Auf den Spuren eines Verbrechernetzwerks

Kriminalfall in Bruchhausen-Vilsen: „Naturtalent“ will mit „Escape Room“ an die Schulen gehen

„KTU-Mitarbeiterin“ Julia Grimpe-Nagel hat bereits die ersten Hinweise gesichert. Jetzt liegt es an den Sonderermittlern, das Rätsel zu lösen.
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„KTU-Mitarbeiterin“ Julia Grimpe-Nagel hat bereits die ersten Hinweise gesichert. Jetzt liegt es an den Sonderermittlern, das Rätsel zu lösen.

Br.-Vilsen – In Bruchhausen-Vilsen gilt es aktuell einen Kriminalfall zu lösen. Der Verein „Naturtalent“ möchte mit einem „Escape Room“ Schülern Umwelt- und Klimathemen näherbringen.

In Bruchhausen-Vilsen gilt es aktuell einen äußert verzwickten Kriminalfall zu lösen. Ein Elektroschrotthändler aus Ghana soll containerweise Kabel, Smartphones und Kühlschränke verschifft und damit illegal gehandelt haben. Nun klagt ihn ein Gericht für die Entsorgung des giftigen Mülls an. Doch ist der Mann wirklich der alleinige Drahtzieher oder nur ein kleiner Fisch im großen Teich?

Die internationale Polizei geht jedenfalls davon aus, dass sich hinter all dem ein ganzes Netzwerk von Verbrechern verbirgt und die wahren Täter noch auf freiem Fuß sind.

„Naturtalent“ will mobilen „Escape Room“ in Schulen aufbauen - Ermittler müssen Rätsel lösen

Diesem fiktiven Umweltkriminalfall sollen in Zukunft unter anderem Schüler ab der achten Klasse aus der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen und dem Landkreis auf den Grund gehen. Hinweise, die zur Lösung des Rätsels führen, muss das selbst ernannte Sonderermittlungsteam innerhalb von 60 Minuten in einem Büro sicherstellen. Aktuell befindet sich dieses allerdings noch auf dem Dachboden von Julia Grimpe-Nagel. Gemeinsam mit ihrer Vereinskollegin Julia Wältring von „Naturtalent“ präsentiert sie den sogenannten „Escape Room“ derzeit Freunden und Bekannten, um das Konzept zu erproben. Schulen können das Angebot jedoch bereits ab sofort buchen. Alle Utensilien und Hinweise können in Boxen untergebracht und das Büro vor Ort beispielsweise in der Aula aufgebaut werden.

„Handgeschick, ein gezieltes Auge sowie die Fähigkeit, um die Ecke zu denken, sind erforderlich, um den Angeklagten vor einer ungerechten Strafe zu bewahren. Und Eile ist gefragt, denn in 60 Minuten steht die Verurteilung an“, verrät Julia Wältring bevor sie die Tür zum Büro öffnet. Eine Mitarbeiterin der Kriminaltechnischen Untersuchung (KTU), gespielt von Julia Grimpe-Nagel, ist schon vor Ort. In voller Montur mit Schutzanzug und Handschuhen hat sie ihre Arbeit bereits getan und die ersten Spuren gesichert. „Das Telefon hat geklingelt. Ich habe die Aufnahme für Sie aufbewahrt“, sagt sie und zeigt auf die CD sowie das Abspielgerät. Eine Journalistin ist am Apparat.

Auch sie bekräftigt, dass der Falsche verurteilt werden könnte, falls das Sonderermittlungsteam keine Hinweise findet, die dagegen sprechen würden. Allerdings gibt sie keinen Hinweis darauf, was nun zu tun ist. Also gilt es, sich erst einmal im Raum umzuschauen: Eine Weltkarte liegt auf dem Boden, auf einem Schreibtisch ist eine Zeichnung zu erkennen, ein Tresor steht im Regal, und in einer Ecke sind vier Uhren auf einem Sideboard positioniert. Zudem sticht ein großer Aktenkoffer ins Auge, der jedoch mit einem Zahlenschloss gesichert ist. Um diesen zu öffnen, wird ein Code benötigt. Aber wo könnte der zu finden sein? Das Ermittlerteam, welches aus 15 Personen bestehen sollte, muss sich auf die Suche machen. Laut dem Verein kann der „Escape Room“ maximal von 30 Teilnehmern bespielt werden, dann jedoch parallel in zwei getrennten Räumen.

