Wo Geld fehlt, kann Kindern nur schwer geholfen werden

Heim „Kleine Strolche“ braucht mehr Platz

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So soll der Neubau des Kinderheimes aussehen. Der erste Bauabschnitt, der das „Türmchen“ und das an ihn geschlossene Gebäude umfasst, soll 1,8 Millionen Euro kosten. 

Asendorf - Von Julia Kreykenbohm. Es ist zwei Uhr in der Nacht. Das Telefon im Kinderheim „Kleine Strolche“ in Asendorf schrillt. Leiter Bernhard Schubert oder eine Mitarbeiterin nimmt ab. „Hier ist das Jugendamt Hannover. Wir haben hier ein drei Monate altes Baby, das Spuren von Misshandlungen aufweist. Wir müssen es in Obhut nehmen, Polizei ist vor Ort. Können Sie es in Obhut nehmen?“ Anfragen wie diese erhält er täglich drei- bis fünfmal aus dem Landkreis Diepholz, Bremen, Stadt und Region Hannover, Hamburg, Berlin oder auch Düsseldorf. Das sind 150 Fälle pro Monat. Ein Zeichen für die gute Reputation seines Heimes.

Normalerweise gäbe es nun zwei Optionen. Entweder fährt Schubert oder ein Mitarbeiter des Kinderheims nach Hannover, um das Kind aus dem Krankenhaus abzuholen. Oder der Mitarbeiter des Jugendamtes bringt das Kind zu ihm. Dann würde es eine Zeit in der Inobhutnahme-Station im Heim bleiben. Das kann im besten Fall drei Monate dauern, im schlechtesten neun Monate oder länger.

Doch seit einiger Zeit muss Schubert meistens eine Antwort geben, die ihm nicht leicht über die Lippen kommt: „Nein, tut mir leid, wir sind voll ausgelastet.“ Der Mitarbeiter des Jugendamtes legt auf. Er wird nun weiter in der Bundesrepublik herumtelefonieren, um einen Platz für das Baby zu finden. Oft stundenlang oder länger. Dies dauert so lange, weil die Mitarbeiter auf den Jugendämtern keine deutschlandweite Platzsuche für freie Plätze in der Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung haben. 

Schubert hingegen liegt wach und fragt sich, wo das Kind, das er gerne aufgenommen hätte, nun landen wird. Ob es in ein Heim kommt, dass dann manchmal den Bedürfnissen eines misshandelten Babys nicht gerecht werden kann, wie es im Kinderheim „Kleine Strolche“ ist – wenn mehr Platz vorhanden wäre.

Neubau ist notwendig - und teuer

Schon seit geraumer Zeit platzt das Heim, das Kinder bis zu sechs Jahren aufnimmt, aus allen Nähten. Darum soll auch ein Neubau her, der insgesamt vier Millionen Euro kosten soll. Der erste Bauabschnitt wird etwa 1,8 Millionen verschlingen. Ohne Großsponsoren wird das nur schwer zu realisieren sein. Darum wendete sich Bernhard Schubert vor rund drei Monaten mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit. Was hat sich seitdem getan?

Bernhard Schubert vor dem Grundstück, auf dem das neue Kinderheim-Gebäude entstehen soll.

„Wir haben mehrere Spenden bekommen“, berichtet Schubert und zeigt begeistert die E-Mails. „Unter anderem haben Mitarbeiter einer Firma das Geld für die Feier ihres Jubiläums überwiesen. Das hat uns sehr gefreut, weil es uns zeigt, dass Menschen unser Vorhaben positiv begleiten und gut finden, was wir hier tun.“ Insgesamt seien 3000 Euro zusammengekommen. Mit der Förderung durch das Land Niedersachsen in Höhe von 324.000 Euro, mit dem nur der erste Bauabschnitt gefördert wird, habe man insgesamt eine halbe Million zusammen. 

Somit ist noch ein weiter Weg zu gehen, doch Schubert ist optimistisch und glaubt an das Projekt. Ein Zeichen dafür setzen er und sein Team, indem sie zurzeit zwei Sozialpädagogik-Studenten der Akademie Lüneburg, die ein duales Studium absolvieren, ausbilden. „So führen wir künftige Fachkräfte früh an den beruflichen Alltag heran“, sagt Schubert.

Der Heimleiter hat auch schon konkrete Vorstellungen, wer bei der Finanzierung des Neubaus helfen könnte. „Für einen Automobilhersteller, der Elektro-Autos nach vorne bringen möchte, könnte es ein passendes Patenprojekt sein, da wir zum einen Zapfsäulen am neuen Haus aufstellen und Elektroautos für die Mitarbeiter anschaffen wollen.“ Die Spenden können die Sponsoren steuerlich abschreiben.

Imagefilm statt "Bettelbrief"

Um noch mehr Menschen mit ins Boot zu holen, dreht das Kinderheim gerade einen kleinen Image-Film. „Das ist unaufdringlicher, als so ein ,Bettelbrief’, den die Leute sicher sehr häufig bekommen. Den Film können sie sich in Ruhe anschauen und auf sich wirken lassen und wir können unsere Einstellung zu unserer Arbeit besser transportieren.“ Das Geld für den Film zahlen Schubert und seine Frau aus eigener Tasche.

Das Ehepaar steht hinter dem Bauvorhaben, das ihnen erlauben wird, etwa 25 Kleinkinder mehr aufzunehmen. Besonders am Herzen liegt ihnen dabei der Bereich für die Säuglinge, die rund um die Uhr von Pädagoginnen betreut und umsorgt werden. Diese Frauen hätten im Neubau ein separates Apartment mit kleiner Küche für sich und der Raum für die Kinder wäre größer. Das muss er auch sein, denn die Kleinen, die dort untergebracht werden, müssen aufgrund der Misshandlungen oder Vernachlässigung durch ihre Eltern häufig künstlich ernährt oder auch beatmet werden.

Wer das Kinderheim beim Bau des neuen Gebäudes als Spender oder Investor unterstützen möchte, kann sich auf der Homepage der „Kleinen Strolche“ unter www.kinderheim-kleine-strolche.de unter der Rubrik Spenden informieren. Telefonisch ist das Heim unter 05022 /9446653 zu erreichen.

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