Glücksmomente nach Sturm und einem Unfall

Edmund Behrmann ist nach 600 Kilometer langer Wanderung wieder Zuhause

Dieses Foto beweist: Auf seiner ungewöhnlichen Wanderung musste Edmund Behrmann immer wieder Regenschauern trotzen.

Br.-Bilsen/Kopenhagen - Von Anke Seidel. „Wenn ich das steigern wollte, dann müsste ich schwimmen!“, lacht Edmund Behrmann nach seiner dritten Ausnahme-Tour mit Ziel Kopenhagen. Nachdem er die rund 600 Kilometer lange Strecke zwischen Bruchhausen-Vilsen und der dänischen Hauptstadt zweimal mit dem Fahrrad bewältigt hatte, war er diesmal zu Fuß unterwegs – 28 Tage lang, mit einem Spezialhandwagen und einer knapp 60 Kilogramm schweren Camping-Ausrüstung.

Glücklich ist er nach dem großen Abenteuer wieder Zuhause bei seiner Ehefrau Irmtraud eingetroffen. „Wir haben jeden Abend über Skype miteinander gesprochen. Das war sehr wichtig für mich“, sagt der 67-Jährige. Sie hatte ihm, als er einmal kurz vor dem Aufgeben war, geraten: „Trink erstmal ne' Tasse Kaffee.“ Genau das tat Behrmann – und wanderte weiter. Der Lohn seiner Strapazen: Unvergessliche Eindrücke von der Tier- und Pflanzenwelt der verschiedenen Landschaften – vor allem aber Begegnungen mit Menschen, die ihn bereichert haben.

Behrmann will Hoffnung spenden

Davon zeugen die Berichte, die der 67-Jährige Abend für Abend, auch mal während einer Rast, verfasste und bei Facebook veröffentlichte.

Dieses Reisetagebuch mit einer Fülle von Fotos will er als pdf-Datei im Internet allen Interessierten zur Verfügung stellen – kostenlos, um Menschen in schwierigen Lebenslagen Hoffnung zu geben: „Menschen, die meinen, in einer ausweglosen Situation zu stecken, sollten nach vorne schauen. Denn da ist meistens der Ausweg!“, sagt Behrmann – und hat genau das selbst erlebt. Darmkrebs, lebensbedrohlicher Zuckerschock, Lungenentzündung, Nierenversagen: All das musste Behrmann durchleiden – und hat sich zurück ins Leben gekämpft.

In diesen Sandalen ist der 67-jährige Edmund Behrmann rund 600 Kilometer gelaufen. 28 Tage hat er dafür gebraucht.

„Ich bin kerngesund“, lacht der 67-Jährige nach seinem 600-Kilometer-Marsch, „aber fünf Kilo habe ich abgenommen“. Wunde Stellen an den Füßen hat er mit Joghurt und Quark behandelt – erfolgreich – und ein Knie durch eine Sportbinde entlastet.

Sein kleines Zelt musste er immer wieder auf Feldern oder in Wäldern aufschlagen, weil der Weg zum nächsten Campingplatz zu weit war – oder den strömenden Regen als Dusche nutzen. Immer wieder neue Überraschungen erlebte „Eddy, der glückliche Rentner“, wie er sich selbst nennt: „Was ich für liebe, nette und entgegenkommende Menschen getroffenen habe!“

Ausgerechnet bei einem christlichen Verein war er nicht willkommen

Menschen, die ihn zum Grillen oder auf eine Flasche Bier einluden – und ihm für unterwegs sogar noch eine mitgaben; die ihm nach höflicher Bitte nicht nur seine Wasserflaschen auffüllen ließen, sondern wie selbstverständlich auch noch mit Kuchen beschenkten; oder ihm während einer kurzen Rast völlig überraschend eine Tasse Kaffee aus dem Haus brachten.

Besonders beeindruckt haben ihn drei Menschen vor einem Café, die ihm unbedingt ein Mittagessen spendieren wollten. Doch Behrmann nahm nur eine Tasse Kaffee an, erzählte von seiner Tour und seiner Philosophie. „Als ich mich für den Kaffee bedanken wollte, haben sie gesagt: Wenn sich hier jemand bedanken muss, dann sind wir das!“

Gern erinnert sich Behrmann auch an das Schweizer Paar, das unbedingt ein Foto von ihm machen wollte: „Das wollen sie sich anschauen, wenn es ihnen mal schlecht gehen sollte.“ Hat er auch andere Erfahrungen gemacht? Behrmann überlegt: „Ein Mann war nicht so freundlich.“ Ausgerechnet auf dem Platz des CVJM, dem christlichen Verein junger Männer: Dort hatte der 67-Jährige notgedrungen und ungefragt, weil abends niemand mehr vor Ort war, sein Zelt aufgeschlagen – in der Hoffnung, bei Christen willkommen zu sein. Doch am Morgen musste er sich anhören: „Das ist ja eine Frechheit! Sie sind doch auch kein junger Mann mehr.“

Auf nichts verzichten - nicht auf den Sturm, nicht auf den Unfall

Auf was hätte er gern verzichtet während seines Abenteuers? „Auf nichts!“, antwortet der Rentner. „Selbst auf den Unfall mit dem Wagen nicht“, blickt er auf einen Deichselbruch zurück. „Sonst hätte ich jetzt nicht so eine gute Befestigung – und das für ein Taschengeld.“ Mitarbeiter einer Schlosserei hatten ihm schnell und unkompliziert geholfen. „Selbst das Erlebnis beim Sturm möchte ich nicht missen“, erinnert sich „Eddy“ an die Überquerung einer drei Meter langen Brücke bei Windstärke 9.

Was er sich vorgenommen hatte, seinen Sohn und dessen Familie in Kopenhagen zu besuchen, hat er geschafft. Zurück ist er zwar mit dem Bus gefahren. Aber das Wandern liegt ihm im Blut: „Ich glaube nicht, dass es das letzte Mal war“, sagt „Eddy“ leise. Denn es gibt ja noch andere reizvolle Strecken, die in die dänische Hauptstadt führen.

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