Tafeltheater begleitet Bedürftige / Warengutscheine für Tafelkunden

Futter für die Seele

Vera und Peter Henze haben erste Gedanken zur Corona-Krise erhalten. Foto: Verein Land und Kunst

Samtgemeinde - Von Anne-katrin Schwarze. „Von Furcht und Hoffnung“ – das klingt wie ein Titel von Jane Austen, nach einer Erzählung aus ferner Zeit, als die Begriffe Furcht und Hoffnung noch zum Vokabular gehörten. Tatsächlich hätten Vera und Peter Henze ihr neuestes Projekt nicht aktueller betiteln können. In Zeiten von Corona sammeln die Künstler aus Arbste Momentaufnahmen eines Alltags, den man vor vier Wochen noch für den Plot eines fiktiven Zukunftsszenarios gehalten hätte.

„Teilt mit uns eure Gedanken“, ruft das Künstlerpaar die Mitglieder und Freunde des von ihnen initiierten Tafeltheaters auf. „Wir haben von unserem ,Homeoffice‘ in Arbste aus in vielen Telefonaten von Ängsten und Hoffnungen gehört, von der Suche, zu verstehen und zu deuten, was uns eine so welt-umspannende Situation erzählt. Neben all den aktuellen Sorgen um Freunde, ihre Situation und ihre Gesundheit“, berichtet Peter Henze. Aus diesen Gesprächen möchte er ein neues Projekt für das Tafeltheater entwickeln.

Ähnlich wie Sportvereine oder Freundeskreise kann und darf sich jetzt auch diese Gruppe aus Kunden der Tafel und Kulturschaffenden nicht treffen. Für viele Teilnehmer ist die Corona-Krise existenzbedrohend, denn die Tafeln mussten ihren Betrieb einstellen, noch bevor das öffentliche Leben zum Erliegen kam. Die Theatergruppe hat sich seit ihrer Gründung vor zehn Jahren als „Futter für die Seele“ verstanden und nimmt das jetzt besonders wörtlich. In den persönlichen Gesprächen dieser Tage sei es um Gedanken, Befürchtungen und Hoffnungen gegangen. „Schreibt sie in wenigen Zeilen oder als lange Geschichten auf, malt Bilder, teilt uns Gedichte, Weisheiten und Texte mit, die euch zum Geschehen einfallen, schreibt uns, was ihr derzeit tut; für euch, für andere. Und natürlich, wie ihr euch eine Zukunft ,nach Corona‘ vorstellt“, rufen Vera und Peter Henze die Tafelgemeinde auf, sich per E-Mail unter info@landundkunst.de zu melden.

Aber nicht nur sie. Alle Menschen aus der Samtgemeinde sind willkommen, sich an dieser Aktion zu beteiligen. Henzes werden die Beiträge zunächst sammeln und ihnen später eine Form geben. „Vielleicht als Theaterstück, vielleicht als Dokumentation“, lässt Peter Henze noch offen.

Den Tafelkunden das Gefühl zu vermitteln, jetzt nicht allein zu sein, sei ihm ein Anliegen gewesen, sagt er. Die materielle Not der Bedürftigen kann er damit nicht lindern. Dafür konnte die Syker Tafel, zu der organisatorisch auch die Ausgabestelle in Bruchhausen-Vilsen gehört, einen Sponsor gewinnen. Jeder registrierte erwachsene Tafelkunde erhält in der nächsten Woche einen Warengutschein im Wert von 20 Euro, jedes Kind einen über zehn Euro, teilt Ralf Grey, Sprecher der Syker Tafel auf Anfrage mit.

„Es ist aufwendig, sich mit den Geschäften über die Abrechnungsart auseinanderzusetzen, daher können wir die Gutscheine leider nicht vor Ostern ausgeben“, erklärt er. Geplant ist, die Ausgabestellen am Freitag, 17. April, für eine Stunde zu öffnen, um die Gutscheine auszuhändigen. An dieser Stelle sowie unter www.tafel-syke.de können sich Betroffene über diese Aktion auf dem Laufenden halten.

„Wir hoffen, dass es zu einer weiteren Gutscheinaktion kommen kann“, ist das Ziel von Ralf Grey. Ob die Tafeln wie geplant am 29. April öffnen können, sei heute nicht abzusehen. Daher ruft er Unterstützer der Syker Tafel auf, sich an einer Spendenaktion für weitere Warengutscheine zu beteiligen. Details dazu seien in den nächsten Tagen auf der Homepage der Tafel zu finden.

„Wir haben versucht zu organisieren, dass die Geschäfte die Waren, die sie uns zur Verfügung stellen, jetzt in ihren Läden direkt an die Tafelkunden abgeben, aber das ist uns nicht gelungen“, schildert Matthias Brockes von der Tafel in Bruchhausen-Vilsen das Bemühen, dem Kundenstamm von 211 Erwachsenen und 109 Kindern in diesen Tagen zu helfen. Aus hygienischen Gründen sei eine Abgabe der Waren mit kurzem Haltbarkeitsdatum im Geschäft nicht möglich, habe er von nahezu allen Lebensmittelhändlern gehört.

Eine Ausnahme macht die Bäckerei Orlamünde. Sie stellt in allen Filialen die „Tafel-Tüte“ kostenlos zur Verfügung. „Darin sind entweder ein Brot oder sechs Brötchen vom Vortag“, beschreibt Merle Orlamünde die Aktion. „Wir fragen nicht nach einem Tafelausweis, appellieren aber an alle Kunden, die Tafel-Tüten denen zu überlassen, für die sie gedacht sind. Bisher machen wir sehr gute Erfahrungen“, sagt sie.

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