Karl-Heinz „Charly“ Finke (76) ist Chef der Altpfadfinder in Deutschland

Der ewige Pfadfinder

Karl-Heinz „Charly“ Finke 1977 auf dem Bundeslager der Pfadfinder in Kirchberg.

Br.-Vilsen - Von Ulf Kaack. Es gab Zeiten, in denen sich die Pfadfinderorganisationen hierzulande und international regen Zulaufs erfreuten. Für die meisten Kinder und Jugendlichen blieb das eine spannende Episode ihres jungen Lebens. Nicht so für Karl-Heinz Finke aus Vilsen. Der 76-Jährige ist mit voller Überzeugung Pfadfinder auf Lebenszeit.

Den Namen Karl-Heinz findet man nur in seinem Personalausweis und im Telefonbuch. Landauf landab wird Finke nur Charly genannt. Er wurde in Bremen geboren, wuchs in Syke auf und lebt mit seiner Frau Marie-Luise, die unter ihrem Spitznamen Maro bekannt ist, seit 30 Jahren in Vilsen.

Als Schüler schloss er sich 1950 zunächst dem Christlichen Verein junger Männer (CVJM) an und stieß 1954 zum Deutschen Pfadfinder-Bund, zum Stamm „Schwarze Husaren“ in Syke. In der Anfangszeit gehörten englische Armeezelte zur Standardausrüstung bei den obligatorischen Jugendlagern. Später wurden diese gegen die typischen Jurten und Koten ausgetauscht.

„Ich war von Beginn an vom Pfadfindertum begeistert“, blickt Charly Finke zurück. „Die Kameradschaft, die gemeinsamen Naturerlebnisse, die Nächte mit der Gitarre vor dem Lagefeuer … das hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“

Besonders beeindruckte ihn die Freiheit, die man den Jugendlichen zugestand. In den einzelnen Gruppierungen, den Stämmen und Sippen, werden die Anführer aus der Mitte der Mitglieder gewählt. Fair und demokratisch. Kein Erwachsener redet rein. Die Hierarchien sind extrem flach gehalten.

„Das ist im Pfadfinderwesen absolut gewollt“, sagt Charly Finke. „Die Eigenverantwortung dient der Persönlichkeitsbildung der jungen Menschen, so wie es das 1908 erschienene pädagogische Konzept von Robert Baden-Powell, dem britischen Gründervater der weltweiten Pfadfinderbewegung, vorsieht. ,Learning by doing‘ ist ein wichtiges Element in der Ausbildung. Das ist bis heute so.“

Einmal Pfadi, immer Pfadi! Heute ist der 76-Jährige Chef der Altpfadfinder in Deutschland.

Auch dem Teenageralter entwachsen, blieb Finke der Organisation treu.1964 gründete er mit einem Freund das Zentralarchiv der Deutschen Pfadfinder, das einige Jahre später in das Archiv der Deutschen Jugendbewegung auf das Pfadfinderzentrum Jugendburg Ludwigstein (Hessen) übertragen wurde. Als seine Söhne Dirk und Jens im „pfadifähigen“ Alter waren, hatte er die Idee, in Syke einen neuen Stamm zu gründen. Die vorherige Gruppierung hatte sich zwischenzeitlich aufgelöst. So rief Charly Finke 1974 den Stamm „Schwarze Husaren“ mit den Sippen „Wölflinge“ und „Pfadfinder“ ins Leben. Eine schöne Zeit, begleitet von vielen Zeltlagern in ganz Deutschland. Sogar bis Korsika begleitete er seine jugendlichen Schützlinge mit der pädagogisch notwendigen Distanz. Doch das gehört jetzt seit über drei Jahrzehnten der Vergangenheit an.

Für Charly Finke allerdings kein Grund, sich aus der Pfadfinderorganisation zurückzuziehen. Er schloss sich der Zentralgilde im Verband Deutscher Altpfadfindergilden an, deren Vorsitz er als Stammesältester zwischenzeitlich innehat. „Wir unternehmen regelmäßig gemeinsame Fahrten ins gesamte europäische Ausland, pflegen dabei die Völkerverständigung und Kontakte zu dortigen Pfadfindern. Außerdem engagiert sich die Zentralgilde für ausgesuchte soziale und kulturelle Projekte – konfessions- und politikübergreifend. Klar, dass wir auch den jugendlichen Pfadfindern mit unserem Know-how tatkräftig zur Seite stehen, allerdings nur auf deren ausdrücklichen Wunsch hin.“

Sein Amt als Chef bei den Altpfadfindern wird Charly Finke 2017 in jüngere Hände legen. An den Aktivitäten der Zentralgilde wird er sich aber so lange beteiligen, wie es seine Gesundheit zulässt: „Das ist eine ganz tiefe Leidenschaft – einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder“, sagt er lächelnd und voller Überzeugung.

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