Gastronomie im Lockdown

Bruchhausen-Vilser Wirte trotzen Krise mit neuen Ideen

Bei der Eröffnung im September: Katharina Meindertsma, Inhaberin des „Café nu“ in Bruchhausen-Vilsen, stößt auf die Zukunft an. ARCHIV
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Bei der Eröffnung im September: Katharina Meindertsma, Inhaberin des „Café nu“ in Bruchhausen-Vilsen, stößt auf die Zukunft an. ARCHIV

Br.-Vilsen – „Wir wollen den Menschen etwas bieten, was ihnen Freude macht“, sagt Katharina Meindertsma. Die Inhaberin des „Café nu“, das gerade im September vergangenen Jahres seine Türen in Bruchhausen-Vilsen öffnete, blickt trotz der Corona-Krise und des Lockdowns optimistisch in die Zukunft. „Es ist unser Job, nach vorne zu schauen und zu motivieren“, unterstreicht die Gründerin. Stillstand sei keine Option, findet sie.

„Café nu“

Das hat sie gemein mit vielen anderen Gastronomen in der Samtgemeinde, die sich – dem Lockdown zum Trotz – allerhand einfallen lassen, um ihren Kunden trotz geschlossener Lokale zumindest für zuhause kulinarische Genüsse zu bieten. Denn eines ist für alle Gastronomen klar, wie die Umfrage unserer Redaktion zeigte: Vor Ostern rechnet kaum einer von ihnen damit, sein Lokal öffnen zu dürfen. „Dabei hat die Gastronomie ganz viel für die Hygienekonzepte geleistet“, findet Katharina Meindertsma.

Sie ließ den Betrieb im „Café nu“ im ohnehin stets ruhigen Januar ruhen, um im Februar wieder durchzustarten. „Mit unseren Partnern haben wir Ideen für digitale Events entwickelt“, berichtet sie. „Küchenparty at home“ lautet das Motto, wenn es um „Kinderbacken für den Ostertisch“ oder „So würzt die Welt“ geht. Es gibt ein Gin-Tasting für zuhause und auch „Wein und Käse at home“. Eröffnet hat das „Café nu“ im September an der Brautstraße mit seinem Genuss-Shop und einem umfassenden Außer-Haus-Angebot wie beispielsweise Frühstücksboxen.

Trotz geschlossener Türen ist das Team von „Café nu“ für seine Kunden da.

„Wir haben auch unser Feinkost-Angebot noch weiter aufgestockt.“ Zu Ostern wolle sie Picknickkörbe anbieten, sagt Katharina Meindertsma. „Wir machen aus der Not eine Tugend und kitzeln ein Lächeln in die Gesichter der Menschen.“

„Dillertal“

Positiv gestimmt ist auch Bastian Bomhoff. „Das Glas ist immer halb voll“, findet der Gastronom. Im Restaurant „Dillertal“ gibt es für die Wochenenden eine eigene Karte für ein To-Go-Angebot, das von den Kunden angenommen werde. „Es ist gut, etwas zu tun zu haben“, sagt Bomhoff. Die übrige freie Zeit nutzt er, um etwas für die Zukunft zu tun: „Ich arbeite an neuen Projekten, einem neuen Angebot und einer neuen Karte.“ Wenn es auf den Sommer zugehe, könnten Familienfeiern wieder möglich sein, mutmaßt der Gastronom. Und auch eine Öffnung der Lokale nach Ostern hält er für realistisch.

Gasthaus „Zur Post“

Auch Ruben Dunekack guckt nach vorne. Sich den nötigen Optimismus zu bewahren, sei in Zeiten wie diesen nicht immer leicht. „Ich denke aber, das meiste haben wir wohl hinter uns. Irgendwann muss es ja weitergehen“, sagt der Inhaber des Gasthauses „Zur Post“ in Kleinenborstel. Immer am Wochenende kocht auch er unterschiedliche Gerichte, die er im Außer-Haus-Verkauf anbietet.

