Wahrzeichen und Schmuckstück

Die Feldmühle in Martfeld ist bis heute ein stummer Zeuge vergangener Zeiten

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Heute ist die Mühle ein wahres Schmuckstück. 

Martfeld - Von Uwe Campe. Seit gut 5 000 Jahren wird in Europa Getreide angebaut. Vor allem Hirse, Weizen und Gerste zählten schon früh zu den Hauptnahrungsmitteln. Die Zubereitungsart des Getreides zu menschlicher Nahrung war jedoch abhängig von den Möglichkeiten der Zerkleinerung des Getreidekorns. Über einfachste Formen wie Reibsteine und Mörser entwickelten sich im Laufe der Zeit hinsichtlich Mahlvorgang und Antrieb unterschiedliche, technisch zunehmend ausgeklügelte Verfahren. 

Am Ende des langen Prozesses standen schließlich Wasser-, Wind- und Motormühlen. Für das Gebiet der heutigen Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen sind etwa 20 Mühlen nachzuweisen, von denen manche lange verschwunden und andere bis heute erhalten sind. Einige dieser Bauwerke möchten wir in unregelmäßigen Abständen in der Kreiszeitung vorstellen. Den Auftakt macht die Feldmühle in Martfeld am Mühlenweg 1:

Über sechs steile Treppen, die nach oben hin zunehmend schmaler und enger werden, führt Müllerin Margret Meyer den Besucher bis in die drehbare Kappe des 1840 errichteten „Galerieholländers“, die die Flügelwelle mit dem Kammrad und dem Flügelkreuz enthält. 

Von dort überträgt das Kammrad seine Drehbewegung mittels eines Winkelgetriebes auf den „König“, die senkrecht stehende Welle im geometrischen Zentrum der Mühle, die wiederum das aus Bodenstein und Läufer bestehende Mahlwerk antreibt. Auf jedem der Absätze, die Bezeichnungen wie „Steinboden“ oder „Galerieboden“ tragen, macht die Müllerin Halt und weiß eine Menge über Technik, Funktionsweise und Geschichte der Mühle zu erzählen.

Feldmühle in Martfeld

 © Zeichnungen und Fotos: Bildarchiv Uwe Campe
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Die Feldmühle befindet sich auf einem alten, schon 1583 belegten Mühlenstandort am Rande des „Großen Feldes“, der früheren Kornkammer Martfelds. Damals stand dort zunächst noch eine Bockwindmühle, dem seit etwa 1200 in Norddeutschland bekannten Mühlentyp, dessen gesamtes Gebäude auf einem Ständer, dem Bock, ruhte und als Ganzes gegen den Wind gedreht werden musste. 

Diese Martfelder Bockmühle wird vermutlich der fast ebenso alten Mühle im nur wenige Kilometer entfernten Wechold entsprochen haben, die bis 1939 erhalten geblieben ist und von der es mit der Ahrbecker Mühle in Stöckse-Wenden, Kreis Nienburg, bis heute einen Zwilling gibt.

Als erster Mühlenpächter ist 1583 „der alte Eiler, Moller auf der Martfelder Heide“ bekannt. Die Mühle unterstand dem Amt Hoya, dieses hatte vor jeder Neuverpachtung, die in Drei-Jahres-Intervallen erfolgte, dem Landesherrn Bericht zu erstatten, ob der Pachtzins nicht erhöht werden könnte. Dieser betrug 1740 jährlich 160 Taler, steigerte sich in den folgenden Jahren sogar auf jährlich 213 Taler, bevor er dann 1767 auf 180 Taler normiert wurde.

Mühle brannte 1851 ab

1692 schloss das Amt Hoya einen Pachtvertrag mit Clauß Wöhlcken, dessen Familie dann in den folgenden 130 Jahren das Martfelder Korn gemahlen hat.

Im Jahr 1782 wurde die Mühle in eine „Erbenzinsmühle“ umgewandelt, das heißt, sie blieb fortan in der Bewirtschaftung der Familie Wöhlcken. Deren letzter Besitzer Albert Wöhlcken ging allerdings 1826 in Konkurs und starb 1834, „in großer Armut durch Verschwendung“, wie es im Kirchenbuch heißt.

1827 erwarb Jacob Berend Meyer, zuvor Pächter in Wechold, die Mühle für 4 500 Taler. Bis wann genau er die Bockwindmühle noch betrieben hat, ist nicht überliefert. 1840 ließ er einen steinernen, dreigeschossigen und achtkantigen „Galerieholländer“ errichten. Bei diesem moderneren, in den Niederlanden perfektionierten Mühlentyp, brauchte nur noch die Kappe in den Wind gedreht zu werden, was zunächst noch durch den „Steert“ vom Boden oder von der Galerie aus mittels Seil- oder Kettenhaspeln per Hand, später aber zunehmend durch die „Windrose“ automatisch erfolgte.

