Experten halten Vortrag über Sicherheit im Internet / „Das Internet vergisst nichts“

„Alles, was kostenlos ist, ist eine Kralle“

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Die Pastoren Meike Müller (l.) und Heinz-Dieter Freese (2.v.r.) mit den Referenten (v.l.) Johann König, Lennart Rosatm, Dirk-Lüder Kreie, Anika Roosch und Alexander Noack.

Martfeld - „Die große Welt des Internets birgt unendliche Möglichkeiten. Doch ist sie auch sicher?“ Mit diesen Worten kündigte Schwarmes Pastorin Meike Müller kürzlich einen Vortrag in der Catharinenkirche in Martfeld an. Zuvor hatte sie zusammen mit ihrem Martfelder Amtskollegen Heinz-Dieter Freese zahlreiche Besucher begrüßt. Die Kirchengemeinden Martfeld und Schwarme sowie die Volkshochschule in Bruchhausen-Vilsen hatten den Abend organisiert.

Die Referenten waren sich einig: Das Thema „Was weiß man über mich im weltweiten Netz?“ ist so umfassend, dass ein Abend nicht ausreicht, um es zu beleuchten. Zu den Vortragenden gehörte Johann König aus Martfeld. Er war lange bei der Telekom in der Aus- und Fortbildung tätig und betreibt seit 20 Jahren das „Systemhaus – Hotline Computer Systeme“ in Martfeld und Bremen.

Genau wie er hattenauch Lennart Rosatm, Dirk-Lüder Kreie, Anika Roosch und Alexander Noackvom „Chaos Computer Club“ (CCC) für die Region Bremen viel zu berichten. Der gemeinnützige Verein ist global tätig und widmet sich ehrenamtlich unter anderem der Beratung zu Datensicherheit, Datenschutz sowie Internetsicherheit.

Zunächst erfuhren die Zuhörer, dass von 81 Millionen Menschen in Deutschland 72 Millionen das Internet nutzen. Am meisten frequentiert sind Suchmaschinen wie Google, an zweiter Stelle steht das Versenden und Empfangen von E-Mails. Internetkonzerne wie Yasni und Google sammeln so viele Daten wie möglich über alle Menschen. Sie merken sich alle Anfragen eines Nutzers, um herauszufinden, wofür sich dieser interessiert. Sie nutzen die Standortbestimmung (GPS) des Smartphones, um zu wissen, wo sich der Benutzer aufhält. Und sie wissen, was man wann und wo im Internet gekauft hat. Auch in sozialen Netzwerken wie Facebook und Whatsapp werden alle Daten gesammelt. „Man ist das, was man im Netz von sich gibt“, fasste Johann König zusammen. „Alles, was man eingibt, wird gespeichert.“

„Der gläserne Konsument: Je besser man Sie kennt, desto besser kann man Ihnen etwas aufschwatzen“, erklärte Lennart Rosatm. Denn die Daten würden vielfach für Werbung eingesetzt, maßgeschneidert auf die jeweilige Person.

Immer mehr Firmen machten sich das System zunutze, um Bewerber zu googeln. „Denken Sie an Ihre Zukunft, bevor Sie etwas posten, denn das Internet vergisst nichts. Es zeigt auch peinliche Fotos an, die sehr alt sind“, warnte Rosatm.

Einige Krankenversicherungen erkundigen sich seinen Angaben zufolge im Netz über Essgewohnheiten von potenziellen Versicherten, ermitteln mit Blick auf Kleidungsbestellungen bei Onlineshops die Größe oder schauen sich die Daten des Fitnessarmbands an. Und Kfz-Versicherungen können anhand der GPS-Daten herausfinden, wann man sich wo aufhält – und so erkennen, ob jemand mit seinem Auto rast oder langsam fährt und wie viel er unterwegs ist.

„Alles, was Sie eingeben, kann und wird gegen Sie verwendet werden“, lautete der Tenor der Referenten. Sie rieten eindringlich, keine privaten Daten von sich oder anderen preiszugeben.

Zu Beginn des Abends wurde ein Werbeclip gezeigt mit der Aussage: „Posten Sie nichts, was man nicht auf eine Plakatwand drucken würde.“

Wichtig sei auch, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Diensten durchzulesen und sich die Standardeinstellungen seines Browsers und in sozialen Netzwerken anzusehen, denn diese seien oft ein „offenes Scheunentor“. Man sollte den Webbrowser schützen, nur Cookies von der Seite zulassen, die man gerade besucht, Ghoststreams und Adblocker gegen Werbung einrichten und das eigene Wlan absichern.

Königs Fazit: „Nichts ist kostenlos – alles, was kostenlos ist, ist eine Kralle.“

mtm

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