Gänsehaut im Gotteshaus

Klassische Philharmonie NordWest beeindruckt in der Vilser Kirche

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Eine Vinylschallplatte hat das Kammerorchester der Klassischen Philharmonie NordWest aufgenommen. Orchesterchef Ulrich Semrau, erste Geigerin Grazyna Kurpas (links) und Konzertmeisterin Réka Lélek präsentierten die Platte am Tag der Deutschen Einheit vor einem Konzert in der St.-Cyriakuskirche in Vilsen. 

Br.-Vilsen - Von Horst Friedrichs. Ein Orchester verzaubert seine Zuhörer: Für eine erneute Meisterleistung hätten sich Ulrich Semrau und das Kammerorchester der Klassischen Philharmonie NordWest keinen angemesseneren Ort als die St.-Cyriakuskirche in Vilsen aussuchen können.

Unter dem Kreuzgewölbe des Altarvorraums fanden die Streicher den rechten Platz, der sich als Resonanzkörper mit eindrucksvoll nachhaltiger Akustik nutzen ließ. Zeitpunkt und Anlass für das Konzert waren nicht minder herausragend, hatten sich die Musiker doch den Tag der Deutschen Einheit für die erste öffentliche Präsentation ihrer vor Kurzem erschienenen Vinylschallplatte ausgesucht.

Bis in den letzten Winkel der Kirche strahlte die Brillanz der Töne bereits, als die Musiker aus den ersten Notenblättern jene Gesamtklänge schufen, die einst von den Komponisten ersonnen worden waren. Die Vorstellungskraft jener kreativen Köpfe wurde lebendig und verursachte so manche Gänsehaut, als das Orchester ausgewählte, auch auf der Schallplatte enthaltene Werke der romantischen Streicherliteratur in überwältigende Klangbilder umsetzte – getragen von der tieftönenden Wucht der Celli und des Kontrabasses bis hin zu den feinen, seidigen Tönen der Violinen.

Ein ganzes Konzert lang erlebten die Zuhörer am frühen Dienstagabend, welche Steigerungen Dirigent Ulrich Semrau und die 13 Streicher ihrer perfekt eingespielten Kooperation zu entlocken vermochten. Einen Glanzpunkt fügte Semrau diesem kraftvollen klanglichen Gesamtbild hinzu, indem er als Solist mit zwei Trompetenkonzerten auftrat. Zum Vilser Programm gehörten neben der Holberg-Suite op. 40 und Zwei Elegischen Melodien op. 34 von Edvard Grieg (1843-1907) und der Streicherserenade op. 22 von Antonín Dvorák (1841-1904) auch Werke von Béla Bartók (1881-1945), Vincenzo Bellini (1801-1835) und Gustav Holst (1874-1934). Schwermütige nordische Harmonien mit überwältigender Tiefgründigkeit erlebte das Publikum in dieser breit gefächerten Kompositionsvielfalt ebenso wie folkloristische Anmutungen und südländische Temperamentsausbrüche.

In seiner Begrüßung der zahlreichen Zuhörer erklärte Ulrich Semrau, dass das Gastspiel des Kammerorchesters in der Vilser Kirche zugleich Auftakt zu einer spannenden Woche sei. Im Rahmen einer morgen beginnenden Konzertreise werde die Klassische Philharmonie in Polen, Ungarn und der Slowakei auftreten.

Die Zuhörer in Bruchhausen-Vilsen hatten zudem als erste die Gelegenheit, das Orchester und einige der soeben gehörten Stücke mit nach Hause zu nehmen – in Form der frisch gepressten Langspielplatte. Aufgenommen worden war sie im Januar dieses Jahres im Rahmen eines Studiokonzerts vor Publikum in den Bauer-Studios in Ludwigsburg. Hier wie dort belohnten die Zuhörer das Orchester mit anhaltendem Beifall.

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