Glaziologe referiert über Inlandeis

„Grönland birgt viele Geheimnisse“

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Hans Oerter ist zehnmal nach Grönland gereist.

Br.-Vilsen - Von Max Brinkmann. „Wenn man die gesamte Eisfläche Grönlands schmelzen und gleichmäßig auf alle Ozeane verteilen würde, würde der Meeresspiegel um 7,2 Meter ansteigen!“ Mit dieser Aussage brachte Dr. Hans Oerter kürzlich seine Zuhörer in der „Scheune“ in Bruchhausen-Vilsen zum Raunen.

Der Glaziologe (Eisforscher) war schon mehrfach in dem Kulturcafé zu Gast gewesen. Beim vorletzten Besuch referierte er über die Antarktis, dieses Mal lautete der Titel seines Vortrags „Das grönländische Inlandeis – Seine Geheimnisse und seine Erforschung“.

Oerter hat 25 Jahre am renommierten „Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung“ in Bremerhaven gearbeitet. Er erklärte den rund 20 Besuchern in der „Scheune“, dass heutzutage 19 Prozent der Gesamtfläche Grönlands (2,166 Millionen Quadratkilometer) eisfrei und die restlichen 81 Prozent vergletschert sind. „Die 19 Prozent entsprechen aber immer noch mehr als der gesamten Fläche Deutschlands.“

Oerter berichtete über verschiedene Expeditionen nach Grönland. 1888 unternahm der Norweger Fridtjof Nansen die erste größere Reise. Grönland war damals noch unerforscht, niemand war bisher ins Innere der Insel vorgedrungen. Nansen durchquerte Grönland mit fünf Begleitern und fand heraus, dass es komplett mit Eis bedeckt war. Auf seiner viermonatigen Reise hatte er mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Die niedrigste Temperatur, die er maß: minus 34,1 Grad Celsius.

Zudem ging Oerter auf eine Expedition von Alfred Wegener 1930/31 ein, bei der der Polarforscher starb – an Herzversagen infolge von Überanstrengung. Sein Team fand heraus, dass das Eis, entgegen der bisherigen Vermutungen, wärmer wird, je weiter man nach unten in den Boden bohrt.

Oerter selbst ist zehnmal nach Grönland gereist. „Die Reisemöglichkeiten und die Werkzeuge haben sich durch den technischen Fortschritt natürlich enorm verbessert“, sagte er. „Bei unserer Arbeitsweise gibt es allerdings im Vergleich zu früher nur minimale Veränderungen.“

Oerter und die anderen Mitglieder seines Teams brachten Eiskerne mit, die in Bremerhaven tomografiert wurden und Aufschluss über das Klima der vergangenen 1500 Jahre boten. Das Ergebnis: Die Strukturen und Muster der Kerne zeigten, dass es schon immer klimatische Schwankungen gab.

Gesucht: Eiskern, der

eine Wärmezeit abbildet

Der Niederschlag in Grönland wird laut Oerter stärker, während das Eis immer weiter schmilzt. „Am schlimmsten war es bisher im Sommer 2012, aber der Trend setzt sich fort“, berichtete Oerter.

„Das grönländische Inlandeis bietet noch genug Geheimnisse für die künftigen Generationen an Forschern“, prognostizierte er. Das nächste Ziel sei, einen Eiskern zu finden, der eine ganze nichtglaziale Zeit, also eine Wärmezeit, abbildet. Bis jetzt konnten nämlich nur Anfang und Ende von Eiszeiten festgelegt werden.

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