Vom Flüchtling zum Lehrling

Shoaib Khan ist Azubi bei Holhus & Lange in Asendorf

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Ein gutes Team: Auszubildender Shoaib Khan und sein Chef Bernd Holthus.

Asendorf - Von Karin Neukirchen-Stratmann. Shoaib Khan lebt seit rund drei Jahren in Deutschland. Hinter ihm liegt eine unschöne Flucht aus seiner Heimat Afghanistan, die er als Jugendlicher verließ, alleine, ohne Familie. Heute lebt der 19-Jährige in Bruchhausen-Vilsen und absolviert seit August 2017 eine Ausbildung beim Asendorfer Bauunternehmen Holthus & Lange.

Über seine Flucht erzählt Shoaib Khan nur wenig. Sie ging über die Türkei, Bulgarien und Serbien. In Bulgarien saß er einen Monat in Polizeigewahrsam. Schließlich führte ihn sein Weg „zu Fuß, mit dem Boot, dem Auto“ bis nach Bayern. Weiter ging es nach Dortmund und schließlich Niedersachsen. Seit dem vergangenen Frühjahr wohnt er in Bruchhausen-Vilsen, in einer deutschen Familie, mit zwei weiteren Flüchtlingen. „Ab dem 1. April habe ich dann eine eigene Wohnung“, freut sich Shoaib Khan. Hilfreich zur Seite steht ihm bei allen Planungen und der Organisation Uli Lange vom Bauunternehmen Holhus & Lange. Sie hat nicht nur im Bekannten- und Freundeskreis nach Möbeln für die Wohnung gefragt, sie begleitet Shoaib auch zu Behördengängen und hilft ihm, sich im täglichen Leben zurechtzufinden.

Als Elfjähriger auf Baustellen gearbeitet

In Bruchhausen-Vilsen angekommen, besuchte Shoaib Khan die Sprachlernklasse des Gymnasiums. Dafür, dass er erst drei Jahre in Deutschland lebt, spricht er die Sprache mittlerweile sehr gut, Verständigungsprobleme gibt es nur selten. „In Afghanistan war ich nur vier Jahre in der Schule, dann mussten wir arbeiten.“ Das bedeutete für den damals Elfjährigen Tätigkeiten auf Baustellen.

Über den Handballsport kam Shoaib Khan im vergangenen Jahr an seine Lehrstelle bei Holthus & Lange. „Eigentlich wollten wir in diesem Jahr keinen Auszubildenden nehmen,“ so Bernd Holthus, der den Förderverein der HSG leitet. Seit dem 1. August ist Shoaib Khan nun in der Lehre. „Ich habe auch in meiner Mannschaft rumgefragt, ob ich das machen soll, und alle haben gesagt, das ist eine sehr gute Firma. Alle sind sehr nett hier und ich bin zufrieden“, zieht Shoaib Khan ein erstes Fazit.

„Er ist praktisch echt fit“

Derzeit besucht er eine überbetriebliche Ausbildung in Berenbostel bei Hannover. Mit 16 Azubis habe seine Klasse an der BBS Syke vor einem Jahr angefangen, „jetzt sind es noch acht Deutsche und drei Flüchtlinge in der Klasse.“ Schwierigkeiten bereiteten ihm die fachspezifischen Ausdrücke und die schriftlichen Prüfungen, die schlecht ausfielen. „Wir bekamen dann einen Anruf der BBS, wir sollten Shoaib aus der Ausbildung herausnehmen, ihn ein Praktikum machen lassen. Aber: Wo soll er denn Deutsch lernen? Wir nehmen ihn garantiert nicht raus“, stellt Bernd Holthus klar. Für ihn ist Shoaib ein guter Lehrling. „Er ist praktisch echt fit, auf der Baustelle sieht er die Arbeit, das kann man nicht von jedem behaupten.“ Und wie die Noten in Religion und Politik dann aussehen, „interessiert mich ehrlich gesagt nicht.“

Shoaib Khans größter Wunsch ist nun, dass sein Status als geduldeter Flüchtling bald umgewandelt wird und er in Deutschland bleiben kann. Zurück möchte er jedenfalls nicht. „Das Leben in Afghanistan ist nicht einfach. Zum Arzt geht man zwei oder drei Stunden zu Fuß, auch zum Supermarkt, oft sogar noch länger. Und immer hat man Angst, das etwas passiert.“

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