Verein „Kolos“ verbreitet Konzept von Marshall Rosenberg in der Ukraine

Gewaltfrei kommunizieren

Das Handlungskonzept der Gewaltfreien Kommunikation stellen Elena Novik vom Verein „Kolos“ (sitzend, Dritte von links) und Trainer David Ginati (sitzend, Vierter von links) den Teilnehmern des Seminars in Kiew vor. Foto: Verein Kolos

Br.-Vilsen – „Worte können Fenster sein oder Mauern“, sagte einst Marshall Rosenberg. Der Psychologe (1934 bis 2015) entwickelte das Handlungskonzept der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) und zeigte damit, dass es nicht nur darum geht, was gesagt wird – sondern auch, wie. Das Ziel von Dana Arnold und Elena Novik vom deutsch-ukrainischen Verein „Kolos“ mit Sitz in Bruchhausen-Vilsen ist es, dieses Konzept auch in der Ukraine zu verbreiten. Denn dort sei es noch unbekannt. „Es gibt keine Bücher dazu, keine Seminare“, sagt Elena Novik, die aus der Ostukraine stammt und seit rund 25 Jahren in Deutschland lebt. Sie macht derzeit eine Ausbildung für das Coaching für Gewaltfreie Kommunikation und nutzt das Konzept in ihrem Alltag – unter anderem im Umgang mit der Familie. Doch nicht nur im persönlichen, sondern auch im beruflichen und politischen Bereich könne es angewendet werden. Daher sei es den Frauen auch wichtig, die GFK in der Ukraine zu verbreiten. „Im Zusammenhang mit dem Kriegskonflikt in der Ukraine ist das Thema noch aktueller geworden“, sagt Elena Novik. Die Methode lehrt laut der Projektleiterin, nicht zu bewerten und nicht zu manipulieren. Es gehe um das Verstehen von Gefühlen und der Biografie eines einzelnen, fügt Dana Arnold, „Kolos“-Vorsitzende, an.

Unterstützt wird das Projekt des Vereins „Kolos“, Gewaltfreie Kommunikation in der Ukraine, vom Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) mit Sitz in Eschborn. Das CIM ist eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Bundesagentur für Arbeit (BA). Bei dieser hatte der Verein seine Idee vorgestellt, und wurde als eins von 37 Vorhaben ausgewählt. Insgesamt habe es rund 120 Bewerbungen gegeben. Es gehe um die Wissensvermittlung, nicht ums Materielle, unterstreichen Dana Arnold und Elena Novik.

Das Projekt besteht aus insgesamt vier Touren, erklärt Elena Novik. Gemeinsam mit Trainer David Ginati aus Bremen ist die Projektleiterin aus Achim in der Ukraine unterwegs und informiert über das Konzept. Das erste Angebot fand im November in Kiew statt. Weitere zwei folgen – im März und April. Neben zwei allgemeinen Infoveranstaltungen beinhaltet jede Reise ein dreitägiges Seminar, das nur mit einer Anmeldung besucht werden kann. Die Teilnahmezahl sei grundsätzlich auf 30 Personen beschränkt. In Kiew kamen Interessierte aus sieben Städten, erinnert sich Elena Novik, darunter Studenten, Pädagogen sowie Dozenten. „Wir haben nicht erwartet, dass wir auf einen Platz drei Anmeldungen haben“, sagt sie. Es sei schwierig, Nein zu sagen. Die Teilnehmer seien begeistert gewesen und gaben zum Teil sehr emotionale Rückmeldungen.

Den Abschluss der Reihe bildet im September ein Vertiefungsseminar, bei dem sogenannte Multiplikatoren ausgebildet werden. Die Idee ist, dass anschließend 30 Multiplikatoren der unterschiedlichsten Berufe das Konzept an ihren Arbeitsplätzen anwenden können, sodass eine Community geschaffen werde, die die Methode weitergibt. Dazu möchte auch Dana Arnold gehören. Sie plant, diesen Kurs zu belegen.

Vor Ort seien neben dem Trainer auch Dolmetscher – David Ginati referiert auf Deutsch – sowie eine Person, die für einen Dokumentarfilm verantwortlich zeichnet. Das Werk soll nach Fertigstellung beim Kanal des Vereins „Kolos“ bei YouTube zu sehen sein. Dieser würde noch eingerichtet.

Yuriy Didevych, der CIM-Koordinator für die Ukraine, besuchte das Seminar im vergangenen Jahr ebenfalls und zeigte sich laut Elena Novik begeistert. „Er wollte beim nächsten Seminar als Teilnehmer dabei sein“, sagt sie und lächelt.

Für alle kommenden Veranstaltungen würden laut den beiden Frauen bereits Anmeldungen vorliegen. Die Nachfrage sei sehr groß. Daher schließen die Vereinsmitglieder von „Kolos“ nicht aus, im nächsten Jahr erneut eine Aktion dieser Art zu planen. Genaue Vorstellungen haben sie noch nicht, aber zahlreiche Ideen gebe es bereits. So viel steht für sie fest: Es geht nicht um die Masse, die sie erreichen, sondern um die Qualität. „Jeder Mensch zählt“, sagt Dana Arnold.

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