Jürgen Hanfeld gibt eine Führung durch das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude

Der Geist des Martfelder Bauernhofs

In der kleinen Werkstatt sind noch etliche alte Werkzeuge zu finden.

Martfeld - Von Nala Harries. Spinnenweben hängen vor den Fenstern, in manchen Räumen bröckelt bereits der Putz von den Wänden und einige Streifen einer alten Mustertapete bahnen sich ihren Weg zu Boden. Der aus dem 18. Jahrhundert stammende Bauernhof in Martfeld erinnert fast an ein Spukschloss. Und darin darf auch ein Geist nicht fehlen. Mathilde, die Vorbesitzerin des Gebäudes, scheint dort ihr Unwesen zu treiben – davon ist Jürgen Hanfeld aus Wechold, der den Hof vor rund acht Jahren kaufte, überzeugt. „Im Dorf erzählt man sich, dass sie in dem Haus gestorben ist. Ein Hund hätte sie gebissen, woraufhin sie an einer Infektion erkrankt sei und erst einige Tage nach ihrem Tod gefunden wurde“, meint er.

Bei einer Führung durch das rund 350 Quadratmeter alte Gemäuer gibt der selbstständige Landmaschinenmechaniker zu, dass er selbst auch nicht um Mitternacht nur mit einer Taschenlampe bewaffnet durch die Räume wandeln würde. Strom geschweige denn Licht gibt es auf dem Geisterhof nur ganz wenig. „Selbstverständlich steht die Angst, auf einen Einbrecher zu treffen, dabei im Vordergrund. Aber Mathilde spielt da vielleicht auch eine Rolle“, fügt er hinzu und schmunzelt.

Um Vandalen fernzuhalten, stellte Hanfeld einige Schaufensterpuppen, die er einmal für seine Geburtstagsfeier gekauft hatte, auf. Eine der Damen hat es sich auf einem Stuhl mit Blick aus einem der Fenster gemütlich gemacht. Eine andere posiert absurderweise auf einem Surfbrett in der Mitte des ehemaligen Kaminzimmers. Und ein weiterer Herr in einer gelben Badehose starrt durch das Glas in die Natur nach draußen. Laut dem Hausbesitzer hätten ein paar Kinder vor drei Jahren einige der Fenster eingeworfen. „Die bekommen durch meine Puppen jetzt einen ordentlichen Schreck, wenn sie einen Blick durch das Fenster werfen“, sagt Hanfeld.

Von dem einst „modernsten Betrieb in der Umgebung“ ist nur noch wenig übrig. Im Stall ist eine alte Viehwaage zu erkennen sowie mehrere Abteile für die Tierunterbringung. „Zwölf Kuhstellplätze waren damals schon sehr viel, heute hat ein großer Betrieb rund 2 500 Milchkühe“, weiß Hanfeld. Im Stallgebäude findet sich ein Plumpsklo, vor dessen Tür ein staubiger alter Schuh liegt. „Der gehörte bestimmt Mathilde“, meint Hanfeld und grinst. Auf einem der Dachböden ist zudem eine alte Räucherkammer mit pechschwarzen Wänden eingerichtet. Dort hätten die Landwirte früher die Würstchen und Schinken aufgehängt, erklärt der Landmaschinentechniker. In der alten Werkstatt erinnern stark verrostete Hämmer, Sägen und einige historische Werkzeuge noch an die Zeit vor der modernen Technik. Viel mehr gibt es in dem Gebäude aber nicht zu sehen, außer einer Menge Spinnenweben. „Der Hof wurde damals zwangsversteigert und es gab eine Auktion, wo bereits viele Dinge den Besitzer gewechselt haben“, erklärt Hanfeld. Nicht nur das Mobiliar fehlt in dem Haus, sondern teilweise auch Stücke aus dem alten Mauerwerk. Die Löcher seien schon so groß gewesen, dass man hätte hindurchkriechen können, sagt der Wecholder. Aufgrund dessen habe er diese mit Holz ausgebessert, um unerwünschte Besucher zu vermeiden.

Aber was will Jürgen Hanfeld mit dem Geisterhof? „Um den geht es mir eigentlich gar nicht, sondern eher um das dazugehörige Land“, meint der er. Rund elfeinhalb Hektar Grundstück gehören zu dem Hof. „Das ist meine Altersvorsorge. Land ist nicht vermehrbar. Und die Grundflächen des Ackerlands werden in Deutschland immer weniger, weshalb es im Wert steigt“, fügt er hinzu. Irgendwann einmal möchte er das Anwesen samt dem Gebäude verkaufen. „Außerdem wurde mir gesagt, hier sei ein Schatz vergraben. Den habe ich aber noch nicht gefunden“, meint Hanfeld.

Aber wie steht es um eine Sanierung des Hofs? Diese Frage verneint der Landmaschinentechniker: „Ich habe ein Haus in Wechold und möchte da auch bleiben.“ Wichtig sei ihm aber, den denkmalgeschützten Hof in seiner ursprünglichen Form zu erhalten. Bisher sei noch kein Balken verändert worden und alles im Originalzustand. „Damit nichts vollends zerstört wird, kontrolliere ich unter anderem regelmäßig das Dach. Reinregnen soll es ja nicht“, sagt er. In dem Zuge habe er auch die Dachrinnen erneuern müssen.

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