Geheimnisvoller Immentun

Bienenzaun von 1890 auf dem Hof Meyer-Toms ist denkmalgeschützt

2 Männer mit historischem Bienenkorb vor einem Bienenzaun
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Im Katasterverzeichnis als Ruine geführt, existiert in Schwarme seit 1890 ein heute denkmalgeschützter Bienenzaun, über dessen Geschichte Jürgen Büttelmann (links), hauptberuflicher Imker aus dem Landkreis Rotenburg, und Hofbesitzer Hermann Meyer-Toms viel zu erzählen wissen.

Schwarme – Wenn es Orte gibt, an die man sich an einem sonnigen Herbstnachmittag mit Zwetschgenkuchen, Kaffee und einem schönen Buch zurückziehen möchte, um für einige Stunden die Welt um sich herum zu vergessen, der Bienenzaun auf dem Biolandhof an der Kiebitzheide in Schwarme ist ein solcher.

Zugegeben, etwas in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig ist das alte Gemäuer schon, das sich beschattet von hohen Bäumen hinter Speicher und Backhaus auf dem Anwesen von Hermann Meyer-Toms versteckt, aber vielleicht ist es gerade das, was ihm seinen malerischen Charme und seine fast ein wenig geheimnisvoll anmutende Aura verleiht. „Immentun“ oder „Immenschuur“ heißt das denkmalgeschützte Gebäude auf niederdeutsch. Bienenzäune sind überdachte, halboffene Unterstände, in denen die Imker einst ihre Völker entweder in strohgeflochtenen Körben oder in hölzernen Kästen wettergeschützt aufstellten. Sie wurden in Fachwerkbauweise aus einem rund zwei Meter hohen Holzgerüst errichtet, das langgestreckt sein oder – wie in Schwarme – geschlossen ein Viereck umlaufen konnte.

Ausgefacht wurden sie in der Regel mit Lehmflechtwerk oder Ziegelsteinen. Um nicht Opfer von unerwünschten Besuchern oder gar Dieben zu werden, wie man es aus den Legenden um Till Eulenspiegel oder den Geschichten von Wilhelm Busch kennt, wurde die Eingangstür allabendlich fest verschlossen.

Die Imkerei hat schon seit langem eine Rolle auf dem Schwarmer Halbmeier-Hof gespielt, dessen Geschichte sich bis ins frühe 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. So hat ein Vorfahre des jetzigen Besitzers, ebenfalls mit dem Vornamen Hermann, um 1850 Bienenkörbe in Staatshausen bei Schwaförden aufgestellt und dort auch seine spätere Frau Margarethe Schumacher kennengelernt, deren Name man noch heute auf der Tafel am Giebel des 1857 gebauten Haupthauses findet.

Auf dem heimischen Hof befand sich der um 1890 errichtete Bienenzaun zunächst am sogenannten Borsteler Feldweg und soll Platz für bis zu 240 Völker geboten haben. 1895 haben dann aber die Bienen den Unmut der Obrigkeit auf sich gezogen, da offenbar wiederholt Boten auf Pferden von ihnen belästigt wurden. Sie ordnete daher die Umsetzung des Zaunes an seinen jetzigen Standort in den hinteren Teil des Grundstückes an.

Bis Mitte der 1930er-Jahre wurde die Imkerei auf dem Hof noch in Eigenregie betrieben, dann übertrug man sie einem Imker aus Kirchlinteln-Odeweg, der 80 bis 90 Völker mitbrachte, die hier von April bis Juli Honig sammelten. Anschließend wurden diese zusammen mit restlichen Völkern der Meyers nach Kirchlinteln-Ramelsen gebracht, um in der dort damals noch weitläufigen Heidelandschaft den begehrten Heideblütenhonig zu ernten.

Und auch in diesem Fall haben die Immen ihren Anteil an der weiteren Familiengeschichte gehabt, stammt doch die Großmutter von Hermann Meyer-Toms, Wilhelmine geborene Martens, von dem dortigen uralten Heidehof. Als Randnotiz sei vielleicht noch angemerkt, dass der Großvater des Verfassers, Karl Borgmann aus Eitzendorf – auch er ein passionierter Imker – seine Bienen zur Zeit der Heideblüte ebenfalls alljährlich nach Ramelsen brachte.

Wie Hermann Meyer-Toms zu berichten weiß, wurde die arbeitsintensive Imkerei auf dem Hof, auf dem heute Biolandwirtschaft sowie ein Hofladen betrieben werden, in den 1960er-Jahren endgültig eingestellt. Der Bienenzaun, dessen geschlossene Bauweise sich nach seinen Worten heute nur sehr selten und dann eher in Museumsanlagen findet, wurde allenfalls noch dann genutzt, wenn ihm zufällig schwärmende Völker zuflogen. Schmunzelnd weist er zudem darauf hin, dass das Katasteramt diesen als Ruine verzeichnet habe, weil ihm schlichtweg ein Dach fehlte.

Auch zur Geschichte seines Anwesens kann Hermann Meyer-Toms viele erzählen, wie jüngst beim Tag des offenen Denkmals. Erstmalig 1530 im Hoyaer Lehnsregister urkundlich erwähnt, ging dieser Ausgang des Dreißigjährigen Krieges auf Thomas Roselius, Sohn des damaligen Schwarmer Pastors Christoph Roselius, über. Die Nachfahren von Christoph Roselius waren später die Begründer der bekannten Kaffee-Firma Hag in Bremen. Sie haben sich, etwa mit Ludwig Roselius, als Kunst-Mäzene einen Namen gemacht, allerdings auch Schwarme und dem Hof an der Kiebitzheide bis in die 1960er-Jahre regelmäßig besucht. Zur besseren Unterscheidung von den zahlreichen anderen Meyers in der Region hat der heutige Besitzer seinen Nachnamen um den alten, auf Thomas Roselius zurückgehenden Hausnamen Toms ergänzt.

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