Flüchtlingshilfe von „Lebenswege begleiten“ spinnt ein feines Netz

Integration ist, wenn‘s keiner merkt

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Mediengruppe Kreiszeitung

Br.-Vilsen - Von Hans-Jürgen Wachholz. Nahezu geräuschlos hat die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen bisher 139 Kriegsflüchtlinge aufgenommen – und in den nächsten Wochen kommen noch mindestens 117 weitere dazu. Untergebracht wurden und werden sie verstreut über die Mitgliedsgemeinden in Privathäusern. „Noch ist das Angebot an Wohnraum größer als unser Bedarf“, freut sich Volker Kammann von der Samtgemeindeverwaltung über die Aufgeschlossenheit der Bevölkerung.

Mit der erfolgreichen Unterbringung endet laut Kammann die Zuständigkeit der Verwaltung. Die in den Sonntagsreden von Politikern gern geforderte Integrationsarbeit bleibt der Bevölkerung anheimgestellt – und kann somit von Ort zu Ort sehr unterschiedlich ausfallen. Daran, dass dies in Bruchhausen-Vilsen vorbildlich klappt, hat die Flüchtlingshilfe des Vereins „Lebenswege begleiten“ einen wesentlichen Anteil. Unter der Regie von Gunda Manke und Ingo Rahn wuchs und wächst noch immer ein Netzwerk heran, in dem engagierte Bürger von der Öffentlichkeit oft unbemerkt vielfältige Hilfe direkt für die und an den Menschen leisten.

„Die Hilfsbereitschaft in der Samtgemeinde ist außergewöhnlich groß“, freut sich Gunda Manke. Allein 40 Personen haben sich nach dem Ende der Sommerferien gemeldet, um zu erfragen, wie sie persönlich bei der Integration der Flüchtlinge helfen können.

Bei einem Info-Abend im Rathaus berichtete Ingo Rahn nun 25 Bürgern über die geleistete sowie noch zu leistende Arbeit und erklärte, wie sich Helfer einbringen können – und welche Hilfen der Verein sich von außen wünscht. Aktive Asylbegleiter und Helfer erzählten zudem von ihren Einsätzen und Erfahrungen.

Dabei klang immer wieder an: Die beste Integration ist, wenn‘s keiner merkt, weil sie über die familiäre Kontaktschiene läuft. „Über die Kinder finden wir am leichtesten zusammen – und dann geht es ganz von alleine weiter“, war immer wieder zu hören. Deshalb versprechen sich die Aktivisten von „Lebenswege begleiten“ den größten Erfolg von individuellen Patenschaften – sei es für Schulkinder, die ganze Familie oder einzelne Elternteile. Mitnehmen zum Sport oder zu kulturellen Veranstaltungen, ebenso gemeinsame Feste oder zwanglose Begegnungen aller Art seien die einfachsten und besten Beiträge zu gelungener Integration. Auf keinen Fall dürfe der Fehler der Vergangenheit wiederholt werden, die Flüchtlinge sich selbst zu überlassen.

Internet-Portal für

Sachspenden geplant

Obwohl ihre Schützlinge überwiegend hochmotiviert seien, haben laut Rahn die sogenannten Asylbegleiter den schwierigsten Part. Pro Halbjahr erhalten nur vier Personen die nötige Ausbildung, um die Flüchtlinge bei ihren ersten Schritten in eine für sie fremde Welt begleiten zu können. Es gibt ein weites Feld für alle, die sich direkt mit ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten einbringen wollen. Der Bogen spannt sich von Arztbesuchen und Behördengängen bis zur Sozialberatung und Wohnungssuche. Das erfordert nicht nur Zeit und Idealismus, sondern auch Geld. Denn nur die ersten zehn Einsätze werden mit jeweils 15 Euro vergütet.

Dem Deutschunterricht räumt der Verein sehr hohe Priorität ein. „Glücklicherweise haben wir dafür noch eine mehr als ausreichende Zahl an Lehrkräften“, versichert Gunda Manke. Der Fahrdienst für in den Außenbereichen der Samtgemeinde untergebrachte Flüchtlingsfamilien funktioniere zwar „per Nachbarschaftshilfe überwiegend hervorragend“. Trotzdem bestehe jedoch Bedarf an Fahrern.

Sachspenden für den neuen Flüchtlingshaushalt „vom kleinen Gefrierschrank bis hin zur Wäscheklammer“ sind sehr willkommen. Doch da gibt es ein Problem: „Wir haben keine Lagermöglichkeit“, sagte Rahn. Es gebe in der Gemeinde diverse geeignete und leerstehende Gebäude, deren Eigentümer allerdings wenig hilfsbereit seien. Deshalb wird nunmehr an einem Internet-Portal gearbeitet, in dem potenzielle Spender ihr Angebot einstellen und den Helfern somit die Vermittlung ermöglichen können.

Wer die Flüchtlingshilfe von „Lebenswege begleiten“ unterstützen will, kann sich an Gunda Manke wenden (Telefon 04252/9098321, E-Mail gunda-manke@lebenswege-begleiten.de) oder an Ingo Rahn (Telefon 04252/ 9098322, E-Mail ingo-rahn@lebenswege-begleiten.de).

www.asyl-

lebenswege-begleiten.de

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