Firma „Stadt + Handel“ erstellt Einzelhandelskonzept für den Flecken

„Wir wollen zusammen den Ort nach vorne bringen“

Br.-Vilsen - „Das Niveau in Bruchhausen-Vilsen ist noch gut. Anderswo sind wesentlich dramatischere Leerstände zu verzeichnen“, sagte Torben Döring am Montagabend. Der Projektleiter der Firma „Stadt + Handel“ sprach von einem „guten Ausgangspunkt“, um ein Einzelhandelskonzept zu erarbeiten und mit dessen Hilfe der Entwicklung entgegenzuwirken. Bei einer Infoveranstaltung im Rathaus erklärte Döring den rund 40 Anwesenden, wie sein Team bei der Erarbeitung des Konzepts für den Flecken vorgehen wird.

Zunächst ging Döring auf den demografischen Wandel ein, der Auswirkungen auf die Kaufkraft habe. „Insgesamt gibt die Bevölkerung mehr Geld aus, die Einkommen steigen. Trotzdem sinkt der Anteil für den Einzelhandel.“ Gleichzeitig wüchsen die Ansprüche der Kunden: „Möglichst günstig, aber mehr Beratung“ laute das Credo. Auch Parkplätze vor Ort und ein Einkaufserlebnis seien gewünscht.

Ein Aspekt, der den örtlichen Einzelhandel schwäche, sei das Geschäft im Internet. Gaben die Deutschen Ende der 90er noch 1,2 Milliarden Euro im Jahr online aus, waren es 2013 schon 33 Milliarden – acht Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes. „Dieser Anteil kann nicht immer weiter steigen“, prognostizierte Döring. „Den Einzelhandel wird es immer geben.“

Der Staat gebe vor, den Einzelhandel in zentralen Versorgungsbereichen anzusiedeln und zu schützen. Die Sicherung und Weiterentwicklung eben dieser Zentren sowie der wohnortnahen Grundversorgung gehöre zu den Zielen eines Einzelhandelskonzepts. Zudem biete „Stadt + Handel“ den Kommunen und Investoren Planungssicherheit und erarbeite eine Grundlage für einzelhandelsbezogene Bauleitplanungen. Letztere steht in Bruchhausen-Vilsen in den Startlöchern: „Bei der Aufstellung eines neuen B-Plans für den Ortskern sollen die von ,Stadt + Handel‘ zu ermittelnden Daten verwendet werden“, sagte Fleckendirektor Horst Wiesch.

Nach seiner allgemeinen Einführung kam Döring auf die Situation in Bruchhausen-Vilsen zu sprechen. „Wir haben hier ein vermehrtes Leerstandsaufkommen, insbesondere bei ehemals inhabergeführten kleinflächigen Ladenlokalen“, sagte er. Bei der Erstellung des Konzepts sei zu berücksichtigen, dass es sich um einen staatlich anerkannten Luftkurort handele und dass es eine „nicht unerhebliche Ausweitung der Verkaufsfläche durch das Fachmarktzentrum“ gebe. „Welche Entwicklung will man am Bahnhof zulassen, um dem Ortskern nicht zu schaden?“, nannte er eine wichtige Fragestellung. Während einige Einzelhändler das Fachmarktzentrum gerne als Konkurrenz bezeichnen, nannte Döring es einen „starken Magnetbetrieb“, der auch für den Ortskern Chancen biete.

„Jeder Einzelhändler

bekommt Fragebogen“

Das Einzelhandelskonzept bestehe aus mehreren Bausteinen. Der erste: die Strukturanalyse. „Unsere Mitarbeiter werden jeden Einzelhandelsbetrieb erheben, die Verkaufsfläche und das Angebot. Wir halten die Leerstände fest und senden jedem Einzelhändler einen Fragebogen, sodass er sich beteiligen kann“, sagte Döring. Die Bestandserhebung beziehe die ganze Samtgemeinde ein, das Konzept gelte aber nur für den Flecken.

Des Weiteren wolle „Stadt + Handel“ zusammenstellen, in welchen Bereichen es noch Potenzial für zusätzliche Kaufkraft gebe. Die Firma erstelle eine Sortimentliste und lege fest, wo welche Angebote im Flecken angesiedelt werden sollten. „Baumärkte können zum Beispiel außerhalb des Zentrums stehen, während es Kleidung nur im Zentrum geben sollte“, erklärte er. Auch werde im Konzept stehen, wo man die Gastronomie und Dienstleistungsanbieter stärken könnte. „Das Konzept soll fünf bis zehn Jahre als Grundlage für die Planung dienen. Wir wollen einen realistischen Rahmen aufstellen.“

Wichtig sei, dass alle an einem Strang ziehen: Döring sprach von einer Gemeinschaftsaufgabe für sämtliche Beteiligten vor Ort. „Stadt + Handel“ schreibe niemandem eine bestimmte Entwicklung vor: „Wir wollen Gedankenanstöße geben.“

Die Grundlagen des Konzepts möchte die Firma bis zum Herbst erarbeiten, Ende des Jahres sollen dann die ersten Ideen präsentiert werden. Döring: „Ziel ist, dass die Politik Anfang 2015 über das Konzept beschließen kann.“

Das letzte Wort hatte am Montag Horst Wiesch: „Wir sind dankbar für Anregungen“, forderte er alle Bürger auf, sich an dem Prozess zu beteiligen. „Wir wollen zusammen den ganzen Ort nach vorne bringen.“

mah

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