„Wortart Ensemble“ 

Experimentelles für Feinschmecker

Das „Wortart Ensemble“ vereinte bei seinem Auftritt in Bruchhausen-Vilsen Volkstümliches, Klassik, Elemente aus Jazz und populärer Musik. Foto: Ulf Kaack

Br.-Vilsen - Von Ulf Kaack. Knapp drei Dutzend akustische Feinschmecker, wie er sie nannte, begrüßte Peter Schmidt-Bormann, Vorsitzender des Kultur- und Kunstvereins Bruchhausen-Vilsen, zum Neujahrskonzert am Sonntag im Forum des Schulzentrums Bruchhausen-Vilsen. „Home Sweet Home - Lieder vom Kommen, Gehen und Bleiben“ titelte das Programm des „Wortart Ensembles“. Ein musikalisches Kleinod, wie sich zeigen sollte, das ganz sicher mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Unbestritten: Vokalmusik ist seit vielen Jahren angesagt. Geistliche und weltliche, ernste und unterhaltende. So uralt wie dieses Fach ist, so frisch, jung und unterhaltsam präsentierte sich das Quartett, löste das Genre aus seinem angestaubten Gewand.

Das „Wortart Ensemble“ sind Sopranistin Lena Sundermeyer, die Alt-Stimme von Hannah Ginsburg, Tenor Erik Leuthäuser sowie Lars Ziegler, Bariton und Bass. Alle haben Gesang studiert, sind professionelle Solo-Künstler. Eines jeden Einzigartigkeit formt dabei den Gruppenklang der vor mehr als zehn Jahren in Dresden gegründeten Gruppe.

Das hohe Niveau war von der ersten Note an in Stein gemeißelt. Einen Klang von schwerlich übertreffbarer Reinheit vernahm das Publikum, von einer Anmutung, die kein digitales Instrument auditiv abbilden kann.

Anspruch und Tiefgang gossen die Sänger in eine bekömmliche Form, wie man das Vernommene wohl am trefflichsten beschreiben kann. Ausnahmslos Wohlklänge hatte das „Wortart Ensemble“ im Repertoire. Und das ließ sich stilistisch keiner der gängigen Schubladen zuordnen. Das Œuvre vereinnahmte diverse Richtungen: Volkstümliches, Klassik, Elemente aus Jazz und populärer Musik, teils mit orchestralen, zuweilen meditativen Anleihen. Unüberhörbar experimentell, ohne dabei ins Verstörende abzugleiten. In der Summe zauberte man gefällige und ausgesprochen kurzweilige Klanglandschaften.

Zwischenzeitlich ergänzte moderne Digitaltechnik die asketische Darbietung. Mittels Loop wurden vielschichtige Klangteppiche geschaffen, die mit permanenter Verfremdung, Duplizität und Wiederholungen dem Ganzen zu einem orchestralen Sound verhalfen. Oder aber naturnahe Effekte projizierten. Beispielsweise bei „Umarmung des Meridians“, wo die vier Sänger geschichtete Textbausteine scheinbar asynchron und gegenläufig zu einem präzise geformten Arrangement zusammenführten.

Vor der Wucht des Gesangs rückten die Texte zwangsläufig in den Hintergrund. Die Harmonien dominierten die Wahrnehmung. Einerseits schade, hat sich das „Wortart Ensemble“ doch die Vertonung von Lyrik und Poesie auf die Fahnen geschrieben. Andererseits eine Zwangsläufigkeit des Konzepts.

Es sind literarisch wertvolle Gedichte, Texte und Zitate, die das Quartett durch ihren ganz eigenen kompositorischen Ansatz auf musikalische Weise reflektiert. Man nahm das Thema Heimat, das im Programm „Lieder vom Kommen, Gehen und Bleiben“ im Zentrum steht, nur als Fragmente wahr, erlebte also kaum mehr als nur eine Seite der Medaille. Was aber nicht weiter tragisch war, denn das Gehörte gab es auf CD im Foyer zu kaufen. Eine gute Gelegenheit also, um sich das anspruchsvolle Werk des „Wortart Ensembles“ noch einmal in aller Ruhe zu erhören und zu erarbeiten.

Das nächste Konzert:

Der Kultur- und Kunstverein (KuK) lädt für Freitag, 1. Februar, zum nächsten Konzert ein. Dann steht ab 20 Uhr die A-cappella-Gruppe „Maybebop“ auf der Bühne der Mensa in Bruchhausen-Vilsen (Auf der Loge).

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