18 Kinder aus Weißrussland erleben in Wöpse eine Auszeit vom schwierigen Alltag

Das ist gelebte Völkerverständigung

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Die Kinder aus Gomel verbringen zusammen mit ihren Betreuerinnen eine unbeschwerte Zeit in Wöpse.

Wöpse - Von Jana Wohlers. Sie spüren die Folgen der Nuklear-Katastrophe von Tschernobyl (Ukraine) vom 26. April 1986 noch heute: Die Kinder aus der am stärksten betroffenen Region Gomel im Nachbarstaat Weißrussland werden immer wieder mit Krankheiten und dem Tod konfrontiert. Um ihnen eine sorgenlose Auszeit vom Alltag zu bieten, lädt der Kirchenkreis Syke-Hoya jedes Jahr 18 Kids aus Gomel ein.

So auch 2017: Seit Ende Juni und noch bis zum 26. Juli übernachten die Mädchen und Jungen im Schullandheim in Wöpse.

Verseuchte Lebensmittel, verstrahltes Wasser

Mehrere der Kinder haben ihre Mütter oder Väter durch von radioaktiver Strahlung ausgelöste Krankheiten wie Krebs verloren. Die Weißrussen essen verseuchte Lebensmittel, sie trinken verstrahltes Wasser und sind oft schon in jungen Jahren krank. Die evangelisch-lutherische Landeskirche hat daher 1991 die Aktion „Hilfe für Tschernobyl“ ins Leben gerufen. Jedes Jahr erholen sich im Gebiet der Landeskirche rund 700 Kinder, seit 1991 waren über 32.000 junge Weißrussen zu Besuch. Von Anfang an beteiligt sich Renate Paul aus Hoya an der Aktion.

Sie hat auch in diesem Jahr den Besuch der 18 Kids organisiert. Am 28. Juni stiegen die jungen Gäste zusammen mit ihren Betreuerinnen Oksana Pazukova sowie Irina und Lisa Repina in Hannover aus dem Flugzeug. Das vierwöchige Urlaubsprogramm enthält alles, was das Kinderherz begehrt – angefangen bei leckeren Gerichten und bunten Angeboten zum Spielen über verschiedene sportliche Aktivitäten bis hin zu zahlreichen Ausflügen, zumeist von Ehrenamtlichen auf die Beine gestellt.

„Ohne das große Engagement der regionalen Unternehmen, Vereine und Gruppen wäre das alles in diesem Umfang gar nicht möglich“, sagt Paul, die als Koordinatorin des Kirchenkreises Syke-Hoya für die Aktion zuständig ist. Insgesamt kümmert sich eine zwölfköpfige Gruppe des Kirchenkreises um die Versorgung der Gäste. Finanziert wird das Programm von der Landeskirche, dem Kirchenkreis und durch Spenden.

Renate Paul fliegt jährlich selbst nach Gomel, unter anderem um den Kontakt zu pflegen. Mit den Betreuerinnen Irina Repina und Oksana Pazukova unterhält sie seit Jahren ein freundschaftliches Verhältnis. Paul ist sicher: „Dass man sich untereinander gut kennt, macht vieles einfacher.“

Erkältungen sind hier viel schneller auskuriert

Für sie ist die Nuklear-Katastrophe von Tschernobyl ein Ereignis, das zeigt, dass man mit Geld nicht alle Probleme lösen kann. „Die Aktion ist für uns eine Gelegenheit, nicht nur über Nächstenliebe zu reden, sondern sie auch unter Beweis zu stellen“, sagt Paul. „In Deutschland können die Jungen und Mädchen durchatmen, ihren Alltag hinter sich lassen und einfach mal Kind sein.“

Bereits nach den ersten zwei Wochen zeigt sich, wie gut die Reise den Kids bekommt. „Erkältungen sind hier innerhalb weniger Tage auskuriert. Bei uns dauert das mindestens eine Woche“, sagt Irina Repina.

Wer die Besucher zusammen mit ihren Betreuerinnen sieht, der erkennt schnell „ein Stück gelebte Völkerverständigung“, wie Paul es formuliert. Sie spricht von „einer Begegnung auf Augenhöhe mit einem Land, das man vergessen nennt“. Weißrussland sei ein Staat mit wenig Kontakten, es sei sehr schwierig, dort einzureisen, erklärt Paul. Und die wirtschaftliche Lage sei schwierig. „Selbst wenn die Menschen noch so hart arbeiten, können sie kaum etwas bewegen, weil sie das Geschaffene nicht vermarkten können.“

Das Heimatland der 18 Kinder wird autoritär regiert, die Armut nimmt dort seit Jahren stetig zu. In Deutschland lernen sie, was Freiheit bedeutet.

Bis es am 26. Juli „Auf Wiedersehen!“ heißt, stehen noch jede Menge Spiel, Spaß und Gemeinschaft auf dem Programm.

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