Kommunalwahl 2021

SPD beendet erstmals die CDU-Herrschaft in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen

Balkengrafik
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Zusammensetzung im neuen Samtgemeinderat.

Samtgemeinde – Die Wähler haben am Sonntag dafür gesorgt, dass sich die Kräfteverhältnisse im Samtgemeinderat verschieben. Und das tüchtig. Erstmals liegt die SPD deutlich vor der CDU, Grüne und FDP gewinnen Sitze hinzu, die Unabhängigen Wähler (UWG) verlieren an Zuspruch. Erstmals im Rat der Samtgemeinde: Die Partei, mit einem Sitz für Politikneuling Peter Hühne.

Die Balkengrafik der Stimm- und Sitzverteilung ähnelt der der Sonntagsfrage vor den anstehenden Bundestagswahlen: SPD vor CDU, annähernd gleichauf die Grünen. Dabei geht es bei Kommunalwahlen weniger um die Partei als um die Person, heißt es und sind sich auch die Fraktionssprecher in der Samtgemeinde einig.

„Vielleicht haben wir aber vom Gegenwind aus Berlin etwas abbekommen“, mutmaßt Heinrich Klimisch für die CDU. Der bisherige Fraktionsvorsitzende hat persönlich deutlich weniger Stimmen (457) erhalten als vor fünf Jahren (658) und musste Torben Garbers (843) mit Sieben-Meilen-Stiefeln an sich vorbeiziehen lassen. „Wir verstehen uns aber nicht als Konkurrenten“, meint Klimisch. Wen die neue Fraktion zu ihrem Sprecher kürt, sei völlig offen.

Zwei Sitze hat die CDU eingebüßt. „Die sind wohl an die FDP gegangen“, deutet Klimisch das vorläufige Endergebnis. Darüber sei er enttäuscht. Dass sich der Wähler für nur einen der zahlreichen neuen Kandidaten entschieden habe, und dass nur eine CDU-Frau im neuen Rat vertreten sein wird, bedauere er sehr. „Es wird oft beklagt, dass wir zu wenige Frauen und Junge haben, jetzt haben wir das Angebot gemacht, aber die Wähler haben nahezu ausnahmslos auf die bewährten Köpfe gesetzt“, analysiert er.

Einen Sitz und eine klare Mehrheit gewonnen haben die Sozialdemokraten. Der Höhenflug von Fleckenbürgermeister Lars Bierfischer, dem einzigen mit einem vierstelligen Ergebnis (1 725 Stimmen), wirkte sich auch auf die Samtgemeinde aus. Die zweitmeisten Stimmen erhielt Michael Albers (SPD), mit 873 aber gerade einmal halb so viele. Das beste Ergebnis für die CDU fuhr Torben Garbers mit 843 Stimmen ein.

„Ich werde eine der beiden Spitzenfunktionen beanspruchen“, sagte Lars Bierfischer gestern, ließ vor der Beratung in der Partei aber offen, ob er Fraktions- oder Ratsvorsitzender werden möchte.

„Wir haben auf ein gutes Team gesetzt“, sagt er zum Abschneiden der Sozialdemokraten. „Mit einem so hervorragenden Ergebnis haben wir aber nicht gerechnet“, räumt er ein.

Den Aufschwung schreibt Bierfischer auch dem langjährigen Fraktionsvorsitzenden Reinhard Thöle zu, der aus persönlichen Gründen nicht erneut kandidierte. „Wir werden seine ruhige und besonnene Art fortsetzen, eine Politik für die Samtgemeinde zu machen“, so Bierfischer.

Bisher trennten CDU und Grüne vier Sitze, im neuen Samtgemeinderat wird es nur noch einer sein. „Mit jetzt sieben und damit einem zusätzlichen Sitz sind wir sehr zufrieden“, sagte Fraktionssprecher Ulf Schmidt gestern. Dass alle bisherigen Abgeordneten wiedergewählt wurden, sehe er als „Anerkennung unserer Arbeit“. „Wir sind hier keine fundamentale Opposition, sondern schließen Kompromisse, die in die richtige Richtung gehen. Das wird vom Bürger akzeptiert“, bewertete er das Ergebnis. Dass jetzt drei Männer und vier Frauen im Samtgemeinderat sitzen werden, erfülle die eigenen Ansprüche obendrein, so Schmidt. Die Grünen sind so stark aus der Kommunalwahl hervorgegangen, dass sie erstmals auch in allen vier Gemeinderäten vertreten sind.

Dieses selbst gesteckte Ziel hat auch die UWG erreicht, die erstmals in den Fleckenrat einzieht. Im Samtgemeinderat verliert die Partei, die sich ausdrücklich für den Erhalt und die Stärkung der Mitgliedsgemeinden einsetzt, allerdings einen Sitz. Sprecher Torsten Tobeck mit persönlich deutlich verbessertem Ergebnis von 351 auf jetzt 546 Stimmen, macht den Abgang namhafter Vertreter für den Sitzverlust verantwortlich. Mit dem Nicht-Antreten von Heinrich Lackmann, Lothar Dreyer und Heinfried Kabbert sei der UWG „ein immenser Stimmenanteil weggebrochen“, den die verbleibenden Kräfte nicht wettmachen konnten. Tobeck bedauere, dass Hermann Schröder mit 418 jetzt deutlich weniger Stimmen erhielt als 2016 (678), freue sich aber auf die Zusammenarbeit mit zwei neuen Kollegen, weil „die UWG jetzt jede Gemeinde im Samtgemeinderat vertritt“.

Mit 2,3 Prozent der Stimmen reichte es für Peter Hühne, mit der Satire-Partei „Die Partei“ in den Samtgemeinderat einzuziehen.

Die Wahlbeteiligung für den Samtgemeinderat lag mit 59,44 Prozent der Wahlberechtigten erfreulich höher als vor fünf Jahren, seinerzeit waren 55,3 Prozent der Berechtigten zur Urne gegangen.

Die Parteien haben gestern bereits begonnen, Gespräche miteinander zu führen und Termine für Treffen abzustimmen. Insbesondere bei Alexander Grafe von der FDP stand das Telefon nicht still, wie der Newcomer in der Kommunalpolitik berichtete.

Die Freien Demokraten konnten ihre beiden Kandidaten im Samtgemeinderat platzieren und haben damit Fraktionsstatus. Mit wem sie zusammenarbeiten, würden die Gespräche zeigen. Er sei offen für Konstellationen, so Alexander Grafe, wolle Parteipolitik aber hinten anstellen, um die Samtgemeinde in Sachthemen aktiv mitzugestalten, sagte er im Gespräch.

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