Laien als Prediger: Kirchenkreis Syke-Hoya bildet Frauen und Männer zu Lektoren aus

„Im Gottesdienst würde ich andere Worte verwenden“

Die Teilnehmer des Lektorenkurses lernten, vor einer großen Gruppe zu sprechen. - Fotos: Miriam Unger

Br.-Vilsen - Von Miriam Unger. In der Brokser Bartholomäus-Kirche ist es still geworden. In den Köpfen hallen noch die Worte nach, die Ina Rapelovski gerade in den Raum gesprochen hat. Es sind Wünsche an die Welt, in der wir leben – verpackt in nachdenkliche, persönliche Sätze, die sich vermischen mit den eigenen Gedanken und Geschichten, die jeder mit sich herumträgt. Ina Rapelovski hält die Ruhe eine Weile im Raum, dann leitet sie mit sicherer Stimme zum nächsten Schritt über: „Lasst uns beten!“ Sie dreht sich zum Altar. Faltet die Hände. Schließt die Augen. Und öffnet sie wieder.

Hinter ihrem Rücken ist Unruhe entstanden. Nicht geräuschvoll, aber spürbar. Ina Rapelovski dreht sich um. Ein Teil ihrer Zuhörer sitzt in den Bänken, ein anderer Teil ist aufgestanden und schaut irritiert nach rechts und links, der Rest kann sich nicht entscheiden, ob er stehen oder sitzen soll. „Hey!“, entfährt es Ina Rapelovski. „Ich wollte mit euch beten – von aufstehen hab ich nix gesagt!“.

Lautes Lachen. Die Seminarteilnehmer beklatschen die kernige Performance. Und auch die Leiter des Kurses nicken der Protagonistin zufrieden zu. „Der Impuls, sich umzudrehen und die Situation zu klären, war genau richtig“, lobt Pastorin Gudrun Müller. „Ich würde im Gottesdienst vielleicht etwas andere Worte verwenden.“

Zum ersten Mal bot der Kirchenkreis Syke-Hoya einen Kurs zur professionellen Ausbildung von Lektoren an. An fünf Wochenenden lernten interessierte Laien, wie sie selbst einen Gottesdienst aufbauen, gestalten und leiten. „In der Regel wird die Lektoren-Ausbildung im Michaeliskloster in Hildesheim durchgeführt“, erklärt Katja Hedel, stellvertretende Superintendentin und Pastorin in Barrien. „Aber für viele Ehrenamtliche – gerade für die berufstätigen – war es ein Hindernis, regelmäßig dort hinzufahren. Also haben wir in Abstimmung mit dem verantwortlichen Lektorendienst in Hildesheim ein Kursangebot erarbeitet, das wir bei uns im Kirchenkreis durchführen konnten.“

Das Seminar stieß auf Interesse in der Region: 14 Teilnehmer ließen sich im Wochenendkurs ausbilden. Leiter des Seminars waren neben der stellvertretenden Superintendentin die beiden Beauftragten für Lektoren- und Prädikantenarbeit im Kirchenkreis: Gudrun Müller (Pastorin in Weyhe) und Heinz-Dieter Freese (Pastor in Martfeld).

Die Teilnehmer und die Leiter des Lektorenkurses hatten während der Seminare sichtlich Spaß.

Die Gruppe der angehenden Prediger traf sich in Bruchhausen, Schwarme, Martfeld, Hoya und Bassum. Die jüngste Teilnehmerin war mit 30 Jahren Danielle Elsner, Erzieherin aus Hoyerhagen. „Ich fand es spannend, mehr über die Hintergründe zu erfahren, wie ein Gottesdienst aufgebaut ist, welche Struktur er hat, was man wann, wo und warum an welcher Stelle macht“, sagt sie. „Als ich von dieser Ausbildung erfuhr, dachte ich: Im Gottesdienst einen Text vorlesen kann ja jeder. Ich wollte aber auch gerne selbst mal richtig etwas Inhaltliches machen.“ So ging es auch Hans-Ulrich Lenk aus Nordwohlde, Arzt im Bassumer Krankenhaus und mit 64 der Älteste in der Gruppe: „Irgendwie gefiel mir diese passive Rolle nicht mehr, immer nur als Konsument in der Kirche zu sitzen. Ich wollte mehr machen.“

Alle Kursteilnehmer engagieren sich schon länger in ihren Gemeinden. Sie sind zum Beispiel in Kirchenvorständen aktiv. Die meisten haben sich für die Lektorenausbildung entschieden, weil sie Spaß am Mitwirken in verschiedenen Gottesdienstangeboten und viele positive Reaktionen auf ihre ehrenamtliche Tätigkeit bekommen haben. Im Seminar wollten sie dazulernen, sicherer und professioneller werden.

„Ich mache diesen Kurs nicht, weil ich die Pastoren entlasten und ihnen einen freien Tag verschaffen möchte“, betont Sabine Sonntag, Erzieherin aus Syke. „Sondern weil ich denke, dass es eine große Chance für die Kirche ist, wenn auch Laien in der Verkündigung eingesetzt werden, weil sie einfach einen ganz anderen Blickwinkel auf vieles haben und Vielfältigkeit in die Gemeinde bringen.“

Die Seminarleiter brachten den Männern und Frauen unter anderem das Bearbeiten und sichere Vortragen von Lesepredigten, treffsicheres Formulieren beim Schreiben von Begrüßungen und Gebeten sowie Aufbau und Grundstrukturen eines Gottesdienstes bei.

„Bei der Vorbereitung ist zuerst immer die Frage: Welchen Charakter hat der Gottesdienst? Es gibt im Kirchenjahr ja nicht nur Sonn- und Feiertage, sondern auch Feste, Gedenktage und noch andere besondere Anlässe“, zählt Kursleiter Heinz-Dieter Freese auf.

Es ging im Lektorenkurs nicht nur um kirchliche Strukturen. Sprachgefühl und Betonung beim Vortragen waren genauso Inhalt der Seminare wie das Bewegen im Raum. Denn wer ist es schon gewohnt, in einem riesigen, hohen Raum wie in einer Kirche etwas vorzutragen?

Im Anschluss an den Kurs werden die zukünftigen Lektoren nun eine Weile von einem Mentor begleitet, der die Gottesdienste mit ihnen vor- und nachbereitet. Meist ist es der Pastor ihrer Heimatgemeinde. Nach dieser „Mentorats-Phase“ werden die Lektoren offiziell in ihren Gemeinden eingeführt und vom Superintendenten in ihren Dienst berufen.

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