Trotz Unfall in Bruchhausen-Vilsen

„Der Bus ist das sicherste Beförderungsmittel auf dem Weg zur Schule“

Schulbus an der Ausfahrt eines Verbrauchermarktzentrums.
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Ein Lkw auf der Sperrfläche dieser Ausfahrt versperrte die Sicht, als der Unfall mit einem Schulbus passierte.

Br.-Vilsen – Zwei Schulkinder bei Unfall mit Bus verletzt, das teilte die Polizei vor einer Woche mit. Warum der Busfahrer auf der Straße „An der Kleinbahn“ in Bruchhausen-Vilsen unvermittelt stark bremsen musste, ließ sich seitdem aufklären, der eigentliche Verursacher aber verließ den Ort des Geschehens, bevor er zur Rechenschaft gezogen werden konnte.

Den Kindern geht es gut, berichtet die Polizei in Bruchhausen-Vilsen auf Anfrage. Ein Junge im Grundschulalter habe sich den Kopf an einer Haltestange gestoßen, ohne dass aber eine blutende Wunde entstanden war, informiert die Polizei. Ein etwa gleichaltriges Mädchen habe bitterlich geweint, als ein Beamter den Bus betreten habe, um sich nach dem Befinden der Mitfahrenden zu erkundigen. „Alles ist wieder gut“, versichert der Beamte, nachdem sich der Schreck gelegt hatte. Eltern aber sitzt die Unfallmeldung noch in den Knochen. Nach Auskunft des Landkreises nutzen zwischen 950 und 1 000 Kinder und Jugendliche aus der Samtgemeinde den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) für den Schulweg. Wie sicher sind sie in den Bussen aufgehoben?

„Der Bus ist das sicherste Beförderungsmittel auf dem Weg zur Schule“, führt Landkreis-Sprecherin Mareike Rein auf Nachfrage aus. Auch, wenn Zwischenfälle nicht gänzlich auszuschließen seien. Beim Landkreis Diepholz werde allerdings keine Statistik über Unfälle im ÖPNV geführt. Aus einer Erhebung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zum Unfallgeschehen lasse sich entnehmen, dass der Schulbus im Zusammenhang mit Schulwegunfällen eine eher untergeordnete Rolle einnehme, führt sie aus. Das Risiko, bei der Benutzung eines Schulbusses einen Unfall zu erleiden, liege bundesweit im Schnitt etwa bei 0,05 bis 0,07 Prozent, hat der Landkreis in diesem Zusammenhang recherchiert. „Die Fahrt mit dem ,Elterntaxi‘ ist mit einem vielfach höheren Unfallrisiko verbunden, obwohl dies häufig als sichere Alternative zum Schulbus empfunden wird“, heißt es in der Stellungnahme des Landkreises weiter.

Immer wieder diskutiert wird, ob vor allem jüngere Kinder auf dem Schulweg einen garantierten Sitzplatz im Bus haben sollten. Einen Anspruch darauf gebe es nicht, erläutert Mareike Rein. Da die Schülerbeförderung im Landkreis, wie bei den meisten anderen Trägern der Schülerbeförderung, vorrangig im ÖPNV erfolge, könnten dabei grundsätzlich alle laut Fahrzeugschein zugelassenen Sitz- und Stehplätze genutzt werden, erklärt sie. Ein Umstand, dem jeder Nutzer eines Schülersammelzeittickets übrigens zustimme: Wer ein solches Ticket verwende, das der Landkreis zur Verfügung stellt, stimme den Beförderungsrichtlinien im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) zu. Laut Paragraf 5 bestehe demnach kein Sitzplatzanspruch. Nur im sogenannten freigestellten Schülerverkehr seien grundsätzlich keine Stehplätze zugelassen.

