Nächste Veranstaltung der Kampagne „Game over – Nichts geht mehr“

„Glücksspiele werden verharmlost“

Das Hauptaugenmerk in Bezug auf die Glücksspielsucht liegt in Niedersachsen im Automatenspiel. Symbolfoto: imago images / Steffen Schellhorn

Br.-Vilsen – Die Glücksspielsucht ist eine recht unerkannte Suchterkrankung, weil körperliche Anzeichen fehlen. Dies sei in Beratungen immer wieder festzustellen, sagt Suchtberater und -therapeut Erik Walsemann vom Verein „release“ mit Sitz in Stuhr. Die Aufklärungsarbeit, beispielsweise in Bezug auf Alkohol und Zigaretten, sei ziemlich gut. Doch „viele Leute sehen Glücksspiel als harmlose Freizeitbeschäftigung an“, sagt Walsemann. Das Geschäft mit den Glücksspielen floriere. Häufig würden sie bereits erstmals im Jugendalter gespielt.

Erik Walsemann ist es, der den nächsten Vortrag der Kampagne „Game over – Nichts geht mehr“ hält. Die Überschrift lautet „Wenn Glücksspiel süchtig macht  ...“. Die Fortbildungsveranstaltung findet am Donnerstag, 13. Februar, von 16.30 bis 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Bruchhausen-Vilsen (Lange Straße 11) statt und richtet sich an Mitarbeiter aus sozialen Institutionen, Schulen, Jugendhäuser, Sportvereine und Angehörige pathologischer Spieler.

Das Hauptaugenmerk in Niedersachsen liege im Automatenspiel. Im vergangenen Jahr seien in dem Bundesland 530,1 Millionen Euro an Glücksspielautomaten verspielt worden. Der monatliche Spieleinsatz liegt somit bei 44,2 Millionen Euro. Am Tag sind es 1,5 Millionen Euro. Glücksspiele würden noch immer verharmlost werden. Die Glücksspielsucht ist seit 2001 eine anerkannte Krankheit. Und Walsemann weiß: „Die Dunkelziffer der Betroffenen ist hoch.“

Glücksspiele seien gesellschaftsgängig, würden von Prominenten beworben. Insbesondere Sportwetten würden immer mehr genutzt, der Fokus liege jedoch nach wie vor, zumindest in Niedersachsen, auf Automatenspielen. Waren Spielhallen früher „eher in Hinterhöfen verortet“, so seien sie heute oft ein Hingucker, attraktiv gestaltet und im zentralen Kern der Ortsmitte angesiedelt. „Glücksspiele wandern in die Mitte der Gesellschaft“, sagt der Suchtberater. Und macht deutlich: „Sie haben ein hohes Suchtpotenzial.“

Ein Grund, die Kampagne „Game over“ anzuregen, sei die steigende Vergnügungssteuer gewesen, erinnert Samtgemeindebürgermeister und Gemeindedirektor des Fleckens Bruchhausen-Vilsen, Bernd Bormann. Ein Teil dieser Summe würde nun in die Kampagne fließen. Das Ziel dieser: Aufklären und sensibilisieren. Denn „die Folgen einer Glücksspielsucht sind gravierend“, sagt Walsemann. Sie würde zu massiven physischen und psychischen Erkrankungen führen. Zudem gebe es neben der hohen Verschuldung auch soziale Folgen wie das Wegbrechen von Freunden und Familien. Auch der Suizid sei eine Folge dieser unterschätzten Sucht. „Da ist Aufklärung nötig“, unterstreicht Walsemann. Wichtig sei es, die breite Masse zu erreichen. Dies solle unter anderem durch sogenannte Multiplikatoren gelingen. Auch diese sind zu der Veranstaltung willkommen. Dann sollen folgende Fragen geklärt werden:

. Welche Glücksspiele gibt es?

. Welche Glücksspiele machen schnell abhängig?

. Wie entsteht eine Abhängigkeit?

. Welche Parallelen gibt es zwischen Glücksspielen und anderen Suchtmitteln?

. Welche Folgen hat eine Glücksspielabhängigkeit?

. Woran kann man erkennen, ob eine Person glücksspielabhängig ist?

. Wie kann man mit Betroffenen ins Gespräch kommen?

Anmeldungen:

Die Initiatoren bitten um Anmeldungen per E-Mail an e.walsemann@release-netz.de.

Die Kampagne:

Die Kampagne „Game over – Nichts geht mehr“ hat der Verein „release“ mit Sitz in Stuhr im Auftrag des Fleckens Bruchhausen-Vilsen ausgearbeitet. Geplant sind in diesem Rahmen Informationsveranstaltungen, Vorträge und weitere Aktionen.  

Der Verein:

Hilfesuchende können sich über die Homepage des Vereins „release“ oder telefonisch an die Ortsgruppe Bruchhausen-Vilsen 04252/1541 und die Kreisgruppe Stuhr 0421/893233 wenden.

Weitere Infos unter:

www.release-netz.de

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