Die Feldmühle in den 1930er-Jahren (links) und im Jahr 1991 vor der Sanierung. 

Die Mühle brannte 1851 durch Blitzschlag ab. Auf dem erhalten gebliebenen steinernen Unterbau wurde ein neuer hölzerner „Stapel“ gesetzt, der bis heute erhalten ist.

Bei dem Rundgang weist Margret Meyer auch auf einige der angekohlten Balken hin, die bei der 1992 begonnenen Renovierung wieder sichtbar wurden. Auch in jüngerer Zeit ist die Mühle wiederholt von Blitzen getroffen worden, die jedoch nicht gezündet haben.

Etwa ab 1860 ging es dann sehr unruhig zu, es entwickelte sich der „Martfelder Mühlenkrieg“, der von dem Chronisten Rudolf Bode sehr anschaulich in Heft I. der Schriftenreihe „Martfeld. Vergangenheit und Gegenwart“ beschrieben wird. Dabei ging es im Wesentlichen um die Errichtung neuer Wind- und Dampfmühlen in der Gemeinde beziehungsweise deren Verhinderung. 

Wegen der Konflikte entstanden zwei weitere Mühlen

Im Ergebnis führten diese langjährigen Streitereien zum Bau von zwei weiteren Windmühlen, der von einer Interessengemeinschaft 1871 errichteten Mühle in der Ortsmitte und der von Erbenzinsmüller Carl Ludwig Meyer 1876 errichteten Stührmühle an der Bruchhauser Straße.

Da Carl Ludwig Meyer bereits 1866 neben seiner Feldmühle eine Dampfmühle mit einem etwa 20 Meter hohen Schornstein errichtet hatte, verfügte die Gemeinde zeitweise über vier Mühlen.

Davon ist heute wenig geblieben. Mit den Großmühlen der Städte konnten die ländlichen Betriebe nicht mithalten und nach dem Zweiten Weltkrieg setzte das „Mühlensterben“ ein. Von den Martfelder Mühlen erwischte es die Feldmühle schon vorher, die dortige Dampfmühle war bereits in den 1920er-Jahren wieder verschwunden und die Windmühle wurde um 1937 stillgelegt. In den folgenden Jahren verfiel das nur noch als Getreidesilo genutzte Gebäude zusehends. 1957 wurden Flügel, Rose und Drehkranz abgenommen, 1976 brach die Galerie mit einem lauten Knall herunter.

Da der baufällige Torso zunehmend auch eine Gefahr für den vorüberführenden Verkehr darstellte, beantragte die Familie Meyer schließlich 1989 einen Abbruch zu einem anderweitigen Aufbau. Dagegen sprach sich die Denkmalschutzbehörde mit der Begründung aus, dass es sich um ein Baudenkmal mit regionaler Bedeutung handele und dass vor allem der alte Standort mit seinem weithin freien Blick auf die Mühle zu erhalten sei.

Im Rahmen eines Finanzierungskonzepts der Gemeinde Bruchhausen-Vilsen wurde daraufhin 1992 der Plan zur Sanierung gefasst und begleitet vom Schwarmer Architektenbüro Dunker bis 1999 umgesetzt. Die Außen- und Dacharbeiten fanden im Jahr 1997 ihren Abschluss, als die Mühle mit dem Anbringen der Flügel ihren ursprünglichen Charakter zurückerhielt.

Geglückte Rettung eines Baudenkmals

Von September 1998 bis April 1999 wurden dann die Innenarbeiten von den Teilnehmern des Projekts „Arbeit und Lernen“ ausgeführt. Da inzwischen auch wieder ein voll funktionstüchtiger Steinmahlgang vorhanden ist und die Mühle zudem über sonst nur noch selten vorkommende Segelgatterflügel verfügt, dient sie heute auch der „Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen“ als Ausbildungsmühle für freiwillige Müller. Darüber hinaus ist sie als Teil der „Niedersächsischen Mühlenstraße“ an Mühlentagen, nach Voranmeldung aber auch zu anderen Zeiten zu besichtigen.

Als weithin sichtbarer stummer Zeuge vergangener Zeiten, aber auch als gutes Beispiel für die gelungene Rettung eines Baudenkmals, stellt sie heute zugleich Wahrzeichen und Schmuckstück der Gemeinde Martfeld dar. Weitere Infos unter www.martfeld.de.

Die Angaben gehen unter anderem auf mündliche Informationen von Margret Meyer, die 1997 erschiene Broschüre „Mühlen in den Landkreises Diepholz und Nienburg/Weser“ sowie folgenden Literatur-Quellen zurück: Der Mühlenkrieg in Martfeld (1979) von Rudolf Bode, Martfeld 1753 (1989) von Hartmut Bösche und Die Höfe im Kirchspiel Martfeld (2009) von Henns Harries.

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