Im Gewerbegebiet Rennbahn

Genossenschaft will in Schwarme fünf Millionen Euro in Schlachthof investieren

Hinweisschild mit der fiktiven Aufschrift Schlachthof
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Heute steht „Rennbahn“ auf dem Hinweisschild, demnächst Schlachthof? Eine Genossenschaft aus Landwirten möchte im Schwarmer Gewerbegebiet einen Schlachthof bauen und dafür fünf Millionen Euro in die Hand nehmen.

Schwarme/Thedinghausen – „Wir haben keine andere Wahl“, sagt Elisabeth Böse. „Wenn unser letzter Schlachter aufgegeben hat, ist auch bei uns Schluss. Wir bringen unsere Viecher nicht zu einem großen Schlachthof“, erklärt die Thedinghäuserin entschieden. Zusammen mit ihrer Schwester Johanna Böse-Hartje kümmert sie sich auf dem Bioland-Hof Böse-Hartje um die Vermarktung – und auch um ein neues Vorhaben, das sie gemeinsam mit fünf anderen Bio-Landwirten aus der Region entwickelt haben und als neu gegründete Genossenschaft umsetzen möchten:

Zusammen wollen sie im Schwarmer Gewerbegebiet „Rennbahn“ auf einer Fläche von rund 5 000 Quadratmetern einen kleinen Schlachthof errichten.

Fleisch aus der Region für Verbraucherinnen und Verbraucher, kurze Wege für Rinder und Schafe bis zur Schlachtung, eine Wertschöpfung direkt vor Ort: Das sind die wichtigsten Ziele, die die Landwirte mit ihrem Schlachthof erreichen möchten.

Dem Schwarmer Gemeinderat haben sie ihre Pläne bereits im Rahmen einer nicht-öffentlichen Sitzung vorgestellt. Keine Ablehnung, keine Zustimmung: „Noch ist nichts entschieden“, erklärt Schwarmes Bürgermeister Johann-Dieter Oldenburg auf Nachfrage der Kreiszeitung. Die einzelnen Fraktionen würden das Thema jetzt für sich beraten, dann würde es erneut auf die Agenda des Gemeinderates kommen.

Rund fünf Millionen Euro möchte die Genossenschaft in Schwarme investieren, um unweit der Biogasanlage einen Schlachthof zu bauen. Mindestens 50 Prozent der Tiere, die dort geschlachtet würden, müssen aufgrund der Förderrichtlinien aus ökologischer Haltung kommen. Eigentlich wollte es Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) möglich machen, dass es wieder in jedem Landkreis einen Schlachthof gebe. Eigentlich. Denn zugleich hat das Land seine Förderrichtlinien angepasst. „Um Fördermittel zu bekommen, muss man einen fertigen Bauplan mit einem Emissionsgutachten haben. Dafür müssten wir erst mal mit 240 000 Euro in Vorleistung gehen“, sagt Elisabeth Böse. Und das, ohne eine Garantie für die Umsetzung zu haben.

„Früher hat eine positiv beschiedene Bauvoranfrage ausgereicht“, weiß sie. Ihre Schwester Johanna Böse-Hartje wirft ein, dass die Politik eine Politik zugunsten der großen Schlachthöfe mache, aber kleinere Vorhaben wie ihres ausbremsen wolle. „Still und heimlich“ habe man die Förderrichtlinien geändert. Ohne finanzielle Unterstützung aber werde aus dem Schlachthof-Bau nichts: „Wir hoffen auf 40 Prozent Förderung“, sagt Elisabeth Böse.

Als Unterstützer und Kenner von Förderprozessen hat sich die Genossenschaft den ehemaligen Bremer Staatsrat Wolfgang Golasowski mit ins Boot geholt. „Wir Bauern allein wären damit überfordert“, gibt Elisabeth Böse zu. Auch die Bank habe bereits ihr Okay gegeben, wenn die Fördermittel denn flössen und der Schwarmer Gemeinderat ein positives Votum abgebe. Auch Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann haben die Landwirtinnen ihr Projekt bereits vorgestellt. „Den konnten wir auch gleich begeistern“, berichtet Elisabeth Böse.

Denn was die Genossenschaft plant, ist überschaubar und trägt einen durch und durch regionalen Charakter: Bis zu 50 Rinder sowie einige Schafe sollen pro Woche in Schwarme geschlachtet werden. „Da kommen keine großen Lkw“, unterstreicht sie. Vielmehr stehe der Menschen- und Tierschutz im Vordergrund: Gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten soll es geben, kurze und stressfreie Transporte für die Tiere.

Das Investment von fünf Millionen Euro „ist schon eine Hausnummer“, sagt Elisabeth Böse. Die Wertschöpfung solle durch den Schlachthof komplett in der Region bleiben. „Wir werden auch eine Abteilung haben, wo Selbstvermarkter ihr Fleisch verpacken und einschweißen können.“ Zudem soll es einen Laden für Großverbraucher wie Endkunden geben.

Und auch die unmittelbare Nähe zur Biogas-Anlage biete Chancen: „Da ist einer, der erzeugt Energie und einer, der verbraucht Energie“, sagt Elisabeth Böse und spricht den Energiebedarf an, den der Schlachthof haben würde – da könnte eine Kooperation mit der von der Bremer swb AG betriebenen Biogasanlage eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten darstellen.

Das Interesse an einem Schlachthof in der Region sei auf jeden Fall da, betont Elisabeth Böse. „Bei den Verbrauchern und bei den Bauern.“ Denn immer mehr Menschen wollten wissen, wo die Tiere geschlachtet werden, deren Fleisch sie essen. Und sie bekäme auch viele Anfragen von engagierten Junglandwirten, die sich für das Projekt interessierten.

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