„Es gibt große Wissenslücken über die arabische Kultur“

Dr. Dunja Manal Sabra spricht über das „Leben in Deutschland“

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Dr. Dunja Manal Sabra.

Br.-Vilsen - Von Karin Neukirchen-Stratmann. In München geboren, in Österreich die Kindheit verbracht, dann nach Ägypten gezogen. Wie Integration auf dem umgekehrten Weg funktioniert, hat Dr. Dunja Manal Sabra selbst erfahren. „Fremde Sprache, fremde Kultur, das alles war auch für mich neu“, sagt sie. Auf Einladung des Bruchhausen-Vilser Vereins „Lebenswege begleiten“ gab die promovierte Mikrobiologin jetzt im Café Lebenswege den ersten Teil eines Seminars zum Thema „Leben in Deutschland. Erziehung in Deutschland. Wie funktioniert das deutsche System?“

Eingeladen waren die arabisch sprechenden Flüchtlinge aus der Samtgemeinde. Rund ein Dutzend von ihnen fand sich ein, und erlebte einen interessanten Vormittag.

Sabra ist heute nicht mehr in ihrem erlernten Beruf, neben der Mikrobiologie war auch Umwelttechnik ein Studienschwerpunkt, tätig. Sie reist als interkulturelle Trainerin und Übersetzerin durchs Land.

Nach einer Lehrtätigkeit an der Universität Alexandria in Ägypten kam sie 2009 zurück nach Deutschland. „Mir ist aufgefallen, dass Integration hier viel zu lange dauert“, sagt sie.

Das Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin habe sie „sehr beleidigt“. „Ich habe dann mit Menschen gesprochen, festgestellt, dass es große Wissenslücken über die arabische Kultur gibt. Es gibt so viele Missverständnisse.“ Das zu ändern, hat sich Sabra auf die Fahnen geschrieben.

Mit großer Leidenschaft ist sie dabei, hält Seminare, und zwar für „Mehrheimische und Einheimische“. „,Mehrheimische‘, diesen Begriff finde ich viel besser als Migrant oder Flüchtling, denn er ist auf Augenhöhe mit dem Begriff ,Einheimische‘“. Doch während sich die „deutsche Seite mit der Thematik befasst hat,“ gebe es auf der Seite der Migranten noch viel Nachholbedarf. „Ich möchte ein Steinchen ins Rollen bringen, dass es einen Austausch untereinander gibt, dass man die Scheu ablegt, dass man sich traut, Fragen zu stellen.“

Die Mutter von drei Kindern weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht. Ihr Lebenslauf, aber auch das Begleiten der drei Kinder durch die Schule, hat Sabra viel gelehrt. Und das möchte sie gerne weitergeben.

Den Vortrag hielt Sabra in der Muttersprache der Anwesenden. Schnell entwickelte sich ein Dialog, schnell beteiligten sich die Teilnehmer an der Diskussion.

Für Sabra, die sich selbst als „Basismensch“ bezeichnet, ist es wichtig, zu wissen, „wo wir uns im Integrationsprozess befinden.“ Anhand einer Präsentation visualisierte sie das Thema auch für diejenigen Teilnehmer, die nicht lesen können.

Vieles, was bei der Integration im Argen läge, „liegt einfach an der mangelnden Kommunikation“, sagte Sabra. Sie rät deswegen auch dazu, miteinander zu reden.

Den Seminarteilnehmern riet sie: „Das deutsche System zu verstehen heißt, sich zu integrieren.“ Der zweite Teil folgt am 20. Februar um 9 Uhr im Café Am Marktplatz 1 in Bruchhausen-Vilsen.

Die „fünf Phasen des Kulturschocks“ 

Dunja Manal Sabra sprach über die „fünf Phasen des Kulturschocks“: „Zunächst kommt die Euphorie, man ist neugierig auf die fremde Kultur. Dann kommt die Entfremdung, man wird sich der Fremdheit der neuen Kultur bewusst. Es folgt die Eskalation, man hat starkes Heimweh, verherrlicht die eigene Kultur, es kommt zu eskalierenden Konflikten und schließlich zur Isolation. Danach kommen die Missverständnisse, und schließlich gibt es doch eine Verständigung, eine Akkulturation. Man respektiert und duldet sich, man fühlt sich zu Hause.“

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