Etwas anderes als Geschichtsunterricht

Wildnispädagogin Bianka Hrabowski gestaltet Projekttag für Kinder

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Bianka Hrabowski und ihre Tochter Charlotte fertigten gestern, ebenso wie sieben weitere Kinder, einen Löffel aus Holz.

Br.-Vilsen - Von Vivian Krause. Mit ihrer Mutter ging sie einst im Wald Pilze sammeln. Bei den Freunden ihrer Kinder ist die dreifache Mutter als „Kräuterhexe“ bekannt. Die Wildnispädagogin Bianka Hrabowski fühlt sich der Natur verbunden – und appelliert, den Bezug zu dieser wiederherzustellen.

Bianka Hrabowski ist 2008 von Berlin nach Siedenburg gezogen und wohnt jetzt in Harbergen (Staffhorst) – aus der Großstadt an den Waldrand sozusagen. In Berlin machte sie eine Ausbildung zur Friseurin und studierte anschließend Soziale Arbeit. Im Landkreis Diepholz angekommen, arbeitete Bianka Hrabowski beim Stephansstift (Jugendhilfe). Auch beim Bruchhausen-Vilser Verein „Lebenswege begleiten“ ist sie keine Unbekannte. Seit Oktober 2017 leitet sie den Sprachkurs „Mama lernt Deutsch“. Seit März dieses Jahres ist die Sozialpädagogin und zertifizierte Wildnispädagogin fest angestellt und gemeinsam mit Ingo Rahn für die Schülerhilfe verantwortlich.

Zuletzt war die 38-Jährige drei Jahre in Elternzeit. Und ebendiese Zeit nutzte sie, wie sie sagt, als Sabbatjahre. Bianka Hrabowski machte an der Wildnisschule in Wildeshausen eine einjährige Ausbildung zur Wildnispädagogin. Was diese Pädagogik unter anderem beinhaltet, erfuhren gestern acht Kinder bei einer „Zeitreise“ auf dem Vereinsgelände von „Lebenswege begleiten“. Die Mädchen und Jungen entzündeten selbst ein Feuer – ohne Feuerzeug versteht sicht – und fertigten Löffel aus Holz. Dafür brannten sie mit Glut zunächst Kuhlen in die Hölzer, und bearbeiteten diese anschließend mit einem Schnitzmesser. „Zum Abschluss gibt es Stockbrot und Würstchen“, sagte Bianka Hrabowski während einer Pause. Es handelte sich um das erste Projekt, zukünftig sollen weitere Veranstaltungen folgen – für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene.

„Ich bin ein Allroundtalent“

„Ich bin ein Allroundtalent“, sagt Bianka Hrabowski über sich selbst. Sie könne alles ein bisschen. Zudem sprudelt sie vor Ideen. Neben Projekten zum Thema Wildnispädagogik möchte sie auch andere Aktivitäten anbieten: Vom Jonglieren übers Malen bis zu einem Beautytag für Mädchen und Frauen sei alles denkbar. Da spielt der 38-Jährigen ihre erste Ausbildung in die Karten.

„Das ist schon ansteckend“, sagt Bianka Hrabowski mit Blick auf die Verbundenheit zur Natur. Auch ihre zehnjährige Tochter Charlotte hat sich bereits infizieren lassen und half beim gestrigen Projekttag als Betreuerin mit. Sohn Emil (13 Jahre) zeige kein großes Interesse, Tochter Johanna (drei Jahre) sei noch etwas jung.

Schon nach kurzer Zeit bemerkte Bianka Hrabowski gestern, dass die Kinder sich ganz dem Handwerk widmeten, obwohl sie vorher noch Fußball spielen wollten. „Sie werden Detektive“, sagte sie. Etwas über das Fragen und das Erforschen herauszubekommen, schärfe die Sinne und sei etwas ganz anderes, als Geschichtsunterricht in der Schule.

Hintergrund: Wildnispädagogik

Den Bezug zur Natur wiederherstellen – das ist das Ziel der Wildnispädagogin Bianka Hrabowski. Der Ansatz der Wildnispädagogik gehe zurück auf den Amerikaner Jon Young, einem der Urväter der Wildnispädagogik. Dieser habe Naturvölker in der ganzen Welt besucht und beobachtet.

Zu den Elementen der Pädagogik zählen unter anderem Feuer machen, Musik machen, Spuren lesen und Handwerkliches, zählt Hrabowski auf. Während der Ausbildung erfährt der Teilnehmer auf eine ganzheitliche Art und Weise die Natur, so wie die Vorfahren mit ihr gelebt haben.

An der Wildnisschule in Wildeshausen umfasse die Ausbildung unter anderem Fährten der heimischen Tiere, essbare Wildpflanzen sammeln und zubereiten, Brot backen im Feuer sowie Wildnis- und Überlebenstechniken (Quelle: www.wildnisschule.de). Auch gebe es Übungen für zu Hause. Hrabowski berichtet von einer selbstgebauten Laubhütte, in der sie übernachtete. 

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