„Gestalten und vernetzen“

Ingo Espenschied spricht in Bruchhausen-Vilsen über die Geschichte der EU

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Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen (von links) begrüßte zu der Vortragsveranstaltung im Gymnasium den Politikwissenschaftler Ingo Espenschied und Arne Gisewski vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser.

Br.-Vilsen - Von Uwe Campe. „Gestalten und vernetzen – wir in Europa“, heißt das Motto des laufenden Schuljahrs, unter dem sich das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen auf den Weg macht, Europaschule zu werden. Dieser Wunsch wird laut der Schulleitung als Herausforderung und Verpflichtung für die Zukunft verstanden.

Im Unterricht, in weiteren Veranstaltungen und in einer Projektwoche setzten sich Schüler und Lehrer in den nächsten Wochen und Monaten intensiv mit dem Thema Europa auseinander. Damit die Schülerschaft eine Vorstellung entwickeln kann, wo Europa seinen Anfang nahm und welche historische Verantwortung besteht, hat die Schule in enger Zusammenarbeit mit dem Europabüro im Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser zum Auftakt den Politikwissenschaftler Ingo Espenschied von der Universität Mainz eingeladen. Zu dessen Vortrag unter dem Titel „Das Vermächtnis der Gründungsväter – 65 Jahre Europa“ begrüßte Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen am Dienstag in der Mensa neben dem Referenten auch Arne Gisewski als Vertreter der vorgenannten Behörde und mehr als 400 Schüler der Jahrgänge acht bis zwölf.

Der mit vielen Bildern, Grafiken und kurzen Filmsequenzen multimedial gestützte Vortrag zeichnete die Entwicklung seit dem Jahr 1950 nach, in dem die Gründung der Montanunion als eigentliche Geburtsstunde der Europäischen Gemeinschaft angesehen wird. Teil der Veranstaltung waren auch andere historisch bedeutsame Ereignisse, die von Karl dem Großen bis hin zum Zweiten Weltkrieg reichten. Weiteres Thema war auch der 1870/71 zwischen den „Erbfeinden“ Frankreich und Deutschland geführte Krieg, der mit der Gründung des danach zunehmend erstarkenden Deutschen Reichs einen wichtigen Wendepunkt darstellte.

Der Zweite Weltkrieg führte mit dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Dritten Reichs, der Teilung Deutschlands und 1949 der Gründung zweier deutscher Staaten zu völlig neuen Verhältnissen in Mitteleuropa. Während sich die Bundesrepublik Deutschland (BRD) zunehmend den westeuropäischen Staaten und den USA annäherte, unterlag die Deutsche Demokratische Republik (DDR) dem sich auf Osteuropa erstreckenden Machtbereich Russlands. 1950 entwickelte der französische Außenminister Robert Schuman dann einen spektakulären Plan, der über die zur gemeinsamen Nutzung von Kohle und Stahl ins Leben gerufene Montanunion sowohl zu einer Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland als auch letztlich zu einer politischen Föderation führen sollte. 1957 schlossen sich Frankreich, Italien, Deutschland, die Niederlande, Belgien und Luxemburg in den sogenannten Römischen Verträgen zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) zusammen, der 1973 auch Großbritannien, Dänemark und Irland beitraten. Nach einer von nationalen Egoismen geprägten Krise in den 1980er-Jahren und der Wiedervereinigung Deutschlands 1989, stellte die Gründung der Europäischen Union (EU) 1993 einen Meilenstein in der Geschichte dar. Der heute über ein eigenes Parlament verfügenden EU gehören inzwischen 28 Staaten an, von denen 19 die 2002 eingeführte gemeinsame Währung Euro nutzen.

Die vorstehende Entwicklung demonstrierte der Vortragende an einer Grafik, deren Kurve von 1950 bis 2009 fast durchgehend nach oben zeigt, sich in den vergangenen Jahren aber wieder etwas abwärts bewegt, besonders bedingt durch den beabsichtigten Ausstieg Großbritanniens aus der EU. „Europa hat in einer sich zunehmend im Umbruch befindlichen Welt nur dann eine Chance zu bestehen, wenn der bislang nicht abgeschlossene europäische Einigungsprozess rasch weiter voranschreitet“, meinte der Politikwissenschaftler.

Im Anschluss nahm Espenschied dann eingehend zu Fragen aus der Schülerschaft Stellung, wie beispielsweise den Auswirkungen des Brexits, der Einstellung der AfD zu Europa oder dem Beitrag der EU zum Klimaschutz, und bezog auch dabei klare proeuropäische Positionen. Als persönlich zu leistenden Beitrag legte der Referent allen anwesenden Schülern zudem ausdrücklich Auslandsaufenthalte über längere Zeiträume nah.

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