Familie Jahnel lebt seit zwei Jahren in Südafrika / Weihnachten im T-Shirt: „Da kommt nicht richtig Stimmung auf“

„Auslandsaufenthalt: Eine tolle Erfahrung“

+
Familie Jahnel genoss den Aufenthalt am Kap der Guten Hoffnung.

Br.-Vilsen/East London - Von Anne Schmidtke. Für einige Zeit ins Ausland gehen, andere Kulturen kennenlernen und neue Erfahrungen sammeln – für viele Menschen ist das ein Traum, den sie nicht verwirklichen. Familie Jahnel aus Bruchhausen-Vilsen dagegen erfüllte sich diesen Wunsch. Die Vier leben seit zwei Jahren in East London.

„Ich bekam ein Angebot von Mercedes, in Südafrika zu arbeiten. Das Unternehmen produziert dort die C-Klasse und brauchte Unterstützung“, erklärt Familienvater Hinrich Jahnel. Er bewarb sich und bekam die Stelle.

Im Dezember 2013 brachen er, seine Ehefrau Rebecca und die gemeinsamen Kinder Raoul und Aurelie ihre Zelte in Bruchhausen-Vilsen ab. „Eigentlich hatten wir geplant, nur eineinhalb Jahre fortzubleiben. Im Sommer verlängerten wir unseren Aufenthalt um zwölf Monate“, berichtet Hinrich Jahnel. Denn ihm und seinen Liebsten gefalle es sehr gut in Südafrika. Die Kinder besuchen eine internationale Privatschule. „Sie haben sich auf das Abenteuer eingelassen und sehr schnell Englisch gelernt“, sagt Hinrich Jahnel nicht ohne Stolz. Viel Lob zollt er auch seiner Gattin, die ehrenamtlich in einem Kinderheim tätig ist. Es gebe viele Mädchen und Jungen in Afrika, die einen schlechten Start ins Leben hätten. Einige hätten keine Eltern mehr, bei anderen wiederum seien die Mütter und Väter so arm, dass sie sich nicht um ihren Nachwuchs kümmern könnten. „Wir stehen auf der Sonnenseite des Lebens. Meine Frau versucht, etwas davon den afrikanischen Kindern abzugeben, indem sie sich um sie kümmert.“

In ihrer Freizeit genießen die vier Jahnels das gute Wetter. „Man kann hier tolle Sachen in der Natur machen“, sagt Hinrich Jahnel. Mit seinen Liebsten war er zum Beispiel auf Safari und streichelte Elefanten sowie andere wilde Tiere. Jahnels fuhren zum Kap der Guten Hoffnung, machten eine Seilrutschentour, genossen vom Tafelberg die Sicht auf Kapstadt und unternahmen viele weitere Ausflüge. „Das waren viele unvergessliche Erlebnisse“, erklärt Hinrich Jahnel.

Während ihrer Touren versuchen die Jahnels, sich abseits der Touristen-Routen zu bewegen. Schließlich sei Afrika ein wunderschönes Land. „Allerdings ist die Kriminalitätsrate hier sehr viel höher als in Deutschland. Doch wenn man sich an ein paar Regeln hält, ist das kein Problem, und man bekommt das ursprüngliche Afrika zu sehen.“ Wichtig sei, dass man nach Einbruch der Dunkelheit keine Überlandfahrten mehr unternehme, da man Tiere übersehen könne, die auf den Straßen ständen oder lägen. Zudem sollte man in einigen Stadtteilen wegen der sich dort herumtreibenden zwielichtigen Gestalten nicht zu Fuß in dunklen Ecken unterwegs sein.

Bei ihren Ausflügen wird Familie Jahnel immer wieder vor Augen geführt, wie groß der Unterschied zwischen Arm und Reich auf dem „Schwarzen Kontinent“ ist. „Es ist erschreckend, wie wenig andere zum Leben haben. Da wird einem erst richtig bewusst, in was für einem Überfluss wir Deutschen leben“, sagt der 41-jährige Hinrich Jahnel. Um den Menschen zu helfen, verkauften er, seine Frau und ein paar Mitstreiter im Juli auf einem winterlichen Markt etwa 150 Kilometer von East London entfernt deutschen Glühwein. Mit dem Erlös finanzierten sie sozial benachteiligten Kindern den Schulbesuch. „Es ist schön, etwas zu tun. Das macht Spaß.“

Weniger Freude hat Hinrich Jahnel am Weihnachtsfest in Afrika. „Hier fängt der Sommer gerade an. Wir können bereits in T-Shirt und kurzer Hose rumlaufen – da kommt nicht richtig Weihnachtsstimmung auf.“

2016 feiert er mit seiner Familie wieder in Deutschland Weihnachten. Denn in sechs Monaten kehren die Jahnels zurück. „Es wird schwer, von hier wegzugehen. Schließlich wissen wir nicht, ob wir jemals wiederkommen werden – wenn dann sicher nur als Urlauber. Aber wir freuen uns auch auf Deutschland. Wir gehen also mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Hinrich Jahnel. Er betont, dass er jederzeit wieder die Entscheidung treffen würde, mit der Familie ins Ausland zu gehen. „Das ist eine tolle Lebenserfahrung.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Arbeiten in den Grundschulen Leeste und Kirchweyhe

Arbeiten in den Grundschulen Leeste und Kirchweyhe

Zwei Tote und viele Verletzte nach Seebeben vor Kos

Zwei Tote und viele Verletzte nach Seebeben vor Kos

„Summer in the City“ trotz Regenwetter in Weyhe 

„Summer in the City“ trotz Regenwetter in Weyhe 

56-Jähriger nach Schussgeräuschen in Kassel festgenommen

56-Jähriger nach Schussgeräuschen in Kassel festgenommen

Meistgelesene Artikel

Weyhe nimmt‘s locker mit „Singing in the rain“

Weyhe nimmt‘s locker mit „Singing in the rain“

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Schönheits-OPs: Je näher der Strand, desto mehr Silikon

Schönheits-OPs: Je näher der Strand, desto mehr Silikon

Die Sicherheit geht vor Eigennutz

Die Sicherheit geht vor Eigennutz

Kommentare