Forsthaus und Mühle

„Es ist uns ein Herzensanliegen, für unsere Gäste da zu sein“, erklärt Juliane Brüning. Die Chefin des Forsthauses Heiligenberg und der Klostermühle bedrückt die aktuelle Lage, die so wenig planbar sei: „Wir fahren immer nur auf Sicht“, sagt sie. Für sie sei es wichtig, persönliche Stärke zu beweisen und auch Verantwortung in schlechten Zeiten wie diesen zu übernehmen. Sie setzt auf Loyalität zu ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

In der Klostermühle bietet Chefin Juliane Brüning von Donnerstag bis Sonntag Gerichte und Getränke zum Mitnehmen an. ARCHIV

Und sie ist gemeinsam mit ihnen trotz des Lockdowns weiterhin für die Gäste da: In der Klostermühle bietet Juliane Brüning von Donnerstag bis Sonntag Gerichte und Getränke zum Mitnehmen an. Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts stehen auf der eigens zu diesem Zweck kreierten Speisekarte. „Manche Gäste entdecken uns auf diese Weise neu“, freut sie sich. Präsent zu bleiben, sei wichtig. Denn wenn die Gastronomie ihre Tore wieder öffnen dürfe, brauche man die Gäste.

„Uhlhorn‘s Gasthof“

Auch für Gerd Uhlhorn, den Inhaber von „Uhlhorn’s Gasthof“ in Asendorf, ist das ein Grund, besondere Angebote zu schaffen. „Wenn du nichts machst, denken die Leute vielleicht, du hast keine Lust mehr.“ Er rechnet damit, sein Gasthaus und das angeschlossene Bistro „Filou“ Anfang April wieder öffnen zu dürfen: „Alles andere würde mich wundern.“ Er bietet immer am Sonntag Frühstück zum Abholen und von Donnerstag bis Sonntag eine Karte für Gerichte zum Mitnehmen an. Besondere Angebote wie Tapas würden richtig gut angenommen werden, sagt Gerd Uhlhorn. „Damit halten wir uns über Wasser und bleiben im Gespräch.“

Familienfeiern seien derzeit auf den Herbst verschoben oder gar ganz abgesagt worden. „Das kann ich gut nachvollziehen. Da kann man nichts daran machen“, sagt der Gastronom. „Ich kann jeden verstehen, der seine Feier absagt.“ Denn all das, was diese Feierlichkeiten ausmache, sei mittelfristig nicht möglich – zu tanzen, gemeinsam an der Theke zu stehen und einfach ausgelassen zu feiern.

Sein Lokal sei Eigentum und er müsse nicht wie andere Kollegen Pachten zahlen. Das mache es etwas leichter, durch diese Krise zu kommen. Zudem seien die staatlichen Hilfen, die er sich erhofft habe, auch bei ihm angekommen. Das Wichtigste, sagt Gerd Uhlhorn, sei aber aktuell vor allem eines: „Wir sind gesund und munter.“

Gasthaus Milano

In Schwarme lebt auch das Gasthaus Milano derzeit vom Außer-Haus-Verkauf, der von Dienstag bis Sonntag angeboten wird. „Dadurch kann man den Schaden begrenzen, auch wenn die Kunden nicht mehr werden“, sagt Shahbaz Ali, der Vater des Betreibers.

„Wir warten jeden Tag auf neue Nachrichten, die uns Hoffnung machen, ab Mitte März stückweise öffnen zu dürfen. Denn wir haben wirklich aufgepasst und viele Hygienemaßnahmen getroffen“, berichtet Shahbaz Ali. Auch für ihn und seinen Sohn geht es darum, im Gespräch zu bleiben und weiterhin für ihre Gäste da zu sein. „Café nu“-Inhaberin Katharina Meindertsma bringt es noch einmal auf den Punkt: „Wir müssen in diesen Zeiten nicht auf Genuss verzichten, wir müssen ihn nur aus einer neuen Perspektive entdecken.“

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