Die politischen Gremien des Landkreises hatten sich im Jahr 2014 mit der Umsetzung einer möglichen „de facto“ Sitzplatzgarantie durch Anpassung der Beförderungskapazitäten befasst, erinnert die Sprecherin. Letztlich kam es aber zu keiner Mehrheit dafür. „Insgesamt betrachtet wird durch die Investition in zusätzliche Buskapazitäten nur eine äußerst geringe Verbesserung der Gesamtsicherheit erreicht“, urteilte die Verwaltung seinerzeit. Dieser Einschätzungen lag neben den zitierten Unfallzahlen folgende Rechnung zugrunde: Die Anzahl der benötigten zusätzlichen Busse bei Umsetzung einer Sitzplatzgarantie in der Schülerbeförderung wird von den Verkehrsunternehmen auf 53 geschätzt. Im Durchschnitt ist von Kosten in Höhe von 60 000 Euro je Fahrzeug und Haushaltsjahr auszugehen. Die geschätzten Mehrkosten belaufen sich damit auf rund 3,18 Millionen Euro pro Haushaltsjahr.

Wie sicher die Schulkinder in einem Bus aufgehoben sind, mache der Landkreis auch daran fest, wie sich die Mitfahrenden verhielten. „Für jeden Stehplatz ist eine Möglichkeit zum Festhalten gegeben“, führt Mareike Rein aus. Häufig müsse jedoch festgestellt werden, dass der vorhandene Raum nicht hinreichend genutzt werde. „Fahrgäste gehen beispielsweise nicht bis zum Ende des Fahrzeugs durch, halten Plätze für Freunde frei oder gehen nicht platzsparend mit dem Gepäck um“, sei bei Kontrollen beobachtet worden. „Die überwiegende Mehrheit der Schüler verhält sich aber grundsätzlich richtig“, bescheinigt der Landkreis den Fahrschülern.

Grundsätzlich dürfe ein Bus im Schülerverkehr vollständig ausgelastet werden, erläutert Mareike Rein, weist in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass sich der Landkreis eine freiwillige Auslastungsgrenze von etwa 80 Prozent gesetzt habe. Ein Handlungsbedarf werde zeitnah geprüft. Auf der Linie 129, Lemförde-Diepholz, werde im kommenden Schuljahr ein zusätzliches Fahrzeug eingesetzt, um die Besetzung in den einzelnen Fahrzeugen zu entlasten, teilt der Landkreis mit.

Das Kind, das sich jüngst in Bruchhausen-Vilsen den Kopf gestoßen habe, habe gesessen, heißt es bei der Polizei. Sind Stehplätze, wie im ÖPNV üblich, zugelassen, müsse ein Bus nicht mit Sicherheitsgurten ausgerüstet sein, ergänzt Mareike Rein. Bei diesem Unfall seien im Bus alle Vorgaben beachtet worden.

Dass der Fahrer mitten im Ort scharf bremsen musste, lag letztendlich an einem Falschparker, stellte die Polizei fest. Auf dem Parkstreifen entlang der Straße „An der Kleinbahn“ habe zum Unfallzeitpunkt ein Lkw gestanden. Auf der deutlich gekennzeichneten Sperrfläche, so die übereinstimmenden Aussagen an der Unfallstelle. Ein Autofahrer, der den Parkplatz verlassen wollte, konnte die Straße daher nicht einsehen. Obwohl er sich vorgetastet habe, musste der Busfahrer scharf bremsen, um eine Kollision zu vermeiden. „Bis die Aussagen über den Falschparker vorlagen, hatte dieser die Unfallstelle aber schon verlassen“, berichtet die Polizei. In der Aufregung der Fast-Kollision habe sich aber weder der Auto-, noch der Busfahrer Kennzeichen oder Hinweise auf den Lkw gemerkt.

Und doch passierte der Unfall nicht ohne Grund. „Der Autofahrer hätte sich einweisen lassen müssen, wenn er seinen Fahrtweg nicht einsehen konnte“, erinnert die Polizei.

Im Landkreis Diepholz haben nach Auskunft des Landrats-Büros etwa 8 100 Schüler Anspruch, einen Bus auf dem Schulweg zu benutzen. Die Behörde gehe jedoch davon aus, dass bis zu 9 500 Schülerinnen und Schülern den ÖPNV nutzen, denn ein gewisser Anteil müsse die Fahrten selbst zahlen.

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