„Wir haben trotz allem immer noch Hoffnung“

„Event Center“ als Gaststätte mit Saal: Vorhaben von Familie Kurt scheitert

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Nihat Kurt und sein Bruder Ferdi Kurt (von links) haben immer noch Hoffnung auf ein glückliches Ende. Foto: NALA HARRIES

Die Lichter im „Event Center“ der Familie Kurt in Martfeld sind seit September vergangenen Jahres komplett erloschen.

  • Familie Kurt wollte das „Event Center“ in Martfeld als Gaststätte mit Saal betreiben
  • Der Landkreis Diepholz lehnte das Vorhaben allerdings ab
  • Grund ist die Definition des „Event Centers“ als Vergnügungsstätte, die laut Bebauungsplan nicht zulässig ist

Martfeld - Gäste tanzen nicht mehr auf der riesigen Fläche unter der glitzernden Festbeleuchtung und auch die große Bühne ist leer gefegt. Die Barhocker an der Theke sind hochgestellt, die Stühle ordentlich an die Tische geschoben und die samtroten Vorhänge lassen keinen Sonnenstrahl mehr in den großen Saal.

Doch Familie Kurt gibt den Traum von ihrem „Event Center“ an der Freesenstraße nicht auf. Beim Landkreis Diepholz stellten sie deswegen einen Antrag, um das „Event Center“ als Gaststätte mit Saalbetrieb betreiben zu können, doch auch dieser Versuch scheiterte.

„Event Center“ für Hochzeiten und Co.

Zum Hintergrund: 2011 kauften sie das Objekt und erhielten vom Bauamt des Kreises einen Bauvorbescheid. Ihr ursprünglicher Plan war es, die ehemalige Lagerhalle in ein „Event Center“ mit Multi-Kulti-Veranstaltungen zu verwandeln. „Dort hätten Hochzeiten, Kohl- und Spargeltouren, Theaterproben, Abibälle, Seminare, Weihnachtsfeiern und auch Geburtstage stattfinden können“, erklärt Ferdi Kurt, der Bruder des Besitzers Devran Kurt, und weiter: „Vor unserer Sanierung sah man das blanke Blech an den Wänden, es gab keine Decke oder einen richtigen Fußboden.“ Dementsprechend bauten sie die Halle nach den Auflagen, die der Landkreis Diepholz ihnen gab, um. Sie erneuerten zudem die sanitären Einrichtungen, bauten die neueste Technik ein und setzten die aktuellen Brand- und Sicherheitsvorschriften um. 

„Event Center“: Lärmschutz mit DJ-Ampelsystem

Um die Gemeinde vor der Lautstärke während der Veranstaltungen zu bewahren, haben die Kurts sogar ein DJ-Ampelsystem, welches die Dezibel-Skala kontrolliert und die Anlage bei zu lauter Musik ausschaltet, sowie eine Akustikdecke eingebaut. Darüber hinaus verlegten sie den Haupteingang aus Rücksicht auf die Anwohner nach hinten. Doch nach der ersten Veranstaltung 2012, einer Hochzeit, revidierte der Landkreis seine Einstufung des „Event Centers“ als Versammlungsstätte, stattdessen handele es sich um eine Vergnügungsstätte und diese sei in dem Gewerbegebiet „Am Funkturm“ nicht zulässig. 

So sieht es der Bebauungsplan (B-Plan) vor. Die Voraussetzung für eine Baugenehmigung sei die Änderung des B-Plans. Doch der Rat der Gemeinde Martfeld stimmte Ende 2018 dagegen. Daraufhin erteilte der Landkreis der Familie nur noch einige Sondergenehmigungen für Veranstaltungen (rund vier Events pro Jahr), bis 2019 ein anwohnendes Ehepaar gegen die Kurts klagte und vor dem Verwaltungsgericht gewann. Danach durften keine weiteren Feste stattfinden. „Und das, obwohl unsere Veranstaltungen um 23.30 Uhr endeten und wir alle Lärmschutzauflagen eingehalten haben“, sagt Ferdi Kurt. 

„Event Center“: Türen seit Urteil zu

Seit dem Gerichtsurteil sind die Türen des „Event Centers“ nun endgültig geschlossen und der Saal steht leer. „Dadurch entstehen für uns dermaßen hohe Kosten, dass die ganze Familie miteingespannt werden musste. Selbst die Kinder unterstützen uns in ,Stevens Bistro’. Es ist wie ein Gefängnis: Es gibt keine Freizeit mehr“, erklärt Ferdi Kurt. Ihr ganzes „Hab und Gut“ stecke in dem „Event Center“.

