Experte referiert in Martfelder Kirche

Mehr innere Sicherheit in Deutschland

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Referierten gemeinsam in der Martfelder Kirche zum Thema der individuellen und politisch-gesellschaftlichen Sicherheit: Dr. Marcus Schaper (links) und Pastor Heinz-Dieter Freese.

Martfeld - Von Ulf Kaack. Unter dem Titel „Geprüfte Sicherheit!“ steht die diesjährige Seminarreihe der Kirchengemeinden Martfeld und Schwarme sowie der Volkshochschule Bruchhausen-Vilsen. Am Mittwoch fand die zweite Vortragsveranstaltung in der Martfelder Catharinen-Kirche vor rund 50 gespannt lauschenden Zuhörern statt.

Eröffnet wurde der Abend von Pastor Heinz-Dieter Freese. Er definierte den Begriff Sicherheit mit einem 1944 im Militärgefängnis Berlin-Tegel verfassten Gedicht des Theologen Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet wurde. „Bonhoeffer stellte darin sein Außenbild, das er bei seinen Mitgefangenen und Bewachern erzeugte, und seine eigene innere Zerrissenheit gegenüber. Er fand abschließend keine Antwort auf die Frage nach seinem eigenen Ich, konnte sich aber unschwer erklären, was ihm in seiner verzweifelten Lage hinter Gittern Sicherheit und Hoffnung gab: sein Glaube“, so die Interpretation der ergreifenden Zeilen von Heinz-Dieter Freese.

Hauptreferent des Abends war Dr. Marcus Schaper, Studienleiter an der Evangelischen Akademie Loccum. „Wie sicher sind wir (noch)?“ lautete sein Thema, das in diesen Zeiten so viele Menschen umtreibt. Es ging um die innere, äußere und gefühlte Unsicherheit in der Gesellschaft und in jedem Einzelnen.

Die Begrifflichkeit „Innere Sicherheit“ im politischen Sinn ist noch recht jung, entstand erst in den 1970er-Jahren im Zusammenhang mit den RAF-Anschlägen. „Seitdem hat sich die innere Sicherheit in unserem Land, das belegen diverse Statistiken und wissenschaftliche Erhebungen, eindeutig erhöht“, erklärte der renommierte Politologe. „Schauen wir nur auf die Bereiche Arbeitssicherheit, Verkehr, Ernährung oder das Gesundheitswesen. Die äußere Sicherheit ist konstant geblieben – der Kalte Krieg ist vorbei, dafür haben wir es jetzt mit dem internationalen Terrorismus zu tun. Doch der spielt sich im Kern fern von unseren Grenzen ab, konfrontiert uns aber beispielsweise mit der Flüchtlingsproblematik.“

Das trotzdem weitverbreitete Gefühl einer diffusen Unsicherheit machte Marcus Schaper an der globalen technischen und wirtschaftlichen Dynamik fest. Es wird viel mehr wahrgenommen von den Weltgeschehnissen als früher. Und das mit einer atemberaubenden Schnelligkeit. Es sei das Neue, das Unbekannte, was die Empfindung einer latenten Gefahrensituation erzeugt, analysierte der Experte. Und letztendlich zur Gründung von Bürgerwehren, einem Rechtsdruck oder hitzigen Debatten in den sozialen Netzwerken führt.

„Bislang werden Bollwerke errichtet, um Krisenherde von der westlichen Welt fernzuhalten“, stellte Marcus Schaper fest und forderte ein Umdenken. „Wir müssen weg von der Sicherheitslogik, hin zu einer Friedenslogik. Die Politik muss in allen Bereichen so gestaltet werden, dass Konflikte gar nicht erst entstehen, zumindest aber nicht ins Unkontrollierbare eskalieren.“

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