weiter steigen.“

Bezüglich des Antibiotika-Einsatzes in der Tierhaltung wies der Experte darauf hin, dass im westlichen Teil Niedersachsens die im bundesweiten Vergleich höchsten Auslieferungen von Antibiotika stattfänden.

Weiterhin vermittelte er einen Überblick über bauplanungsrechtliche Grundlagen für landwirtschaftliche Großbetriebe. Voss erwähnte, dass Ammoniak-Emissionen eine wichtige Rolle spielen, wenn der Mindestabstand von einem Stall zum nächsten Wald festgelegt wird. Nicht minder entscheidend seien Geruchsemissionen. Der Kreis prüft Eckebrechts Bauantrag zurzeit und berücksichtigt dabei auch die Emissionen.

In der Frage- und Diskussionsrunde nach dem Vortrag gestand Voss auf Nachfrage, dass er kein Landwirt sei, sondern Maurer gelernt und anschließend Landschaftsarchitektur studiert habe; dabei habe er sich aber intensiv in Richtung Landwirtschaft orientiert. Zu den Umfragewerten, die er in seinem Vortrag verwendete, erklärte Voss, dass diese von Studierenden der Universität Göttingen erhoben worden, aber nicht aktuell seien. Weitere Detailfragen wurden ausführlich erörtert. Für Heiterkeit sorgte ein Zuhörer mit seiner Bemerkung: „Schweine mögen gar nicht auf Stroh liegen.“

Mehr zum Thema:

Nach Anschlag in London: Polizei lässt Festgenommene frei

Nach Anschlag in London: Polizei lässt Festgenommene frei

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

Neue Bewegung in Aufarbeitung der Germanwings-Katastrophe

Neue Bewegung in Aufarbeitung der Germanwings-Katastrophe

Meistgelesene Artikel

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Sarina Kynast wird Spargelkönigin der Samtgemeinde Kirchdorf

Sarina Kynast wird Spargelkönigin der Samtgemeinde Kirchdorf

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Kommentare