„Puh, ganz schön anstrengend“

Waldorfschüler probieren Drucken wie früher aus

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Sylke Linke kontrollierte die Arbeit der Schüler.

Br.-Vilsen - Von Karin Neukirchen-Stratmann. Im Zeitalter von Computern und Laserdruckern war es für die Schüler der dritten und vierten Klasse der Waldorfschule Bruchhausen-Vilsen wie eine Reise in die Vergangenheit: Sie bedruckten kürzlich zusammen mit Michael Linke und dessen Frau Sylke, die in Hoya ein kleines Druckereimuseum betreiben, Papier mithilfe historischer Druckmaschinen.

Die Buchhandlung Meyer in Vilsen stellte für die Aktion Räumlichkeiten zur Verfügung, die Linkes brachten die Utensilien mit. Im Vorfeld des Vormittags hatten die Kinder bereits in der Bruchmühle in Homfeld eigenes Papier geschöpft. Auch dieses wurde nun bedruckt. 

„Die Aktionen finden im Zusammenhang mit der Handwerkerepoche der dritten und vierten Klasse statt, in der die Kinder unterschiedliche handwerkliche Berufsbilder kennengelernt und Techniken selber ausprobiert haben“, erklärte Lehrerin Tina Thiedig. „Wir wollen mit diesem Projekt zeigen, dass der Mensch selber etwas Schönes schaffen kann, nicht nur mithilfe von modernen Maschinen.“

Zu diesem Zweck verwandelte sich das Klassenzimmer zum Beispiel auch in ein Skriptorium, eine mittelalterliche Schreibstube. „Wir haben alles verdunkelt, hatten nur Licht von Kerzen und haben dann mit Federkielen geschrieben“, berichtete die Lehrerin.

Michael Linke zeigte, wie die alte Druckmaschine funktioniert.

Während des Besuchs in der Buchhandlung waren die Jungen und Mädchen mit Feuereifer dabei. Sie befeuchteten mit großen Farbrollen die Druckplatten. Dass dabei auch Finger, Hände und T-Shirts Kleckse abbekamen, erhöhte den Spaßfaktor offenbar noch. „Das ist total cool“, meinte zum Beispiel Florian. Nachdem er seine Druckplatte fertig hatte, ging er an die Maschine, in der schon Papier eingespannt war. Mit Muskelkraft hieß es dort, das Papier auf die Platte zu pressen. „Puh, ganz schön anstrengend“, meinte Florian.

Sein Klassenkamerad Harry war ebenfalls begeistert von der Aktion. „Obwohl ich auch gerne selber mit der Hand auf Papier schreibe“, meinte er. Auch Bahne fand den Vormittag sehr spannend: „Man kann sich ein Motiv und die Farbe selber aussuchen, und dann sind auch noch unterschiedliche Druckpressen da – toll.“

Die Idee zur Aktion war in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Meyer entstanden. „Die Schule ist an uns herangetreten. Wir freuen uns, den Kindern zeigen zu können, wie Bücher früher entstanden sind, vom Papierschöpfen bis zum fertigen Buch“, erklärte Inhaber Ralf Meyer.

Am Ende des Vormittags hingen alle gedruckten Blätter an einer langen Wäscheleine. „Wir möchten jetzt eigentlich auch ein Buch binden, suchen aber noch jemanden, der das kann“, erklärte Lehrerin Tina Thiedig. „Ansonsten haben wir in der Schule auch schon selber mit Nadel und Faden Blätter zusammengenäht.“

Ein spannender Vormittag für die Waldorfschüler ging mit etlichen bedruckten Blättern zu Ende.

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