Falschgeld, Salmiak und eine Gewehrpatronenhülse

Lange vergessener Opferstock der Martfelder Kirche enthält viele Überraschungen

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Der Opferstock barg spannende Fundstücke. 

Martfeld - Von Regine Suling. Jeder Konfirmand kennt das: Der Gottesdienst neigt sich dem Ende zu, der Klingelbeutel geht rum, und man versucht, die Hand so lange wie möglich geschlossen zu halten, um den Sitznachbarn nicht zu offenbaren, was oder wie viel sich darin befindet. Beim anschließenden Zählen der Kollekte finden die Kirchenvorsteher dann nicht nur Scheine und Geldstücke, sondern auch mal fremdländische Münzen, Einkaufschips oder einen Knopf…

Nicht viel anders verhielt es sich offenbar mit dem alten Opferstock, der Teil der Altarwand der Martfelder Catharinen-Kirche war. Zur Erklärung: Ein Opferstock, auch „Gotteskasten“ genannt, ist eine Art historischer Vorgänger des Safes – ein massiver Kasten, in dem die Kirchengemeinden im Mittelalter ihre Gelder, Spenden oder wichtige Dokumente und Urkunden, auch von Privatpersonen, aufbewahrten.

Pastor Heinz-Dieter Freese

1998 fegte ein großer Brand über die Catharinen-Kirche. Der alte Opferstock wurde davon allerdings nicht erfasst. Er gelangte stattdessen zu einem Restaurator, wo er viele Jahre blieb, bis ihn der heutige Pastor Heinz-Dieter Freese nun wieder zurückholte.

Und „der Restaurator Wilhelm Reinhardt hat wirklich erstaunliche Inhalte herausgekratzt“, staunt Freese. Die mit Abstand jüngste Schicht auf dem Opferstock sei die Brandschicht gewesen. „Wir haben rund 220 abgebrannte Streichhölzer und knapp 80 Kerzenwachsreste entdeckt, das waren aber die weniger spannenden Gegenstände, die Wilhelm Reinhardt aus Ritzen und Spalten zutage förderte. Im Opferstock befanden sich alte Liederzettel für den Küster, ein Spendenaufruf für den Lutherischen Weltbund, eine Dose ,Monarch‘-Salmiakpastillen aus dem deutschen Kaiserreich, eine Abrechnung für die Missionsblätter 1953, eine Gewehrpatronenhülse und ein Kaugummi-Bild aus den 1950er Jahren“, sagt Pastor Freese schmunzelnd.

Aber tatsächlich lag auch Geld im Kasten: ¼ Stuber von 1765, der beweist, dass der alte Opferstock, der aus einem Holzstamm geschnitzt ist, bereits in dem Vorgänger-Bau der heutigen Catharinen-Kirche gestanden haben muss. Außerdem befanden sich ein Taler von 1770 aus Hannover darin und Pfennige mit Hakenkreuz, insgesamt 78 historische Münzen.

Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche

Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche
Viele Überraschungen im Opferstock der Martfelder Kirche © Mediengruppe Kreiszeitung/Regine Suling und Miriam Unger

Ein ganz besonderes Stück stammt aus der Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg: ein Prägestempel für 50 Pfenning-Münzen aus dem Jahre 1920, die Unterseite fehlt allerdings. „Hier hat ein Falschmünzer ein Zeugnis für sein strafbares Handeln in den Opferstock geworfen und sich dabei bestimmt amüsiert über die Gesichter der Kirchenvorsteher beim Kollekte-Zählen“, vermutet Heinz-Dieter Freese.

Auch sieben alte Geldscheine befanden sich in dem Opferstock, der in Vergessenheit geraten war. „Bis in die 1950er-Jahre war der Kasten tatsächlich noch in Gebrauch“, weiß Heinz-Dieter Freese. Im „Communicanten-Buch“ wurde dazu aufgelistet, wer das Abendmahl erhalten hatte. Im Anschluss warfen die Gemeindemitglieder einen „Dank“ in den Opferstock.

Bald soll dieser gründlich renoviert seinen Weg zurück in die Kirche finden. Ob er dann wieder benutzt wird für „Einwürfe aller Art“? Dann könnten zukünftige Generationen vielleicht ähnliche Funde machen …

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