Gemeinde ist (noch) gut aufgestellt

Zehn Minuten bis zum Hausarzt

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Mediengruppe Kreiszeitung

Br.-Vilsen - „Sie haben im Augenblick kein Problem. Sie haben auch noch Fachärzte, das ist nicht unbedingt üblich. Und Sie erreichen innerhalb von zehn Minuten den nächsten Hausarzt.“ Was Michael Schmitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Verden der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), dem Sozialausschuss der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen am Montagabend im Rathaus zu sagen hatte, klang im ersten Moment beruhigend. Dennoch: „Die Bereiche Syke, Sulingen und Nienburg sind unsere Sorgenkinder.“

Denn dort liege die hausärztliche Versorgung bei lediglich 98,7, 90 und 86,4 Prozent der Bevölkerung. Und sie werde weiter sinken: Immerhin hätten viele Hausärzte das Alter von 60 Jahren bereits überschritten. „Würden viele nicht länger arbeiten, hätten wir ein Problem.“ Daher müssten Kommunen und KVN gemeinsam gegensteuern, befand Schmitz. So sollten Kommunen Abiturienten aus der Region aktiv bis zur Facharztausbildung begleiten, Wohnungen, adäquate Arbeitsplätze für den Partner und eine gute Infrastruktur vorhalten. Denn die Bedürfnisse junger Ärzte hätten sich geändert: „Sie gehen am liebsten in die Stadt. Das bringt uns auf dem Land in die Bredouille.“

Zwar sei die Anzahl der Medizinstudenten gleich geblieben, doch würden heute zwischen 60 und 70 Prozent aller jungen Ärzte Frauen sein. „Und die haben andere Lebenszeitmodelle.“ Deshalb liegt nach Schmitz‘ Ansicht die Zukunft nicht in Einzel-, sondern in Gemeinschaftspraxen oder medizinischen Versorgungszentren. Dort könne es einen zugelassenen Praxisinhaber geben, der ein breites Leistungsangebot vorhalte und angestellte Ärzte in Voll- oder Teilzeit beschäftige.

Bemühungen um den

Mediziner-Nachwuchs

Fakt sei: „Alle Vertragsarztsitze werden wir nicht wieder besetzen können. Aber das führt nicht gleich zu einer Versorgungslücke.“ Die KVN bemühe sich um den Nachwuchs, sagte Schmitz. Zum Beispiel mit Lehrbeauftragten an den Universitäten, die den angehenden Ärzten das Einsatzgebiet der Allgemeinmedizin näherbringen. „Denn das findet sonst im Studium nicht statt.“ Auch die demnächst startende Kampagne „Ärztlich willkommen“ soll dazu beitragen, mehr junge Ärzte aufs Land zu ziehen.

Dabei müsse auch der Gesetzgeber helfen: „Wir als KVN erwarten den Wegfall von Budgets, mehr Honorar durch die Kassen und keine Regressforderungen mehr an Ärzte.“

ine

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