SERIE GESCHICHTE HEILIGENBERG Teil 5: Rolle der Heiligenberger Prämonstratenser ungeklärt

Graue Eminenzen im weißen Habit

Thomas Handgrätinger besuchte 2018 als Generalabt der Prämonstratenser Heiligenberg. Foto: OPraem

Heiligenberg - Von Hans-jürgen Wachholz. „Er war von edlem Geblüt und hochgebildet. Er genoss großes Ansehen bei Papst und Kaiser.“ So steht es über Absalon, den ersten Probst Heiligenbergs, geschrieben. Ihm hatte im Jahr 1219 Bremens Erzbischof Gerhard II. (von Lippe) letztlich den Segen des Papstes für sein Amt zu verdanken. Der Kirchenfürst revanchierte sich großzügig.

Wer sich hinter dem Ordensnamen Absalon verbarg, ist nicht bekannt. Er stand aber beispielhaft für das, was den Orden auszeichnete: Die Vernetzung mit höchsten kirchlichen und weltlichen Würdenträgern in ganz Europa. Die Prämonstratenser genossen zahlreiche Privilegien. Sie waren nur Papst und Kaiser Gehorsam schuldig. Das galt auch für Heiligenberg bis zum nahezu synchron mit Geschlecht der Grafen von Hoya erfolgten Untergang.

In der Heimatliteratur wird von geheimnisvollen Kuttenträgern erzählt, die strengsten Regeln unterworfen waren und durch einen über zweieinhalb Kilometer langen unterirdischen Gang zur Vilser Pfarrkirche gelangten. Das mit dem Tunnel stimmt nicht – und vieles überwiegend auch nicht.

Die Prämonstratenser (OPraem) bilden den ältesten und größten regulierter Kanoniker-Orden. Dieser wurde 1120 in Prémontré (Frankreich) gegründet. Sein erstes deutsches Kloster stiftete 1122 Gottfried von Cappenberg. Der Orden war und ist ein föderalistisch geprägter Zusammenschluss von selbstständigen Abteien ohne zentralistischen Überbau. Die Chorherren banden sich nur an ihre klösterliche Gemeinschaft und wählten ihren Vorsteher (Abt oder Probst) selbst. Sprecher des Ordens war zunächst der Abt von Prémontré – später ein aus den eigenen Reihen gewählter Generalabt.

Zur Zeit der Heiligenberg-Stiftung gab es in Europa etwa 1 700 unterschiedliche Abteien und Probsteien – teils mit, teils ohne Territorium.

Unstrittig: Heiligenberg war in seinen Anfängen Wirkungsstätte von überwiegend zum Priester geweihten Chorherren und nichtpriesterlichen Mitbrüdern (Konversen/Fratres). Diese lebten in der Gemeinschaft gemäß einer abgemilderten Form der Augustinerregel. Dazu gehörte Ehelosigkeit und Bescheidenheit – nicht aber Besitzlosigkeit. Sie führten ein personalintensives Unternehmen mit 28 landwirtschaftlichen Betrieben, vier Mühlen und Teichwirtschaft.

Zuvorderst nahmen die Ordensmänner ihren klerikalen Auftrag wahr. Heiligenberg war als Zentrum der Verehrung der Gottesmutter Maria und des Märtyrers Thomas von Canterbury nicht nur Wallfahrtsort, sondern auch ein regionales Bildungs- und Wirtschaftszentrum. Dort wirken zu dürfen, war für die Patres und Fratres besonders attraktiv. Wenn Heiligenberger Chorherren benannt sind sind, ist deren Herkunft leider selten zu erkennen. Ein Ordensbeitritt bedeutete fast immer die Annahme eines neuen Namens. Soweit feststellbar, fanden sich dort überwiegend Söhne westfälischer Adelsfamilien. Als graue Eminenzen ganz in Weiß hielten Prämonstratenser in vielen kirchlichen und weltlichen Funktionen die Fäden in der Hand. Sie widmeten sich den Wissenschaften und förderten die Künste. Einige Ordenshäuser galten als Eliteschmieden und Lieferanten von Spitzenpersonal für Amtskirche und Fürstenhöfe.

Seine höchst Blüte entfaltete der Orden nach der Reformation im katholischen Bereich Süddeutschlands, in Österreich und in Böhmen. Die beiden bekanntesten ihrer vielen Prachtbauten sind die Wieskirche von Steingaden und das Kloster Strahov hoch über Prag, wo Ordensgründer Norbert von Xanten seine letzte Ruhestätte hat. Seinem Wirken ist die Sonderrolle des Ordens zu danken. Schon als Teenager wurde er königlicher Hofkaplan. Er begleitete Heinrich V. während des Investiturstreites nach Rom, wo dieser 1111 mit der Gefangennahme von Papst und Kardinälen die Kaiserkrönung und alleiniges Recht zur Einsetzung von Bischöfen erpresste. Drei Jahre später mutierte Norbert zum asketischen Wanderprediger. Kurz nach der Ordensgründung zog es ihn an die Schalthebel der Macht zurück. 1126 wurde er Erzbischof von Magdeburg und Vertrauter von Lothar III., den er 1132/33 nach Rom zur Kaiserkrönung begleitete. Als Reichskanzlers für Italien starb er 1134 an Malaria.

Heute zählt der Orden 44 Abteien in 25 Staaten mit 1300 Chorherren. Dem auch Norbertinerinnen genannten weiblichen Zweig gehören rund 250 Schwestern in elf Staaten an.

Nächste Folge: Grafen von Hoya und Stift Heiligenberg am Ende.

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