Stromnetz-Vertrag mit Avacon

Gemeinden werden Aktionäre

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Bei der Vertragsunterzeichnung: (vorne, v. l.) Landrat Cord Bockhop, Avacon-Technikvorstand Stephan Tenge, Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann, Avacon-Kommunalmanagement-Bereichsleiterin Franka Simon sowie (hinten, v. l.) Avacon-Kommunalreferent Hermann Karnebogen, Asendorfs Bürgermeister Heinfried Kabbert, Martfelds Bürgermeisterin Marlies Plate, der stellvertretende Fleckenbürgermeister Ulf Schmidt, Süstedts Bürgermeister Reinhard Thöle und Schwarmes Bürgermeister Johann-Dieter Oldenburg.

Samtgemeinde - Am Ende knallten die Sektkorken: Bestens gelaunt unterzeichneten die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen im Forsthaus Heiligenberg eine neue Vereinbarung mit dem Energieversorger Avacon.

Sie verzichten darin auf ihr Sonderkündigungsrecht des 2012 abgeschlossenen, über 20 Jahre laufenden Konzessionsvertrags. Das bedeutet: Die Avacon wird definitiv bis 2032 das Stromnetz der Samtgemeinde betreiben. Außerdem sagten die Bürgermeister von Martfeld, Schwarme, Bruchhausen-Vilsen und Asendorf zu, Aktien von der Firma zu kaufen. Eine Investition, die sich ihrer Meinung nach auszahlen wird.

Das Wertpapier-Paket kostet 440.000 Euro; davon entfällt die Hälfte auf den Flecken Bruchhausen-Vilsen, während Martfeld und Asendorf jeweils für 75.000 Euro Aktien kaufen und Schwarme für 70.000 Euro. Die Beträge wurden laut Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann grob nach dem Einwohnerschlüssel verteilt. Das Geld komme aus den Finanzhaushalten, alle vier Gemeinden hätten genug liquide Mittel zur Verfügung. „Die Dividende fließt positiv in den Ergebnishaushalt ein, die Aktien müssen nicht abgeschrieben werden“, erklärte Bormann den haushaltstechnischen Vorteil. Nach seinen Worten kann sich der Gewinnanteil sehen lassen: Er sprach von 5,3 Prozent Verzinsung im Jahr.

Warum verzichten die Gemeinden heute auf die Möglichkeit, innerhalb bestimmter Fristen ohne Angabe von Gründen zu kündigen, um die sie 2012 doch so gekämpft haben? „Wir hätten den Vertrag nächstes Jahr zu 2019 kündigen können“, erklärte Bormann. „Um eine Grundlage für die Kündigung zu haben, hätten wir jetzt für hohe Kosten einen Berater einstellen müssen, der uns das Prozedere erklärt und sagt, ob es überhaupt Sinn macht.“ Es macht keinen Sinn, haben die Räte der Gemeinden nach einigen Diskussionen befunden. Mit dieser Entscheidung beerdigen sie die vor Jahren gesponnene Idee, selbst das Stromnetz in der Samtgemeinde zu betreiben. Dazu hätte die Kommune Stadtwerke gründen müssen. Ein teures Vergnügen.

„Wir wollten aber nicht umsonst auf das Sonderkündigungsrecht verzichten“, sagte Bormann, und Schwarmes Bürgermeister Johann-Dieter Oldenburg bescheinigte ihm, ein „harter Verhandler“ zu sein. Auch Landrat Cord Bockhop, der in der Hauptversammlung der Avacon vertreten ist, trug seinen Teil dazu bei, dass die Gemeinden nun Aktien kaufen durften – als „Erste in Niedersachsen, die nicht Landkreis oder kreisfreie Stadt sind“, wie Bormann es formulierte.

„Man musste uns gar nicht lange überreden“, sagte Avacon-Technikvorstand Dr. Stephan Tenge. „Wir freuen uns immer sehr, wenn eine Gemeinde zum Aktionär wird, mit der wir zusammenarbeiten.“ Die „Kommunalen“ halten 38,5 Prozent der Anteile der Avacon. Bevor sie Aktien kaufen dürfen, muss die Aktiengesellschaft zustimmen.

Landrat Bockhop bezeichnete „die Thematik der Leitungen als ein zentrales Thema der Versorgung der Menschen“. „Wer die Leitungen hat, hat die Macht“, sagte er. Deshalb sei es wichtig, dass die Komunen bei der Avacon mit am Tisch sitzen. 

mah

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