Füttern? Nur einmal die Woche

Torsten Kirstein aus Martfeld besitzt rund 20 Galloways

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Der Nachwuchs bei den Galloways von Torsten Kirstein ist da.

Martfeld - Von Karin Neukirchen-Stratmann. Zwischen Neubaugebiet und Ortszentrum stehen in Martfeld zottelige Tiere auf einer Weide. Viele Spaziergänger mögen sich fragen, was das für seltsame Wesen sind. Die Antwort: Galloways, die der Martfelder Torsten Kirstein jetzt seit über 25 Jahren züchtet.

Und das kam so: „Aufgewachsen bin ich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb hier im Ort, ich besuchte dann auch die landwirtschaftliche Fachschule. Danach habe ich mich entschieden, noch eine kaufmännische Lehre zu absolvieren.“ Dadurch kam Kirstein zum heutigen Unternehmen Masterrind in Verden. „Und da bin ich hängen geblieben“, erklärt der 49-Jährige.

Bullenmast war anstrengend, Galloways sind pflegeleicht

Heute betreut er die Abteilung Fleischrinder, ist für Vermarktung und Tierbeurteilung zuständig, und auch für die Auktionen. „Als ich dort anfing, boomte der Markt für Fleischrinder gerade. Es gab viele Menschen, die sich eine Galloway-Kuh hielten.“ Sündhaft teuer seien die Tiere damals gewesen. „6000 Mark waren da durchaus üblich.“ Im elterlichen Betrieb gab es zu dieser Zeit noch die Milchviehhaltung. „Und wir hatten einige Weiden direkt in Hofnähe“, blickt der gelernte Landwirt zurück. So kamen die ersten Galloways nach Martfeld.

Torsten Kirstein (links) freut sich über die Hilfe von Niklas Knirsch, der von seinem Zimmer aus immer einen Blick auf die Galloways hat.

Die Doppelbelastung, Kühe melken, Arbeit in Verden, wieder Kühe melken, sei sehr intensiv gewesen. „Bis 2002 hatten wir auf dem Betrieb auch noch eine kleine Bullenmast.“ Die Galloways dagegen, derzeit sind es rund 20 Tiere, machen kaum Arbeit. Sie stehen das ganze Jahr auf der Weide, bekommen etwas Stroh zugefüttert, neben Heu und Silage. Gefüttert wird einmal pro Woche. „Das hält dann für eine ganze Woche“, sagt Torsten Kirstein.

Natürliche Fortpflanzung statt künstlicher Befruchtung

Von Mitte Februar bis Ende April kommen die Kälber zur Welt. „Den Bullen lasse ich so ab Anfang Juni auf die Weide.“ Anders als heute in großen Milchviehbetrieben üblich, erfolgt hier also noch eine natürliche Fortpflanzung. Der Nachwuchs wird entweder nach einigen Monaten verkauft, oder zur eigenen Nachzucht behalten.

Rund zwei bis drei Tiere pro Jahr werden von einem Metzger, der unter anderem Bratwurst produziert, im Heidekreis geschlachtet. „Und die gibt es dann hier in Martfeld im Hofladen meines Nachbarn, Hof Holste“, sagt Torsten Kirstein. Das Besondere am Galloway-Fleisch sei nicht nur die dunkle Farbe. „Das Fleisch lässt der Metzger vor der Verarbeitung noch zwei Wochen reifen.“ Es enthält besonders viele Omega-3-Fettsäuren.

Kirstein ist Mitglied beim Bundesverband Deutscher Galloway-Züchter, tritt dort auch als Richter an, wenn er nicht selber gerade ein Tier präsentiert.

13-Jähriger mag „ruhiges Gemüt“ der Tiere

Seit einiger Zeit hat er einen sehr jungen Helfer an seiner Seite, den 13-jährigen Niklas Knirsch. „Ich habe ein Galloway zum zehnten Geburtstag geschenkt bekommen“, erzählt der Jungzüchter, der bereits selbst auf Zuchtschauen sein Tier präsentiert hat.

Da er direkt an einer der beiden Weiden in Martfeld wohnt, kann er jeden Morgen einen Blick auf die Herde werfen und schauen, ob alles in Ordnung ist. An den Tieren gefällt ihm besonders, dass sie „ein ruhiges Gemüt haben.“

Weidemilch und Wolf - das passt nicht zusammen

Sorgen macht sich Torsten Kirstein über die vermehrten Wolfssichtungen in der Region. „Das ist ein gesellschaftliches Problem. Für Mutterkuhhalter oder Schafzüchter ist der Wolf eine Katastrophe.“ Er hegt aber die Hoffnung, dass für seine Herde keine Gefahr besteht, da sie sehr nah an der Wohnbebauung untergebracht ist. „Wir propagieren auf der einen Seite die Weidemilch, wollen auf der anderen Seite den Wolf, das passt nicht zusammen,“ findet der Züchter.

Vor einem Jahr wurde Kirstein für die Unabhängige Liste Martfeld in den Gemeinderat Martfeld gewählt. In seiner knapp bemessenen Freizeit treibt er außerdem gerne Sport, spielt Tennis und fährt zum Skilaufen.

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