Doku zeigt Arbeit bei den „Kleinen Strolchen“

Wenn Eltern zur Gefahr werden: Gnadenlose Gewalt an zerbrechlichen Kinderseelen

Asendorf/Bassum – Anke Bartel ist auf dem Weg nach Hannover. Direkt aus der Klinik muss sie einen Säugling holen, weil seine Mutter ihn verlassen hat. Wieder ein Kind, das dringend Zuwendung und Liebe braucht – und über das Kinderheim „Kleine Strolche“ ein Zuhause auf Zeit bekommt. In diesem Fall in einer Bereitschaftserziehungsstelle bei Eltern auf Zeit.

Mehr als 400 Jungen und Mädchen haben in den vergangenen fünf Jahren dringend notwendige Unterstützung im Kinderheim oder in einer Bereitschaftserziehungsstelle erhalten. Insgesamt 70 Fachkräfte gehören zum Team.

Der Filmemacher Frank Bauer hat dokumentiert, was ihren Alltag immer wieder prägt – und was das schlichte Wort „Inobhutnahme“ in Wirklichkeit bedeutet. Seit zwei Jahrzehnten arbeitet der Bremer im Filmgeschäft, hat sich mit seiner Marke „Filmreich“ einen Namen gemacht – und musste in seinem privaten Umfeld erleben, wie Differenzen zwischen Eltern für ein Kind fast ein Heimschicksal bedeutet hätten.

Filmemacher Frank Bauer hat ein Herzensanliegen

Dem Filmemacher ist es ein Herzensanliegen, ein Schlaglicht auf eine düstere Seite dieser Gesellschaft zu werfen: „Gewalt von Eltern gegenüber Kindern ist immer noch ein Tabu-Thema.“ Aber was geschieht, wenn Väter oder Mütter zur Gefahr für ihre Töchter und Söhne werden? Wenn körperliche und seelische Gewalt, Vernachlässigung oder Missbrauch ihr Leben prägen?

Schlagen filmisch eine Brücke: (v.l.) Bernhard Schubert und Filmemacher Frank Bauer.

Bernhard Schubert, Geschäftsführer des Kinderheims „Kleine Strolche“, bekommt fast täglich Anfragen von Jugendämtern aus ganz Deutschland, die für traumatisierte Kinder nach der Inobhutnahme ein Zuhause auf Zeit suchen. Gemeinsam mit seiner Frau Anja hat er das Kinderheim 2008 gegründet und immer wieder erweitert – weil die Zahl der Inobhutnahmen steigt. „Leider sind unsere Plätze viel zu oft ausgebucht“, bedauert der Geschäftsführer. Zurzeit erhalten 43 Jungen und Mädchen aus ganz Deutschland Schutz, Geborgenheit und die dringend notwendige Zuwendung im Kinderheim in Asendorf, in der Strolchenvilla in Bassum oder einer Bereitschaftserziehungsstelle. Im Therapiezentrum auf dem Rittergut Ovelgönne (Bücken) arbeiten Fachkräfte mit Kindern, damit sie dem Leben vertrauen können. Viele können keine Beziehung aufbauen, weil sie bisher keine Menschlichkeit erfahren haben. Im Gegenteil: Bernhard Schubert berichtet von einem Kind, das vom eigenen Vater in der Badewanne fast ertränkt worden wäre – weil es zu laut war.

Kinder wie diese brauchen eine intensive und vor allem schnelle Förderung. Doch die gebotene Intensivbetreuung zahle das Jugendamt viel zu oft nicht – weil sie gesetzlich nicht vorgeschrieben sei. Deshalb ist das Kinderheim auf Spenden angewiesen, um diese Arbeit leisten zu können – damit die Kinder endlich einen „normalen“ Alltag erleben und sich im geschützten Raum entwickeln können. „Wir begleiten sie ins Leben zurück“, formuliert es Bernhard Schubert.

Wegen der Kostenfrage geht oft wertvolle Zeit verloren

Spenden helfen genauso den Kindern, die nie oder schlecht sprechen gelernt haben – weil ihre Eltern sich nicht um sie kümmerten.

Jugendämter und Krankenkassen brauchen oft ein halbes Jahr, um die Kostenfrage für die Logopädie zu klären – wertvolle Zeit, die den Kindern verloren geht. Mithilfe von Spenden kann bei den „Kleine Strolchen“ ohne Wartezeit mit dem Sprachunterricht begonnen werden – ein enorm wichtiger Schritt für die Entwicklung sprachloser Kinder.

Deshalb hofft Bernhard Schubert, dass sich Unternehmen oder Privatpersonen für eine Fördermitgliedschaft (120 Euro im Jahr) im Trägerverein für das Kinderheim entscheiden. Dafür gebe es Urkunden, erläutern der Geschäftsführer und die Öffentlichkeitsbeauftragte Sonja Risse, die auch verschenkt werden könnten – genauso wie Spendenurkunden für zum Beispiel einen Ausflug für ein Kinderheimkind oder einen Baum für die naturgestützte Therapie. Erhalten hat der Verein gerade eine Erbschaft im unteren fünfstelligen Bereich, die den Kindern zugutekommt.

Rubriklistenbild: © Anke Seidel

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