„Escape Room“ bietet spannende Rätsel: Schüler haben 60 Minuten Zeit, um Verbrecher zu finden

Ist der Koffer geöffnet, brauchen die Ermittler Geografie-Wissen. Denn auf der Weltkarte müssen verschiedene Punkte gefunden werden. Verbindet man die Punkte, formen die Linien ein mysteriöses Zeichen, welches anschließend im Raum zu suchen ist. So gelangen die Ermittler zu einem Schlüssel. Aber wo könnte der hineinpassen? Ein Glück gibt es noch die KTU-Mitarbeiterin, die hin und wieder einen kleinen Tipp parat hat.

Auch der Tresor im Regal weckt den Anschein, als wäre er von großer Wichtigkeit. Doch der muss erst einmal geöffnet werden – und die dafür benötigte Zahlenkombination fehlt zunächst.

Neben all den Zeichen, Zahlen, Bildern und Gegenständen machen auch die vier Uhren auf dem Sideboard neugierig. In ihrer Mitte klebt jeweils ein Zettelchen mit einem Ort, und vor ihnen liegen Stifte. Was genau die Sonderermittler damit machen müssen und welchen Zweck die Zeitanzeiger zur Lösung des Kriminalfalls beitragen, muss jede Gruppe selbst für sich herausfinden. Ob sie gemeinsam Rätsel für Rätsel durcharbeiten oder in kleineren Teams parallel stöbern, ist egal. Wichtig ist nur: Die Uhr tickt, die Verurteilung steht kurz bevor.

„Naturtalent“ will Schüler sensibilisieren - Verein geht Kooperation mit AWG ein

Sobald der Kriminalfall gelöst ist, geht es an die Reflexion. „Wir haben insgesamt drei Stunden für das Projekt eingeplant: 60 Minuten für das Spiel, eine kurze Pause und eineinhalb Stunden, in denen wir mit den Schülern über die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit sprechen möchten. Beispielsweise gehen wir Fragen nach, wie ,Wo landet überhaupt der Müll, den wir in die Tonne schmeißen?‘ oder ,Wie wird am besten recycelt?‘“, erzählt Julia Wältring. Darüber hinaus werde auch ein Schwerpunkt auf das Thema Handy gelegt, denn vielen Nutzern sei nicht bewusst, woher dessen Rohstoffe kämen oder welche Umweltschäden damit einhergingen. „Wir wollen die Jugendlichen für diese Themen sensibilisieren“, erklärt Julia Wältring weiter.

Passend zum Thema ist auch die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) als Kooperationspartner in das Projekt eingestiegen. „Natürlich fallen für den ,Escape Room‘ auch Kosten an, die anteilig von Schulen, Schülern und der AWG als Sponsor getragen werden sollen. Einige Schüler können sich einen solchen Beitrag jedoch nicht leisten, diese erhalten dann Hilfe von der AWG“, erklären Julia Wältring und Julia Grimpe-Nagel. Darüber hinaus haben sie eine sogenannte Crowdfunding-Aktion gestartet, die bedürftigen Schülern die Teilnahme finanzieren soll. Wer ebenfalls helfen möchte, kann das Projekt unter www.awg-bewegt.de unterstützen.

Aber wie kam der Verein überhaupt auf die Idee einen „Escape Room“ anzubieten? „Wir haben uns mit dem Ziel gegründet, den Menschen in der Region die Themen Nachhaltigkeit und Umwelt näherzubringen. Und gerade dieser Kriminalfall eignet sich gut für Jugendliche, mit Spiel und Spaß an die Sache heranzugehen“, erzählen die beiden.

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