Ein privater Käufer habe sich den Saal schon einmal angesehen. „Er strebte jedoch den Rückbau in eine Lagerhalle an und meinte bei der Besichtigung dann selbst, dass er dieses Schmuckstück nicht zerstören möchte“, erklärt Ferdi Kurt.

Der riesige Saal des „Event Centers“ würde sich laut Angaben der Familie Kurt nicht nur für Hochzeiten, sondern unter anderem auch für Abibälle, Seminare, Weihnachtsfeiern und Spargeltouren eignen. Darüber hinaus könnten Theatergruppen auf der großen Bühne proben und ihre Stücke aufführen. Foto: FAMILIE KURT

Wie sehen die weiteren Pläne der Familie für das „Event Center“ aus? „Wir haben im August 2019 einen Antrag beim Landkreis eingereicht, um das Gebäude als Gaststätte mit Saalbetrieb betreiben zu können“, sagt Ferdi Kurt. Der Unterschied zu einer Vergnügungsstätte sei laut seinen Angaben, dass die Gaststätte, in diesem Fall „Stevens Bistro“, welches im Besitz von Nihat Kurt ist, einen größeren Betrag erwirtschaften muss als der Saal. Dafür müssten die Kurts jedoch die Küche des Bistros erweitern. „Wir haben schon von Anfang an in Betracht gezogen, aus dem ,Event Center‘ eine Gaststätte mit Saalbetrieb zu machen, konnten bisher aber noch nicht das nötige Geld für einen Umbau der Küche aufbringen. Deswegen haben wir bei den bisherigen Veranstaltungen immer mit einer Catering-Firma zusammengearbeitet“, erklärt Ferdi Kurt.

Bauantrag zur Erweiterung von „Stevens Bistro“

Joachim Homburg vom Landkreis Diepholz bestätigt, dass ein entsprechendes Schreiben eingegangen sei. Bei diesem Dokument handele es sich um einen Bauantrag zur Erweiterung von „Stevens Bistro“ durch die Nutzungsänderung der Halle. „Ich habe der Familie meine Rechtsauffassung der Lage mitgeteilt, und zwar, dass ich die Gaststätte mit Saalbetrieb für nicht genehmigungsfähig halte, da der Saal – so wie die Kurts mir ihr Konzept vorgestellt haben – auch weiterhin im Vordergrund stehen würde. Somit wäre das ,Event Center‘ als Vergnügungsstätte zu definieren, und das ist laut dem Bebauungsplan in dem Gebiet nicht zulässig“, sagt er. Die Küche der Gaststätte könne laut Homburgs Angaben nicht so weit erweitert werden, dass mithilfe dieser rund 600 Gäste, für die der Saal ausgerichtet ist, bewirtschaftet werden können. 

Vorhaben von Familie Kurt endgültig abgelehnt

Nachdem der Landkreis Diepholz den Kurts dies mitteilte, hatte die Familie mehrere Monate Zeit, um sich dazu zu äußern. Dies sei laut Angaben von Joachim Homburg jedoch nicht passiert. Am 23. Januar lehnte der Landkreis das Vorhaben der Familie nun endgültig ab. „Wir wollen jetzt Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid einlegen“, sagt Ferdi Kurt. Das sei möglich, meint auch Homburg. Einen Plan B habe die Familie derzeit noch nicht. Im schlimmsten Fall müssten sie weiterhin versuchen, dass „Event Center“ privat zu verkaufen. „Wir haben trotz allem immer noch Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet“, meint Ferdi Kurt.

„Event Center“: Klage von Anwohnern 

Martfeld – Die vierte Kammer des Verwaltungsgerichts Hannover verhandelte kürzlich über die Klage von Bewohnern Martfelds – laut Angaben des Gerichts handelte es sich um ein Ehepaar – gegen Genehmigungen des Landkreises Diepholz, in einer Gewerbehalle Hochzeiten zu veranstalten. Der Klage wurde stattgegeben. „Die Kläger beanstanden eine Belastung ihres Grundstücks durch Hochzeitsveranstaltungen“, geht aus einer Pressenotiz des Gerichts hervor. Dieses liege in der Nähe des dort verorteten „Event Centers“. Es ging bei der Verhandlung um die Frage, ob es rechtswidrig sei, in der Halle an der Freesenstraße solche Veranstaltungen abzuhalten, erläutert Pressesprecherin Dr. Nassim Eslami auf Nachfrage. Wie berichtet, sieht der Bebauungsplan (B-Plan) vor, dass in dem besagten Gebiet Vergnügungsstätten nicht gestattet sind. Somit sei es laut Eslami auch rechtswidrig, in der Halle Vergnügungsveranstaltungen wie Hochzeiten abzuhalten. „Die Kläger wollten dies für die Zukunft geklärt wissen“, sagt sie. Die Klage sei im Juli 2019 eingegangen. vik

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