Gelungene Theaterpremiere: „Arven un nich starven“ strapaziert Lachmuskeln

Martfelder wissen nicht, wohin mit dem Geld

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Zum Kaputtlachen: Während Horst-Dieter (Rolf Bröer) das Gesicht von seinem Bruder Ulrich (Torsten Tobeck) abdeckt, staunen Franziska (Marion Hoffmann, links) und ihre Tochter Kerstin (Jana True) darüber. Nur Bernd (Marcel Lackmann) weiß, was da vor sich geht.

Martfeld - Von Dieter Niederheide. „Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige“, hat der französische Philosoph Voltaire (1694-1778) einst gesagt. Dieses Zitat passt perfekt zu dem Stück „Arven un nich starven“ (Erben und nicht sterben) von Autor Wolfgang Binder aus Hamburg. Langweilig ist die plattdeutsche Komödie in drei Akten mit Sicherheit nicht, dafür aber ungewöhnlich geschrieben. Und wenn sie dann auch noch gekonnt aufgeführt wird, ist Begeisterung im Publikum programmiert. So wie am Sonntag bei der Premiere der plattdeutschen Theatergruppe des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV) Martfeld.

Um es vorweg zu schreiben: Die Aufführung im Gasthaus Soller vor vollem Saal war nicht nur gelungen, sie war ein köstliches Erlebnis. Auffallend: die kontinuierliche darstellerische Steigerung des Ensembles bis zur letzten Szene.

Das Stück birgt viele Lacher. Da gewinnen Horst-Dieter (Rolf Bröer) und seine Frau Franziska (Marion Hoffmann) getrennt voneinander im Lotto, und zwar jeder gleich über sechs Millionen Euro. Allerdings trauen sie sich nicht, dem Partner davon zu berichten. Warum nicht? Horst-Dieter hat sich immer gegens Lotto-Spielen gewehrt – und dann gewinnt er gleich bei seinem ersten Versuch. Und Monika hat ihrem Mann zur Hochzeit versprochen, nie wieder einen Lottoschein auszufüllen.

Während er jammert „Wat mak ik blots, wak mak ik blots, wenn de Fruu dat rut kriegt“ und bei seinem Freund Bernd (Marcel Lackmann) Rat sucht, vertraut Monika sich ihrer Tochter Kerstin (Jana True) an. Für Monika hat ihr Lottogewinn „veel to veele Nullen“. Beide Ehepartner machen sich viele Gedanken, wie sie dem anderen den großen Gewinn mitteilen sollen, und dabei kommen ihnen einige Kuriositäten in den Kopf.

Beispielsweise zwei vorgetäuschte Todesfälle. Horst-Dieter lässt seinen Bruder Ulrich (Torsten Tobeck) in der Ferne sterben, Monika ihrerseits fällt nichts Besseres ein, als ihre Schwester Anne (Änne Soller), wie Ulrich weit weg wohnend, in die Ewigkeit einziehen zu lassen. Damit soll der Lottogewinn als Erbe ausgegeben werden.

Hört sich einfach an, wird aber auf der Bühne zu einem Fiasko, als die angeblich Verstorbenen nach Jahren plötzlich mal wieder vor der Tür stehen. Die Szenen, die sich dann abspielen, sind echte Highlights. Bruder Ulrich und Schwester Anne wissen nicht, wie ihnen geschieht. Der Bruder bekommt im Sessel sitzend ein Tuch aufs Gesicht gehalten, die Schwester wird von Mutter und Tochter an die Wand gedrückt, einer wird zum Zeugen Jehovas, der andere zum Gast der Heilsarmee.

Natürlich löst sich irgendwann alles auf, aber über das Wie und Wann wollen wir an dieser Stelle noch nicht zu viel verraten.

Die Besucher der Premiere sparten nicht mit Szenenapplaus, den sich jeder der Laiendarsteller auf der Bühne mehr als verdient hatte. Selten so viel gelacht, registrierten die Besucher am Ende der Aufführung.

Mimik, Gestik und die Freude am Spiel waren bei allen Schauspielern beeindruckend. Die Angriffe auf das Zwerchfell der Gäste waren heftig.

Am Erfolg beteiligt waren auch Sabine Schröder (Souffleuse), Sonja Geils (Maske) sowie Torsten Bomhoff und Wilfried Bomhoff (Bühne).

Für folgende Aufführungen von „Arven un nich starven“ gibt es im Fachgeschäft von Hollen in Martfeld noch ein paar Tickets: Samstag, 27. Februar, um 20 Uhr (Essen ab 18.30 Uhr möglich) sowie Samstag, 5. März, um 19 Uhr (mit anschließender Disko).

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