Corona am Gymnasium

„Es wundert nicht, dass die Zahlen steigen“

Leeres Klassenzimmer
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Zu Hause statt in der Schule: Aufgrund mehrerer positiver Corona-Fälle im März am Gymnasium Bruchhausen-Vilsen musste der 13. Jahrgang kurzzeitig daheim bleiben, bis das Gesundheitsamt die jeweiligen Kontaktpersonen ermittelt hatte.

Bruchhausen-Vilsen – Es hätte auch eine ganz normale Grippe sein können, die Symptome sahen jedenfalls danach aus. Doch in der aktuellen Zeit gilt es, besonders aufmerksam zu sein. Genau das dachte sich auch eine Mutter aus Bruchhausen-Vilsen, als ihr Sohn an einem Freitag im März nach Hause kam und sich nicht gut fühlte. Kurzerhand machte der Gymnasiast aus Bruchhausen-Vilsen daheim einen Corona-Selbsttest.

Sicher ist sicher. Doch das Ergebnis war nicht deutlich abzulesen. Was dann folgte, war ein Prozess, der ohne ein großes Maß an Eigenverantwortung wohl auch ganz anders hätte ausgehen können. „Da wundert es mich nicht, dass die Zahlen wieder steigen“, fasst die Mutter des angehenden Abiturienten ihr Erlebnis zusammen.

Um nach dem unklaren Testergebnis wirklich Sicherheit zu haben, griff die Süstedterin kurzerhand zum Telefon und wählte die Nummer der zentralen Corona-Hotline der Niedersächsischen Landesregierung. „Da konnte mir jedoch keiner so recht helfen. Sie schlugen vor, einen PCR-Test machen zu lassen. Allerdings sei dies am Wochenende im Landkreis Diepholz nicht möglich, doch am Bremer Flughafen gebe es eine offizielle Teststelle oder aber wir sollten bis Montag warten und dann zum Hausarzt gehen“, gibt sie das Gespräch mit den Hotline-Mitarbeitern wieder.

Von den Testmöglichkeiten am Bremer Flughafen wisse sie jedoch nichts, gibt Mareike Rein aus dem Büro des Landrats auf Nachfrage zu. Falls sich keine akute Symptomatik zeige, sollten sich Betroffene eigenständig zu Hause isolieren und anschließend am nächsten Werktag nach einer telefonischen Terminvereinbarung eine der offiziellen Teststellen aufsuchen, wie eine Apotheke oder den Hausarzt, rät sie. Im Notfall könnte auch der Notdienst alarmiert werden, der ebenfalls teste, oder ein Klinikum aufgesucht werden.

Bis zum nächsten Werktag wollten der Gymnasiast und seine Mutter aber nicht warten. „Es ging ja nicht nur um uns, sondern auch darum, dass nach dem Wochenende alle Schüler der Klasse wieder zur Schule gehen würden“, erklärt die Süstedterin weiter. Nach der Kontrolle durch einen PCR-Test in Bremen war klar: Der angehende Abiturient ist mit dem Virus infiziert. Und nicht nur er. Mittlerweile hatten auch sechs seiner Mitschüler ein positives Ergebnis vorliegen. Den Befund habe die Mutter dann sofort dem zuständigen Gesundheitsamt melden wollen, doch dort sei niemand erreichbar gewesen, sodass sie eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterließ. „Grundsätzlich melden die offiziellen Teststellen die Befunde an das Gesundheitsamt, nicht aber die Betroffenen“, sagt Mareike Rein zu dem Handeln der Süstedterin und weiter: „Und wenn dann ein positives Ergebnis vorliegt, sind die Betroffenen verpflichtet, sich zunächst selbstständig in Quarantäne zu begeben.“

Anschließend habe der Gymnasiast, wie auch seine Mitschüler, sofort die Lehrerschaft in Bruchhausen-Vilsen informiert. Diese wiederum gaben die Informationen an die Leitung weiter. „Die Schüler haben vorbildlich gehandelt. Jeder muss ein Stückchen Verantwortung übernehmen, und genau das haben sie gemacht“, lobt Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen. Nach ihren Angaben sei das Gesundheitsamt grundsätzlich am Wochenende nicht zu erreichen, weswegen die Schule kurzerhand selbstständig entschieden habe, dass der gesamte 13. Jahrgang erst einmal zu Hause bleiben müsse, bis die zuständige Behörde weitere Instruktionen vorgebe. Das sei nichts Außergewöhnliches, sondern ein ganz normaler Vorgang.

„Am Montagmorgen hat sich das Gesundheitsamt jedoch immer noch nicht bei uns zurückgemeldet. Ich habe dort dann noch einmal angerufen. Die sagten uns, dass mein Sohn zu Hause bleiben solle. Erst nach einem Hinweis von mir, meinten sie, dass auch die gesamte Familie daheim bleiben müsste“, erklärt die Mutter des Gymnasiasten.

Ihrer Meinung nach werde bei dem Ganzen zu stark auf die Selbstverantwortung der Betroffenen gesetzt, ihr würden klare und vor allem zügige Verfahrensanweisungen fehlen. „Hätten sich die Schüler nicht alle gegenseitig sowie die Lehrer informiert, hätte es dramatische Konsequenzen haben können. Einige mögen ja so handeln, andere wiederum vielleicht nicht. Und das wäre ein Problem.“

Am Montag hatte dann auch das Gymnasium dem Gesundheitsamt die Fälle melden können, so die Schulleiterin. „Die Behörde meldet sich dann bei den Kindern, fragt nach den Kontaktpersonen und entschließt, wer in Quarantäne muss. Danach informiert sie uns, über das weitere Vorgehen“, erläutert Lisa Peitzmeier-Stoffregen den Vorgang. Anschließend würde das Gesundheitsamt noch einmal schriftlich an die Betroffenen herantreten. „Der besagte Brief mit der angeordneten Quarantäne ist jedoch erst am Mittwoch angekommen“, sagt die Mutter aus Süstedt. Ihrer Meinung nach zu spät. „Alle waren zwar unglaublich nett, aber irgendwie verlief alles unheimlich schleppend.“ Insgesamt zehn Tage musste ihr Sohn anschließend in der Quarantäne verbleiben, der Rest der Familie sogar zwei Wochen. „Ist die Quarantäne vorbei, kann man sich erneut testen, um feststellen zu lassen, ob man noch infiziert ist oder nicht. Aber auch das ist freiwillig“, erläutert sie.

Um das Virus noch besser einzudämmen und weitere Ansteckungen zu vermeiden, wünscht sich die Süstedterin zum einen eine Meldestelle, die stets erreichbar ist und die anschließend schnell alle weiteren Schritte in Gang setzt. Zum anderen seien von der zuständigen Behörde klare und vor allem schnellere Instruktionen nötig. „Wir leben ja nicht erst seit zwei Wochen mit der Pandemie, da sollte doch alles bereits zügig funktionieren.“

Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen hingegen meint, dass das Gesundheitsamt bereits sehr schnell gehandelt habe: „Die Mitarbeiter müssen sich ja auch erst einmal mit allen auseinandersetzen und die Kontakte ermitteln. Das kann in einigen Fällen auch noch länger dauern.“

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