Erzieher streiken vom 8. bis zum 21. Mai / Notdienste sind eingerichtet

„Wir wollen mehr Anerkennung für den Beruf“

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Erzieherin Anja Marcks und ihre Kolleginnen Kirsten Stengler, Kristin Kurowski und Britta Meyer (von links) kämpfen für die Wertschätzung ihres Berufs.

Br.-Vilsen - „Es wird immer mehr von uns erwartet, aber unser Beruf wird nicht aufgewertet“, sagt Anja Marcks, Leiterin des Kindergartens Löwenzahn in Bruchhausen-Vilsen. Deswegen tritt das Löwenzahn-Team zusammen mit den Erzieherinnen von der Kinderkrippe Zwergenburg und vom Waldkindergarten Bruchhausen-Vilsen vom 8. bis zum 21. Mai in den Streik. Die Gewerkschaft Verdi hat nach gescheiterten Tarifverhandlungen für Erzieher und Sozialarbeiter bundesweit zu diesem Streik aufgerufen.

Den Protestlern geht es nicht um ein paar Prozentpunkte mehr Gehalt, sie möchten etwas Grundsätzliches bewirken. „Wir wollen die Eingruppierungsstufen verändern und so mehr Anerkennung für unseren Beruf bekommen“, sagt Britta Meyer, die seit neun Jahren in Bruchhausen-Vilsen arbeitet, in einem Pressegespräch. Nach vier Jahren Ausbildung ohne Vergütung starten Erzieher mit einem Brutto-Monatsgehalt von 2400 Euro in ihr Berufsleben. Wenn sie denn eine Vollzeitstelle mit einer Wochenarbeitszeit von 39 Stunden haben. „Das hat aber kaum einer“, sagt Kirsten Stengler, die stellvertretende Löwenzahn-Leiterin.

Wer sich weiter qualifiziere und fortbilde, bekomme zwar die Kosten dafür erstattet, nicht aber die Arbeitszeit gut geschrieben. Und eine Steigerung des Gehalts lasse sich daraus, anders als es oft in der Wirtschaft der Fall sei, auch nicht ableiten, sagt Sabine Hofmann, Leiterin des Waldkindergartens Bruchhausen-Vilsen. Für sie ist noch ein weiterer Aspekt wichtig: „Heute wollen Frauen nicht mehr in Abhängigkeit von ihren Männern leben.“ Das Gehalt von Erzieherinnen müsse zum Leben ausreichen. „Viele Kollegen haben auch Nebenjobs“, wissen Britta Meyer und Kristin Kurowski nur zu gut. Das findet Anja Marcks bedenklich: „In seiner Freizeit muss man Kraft schöpfen können.“

Zudem habe sich das Berufsbild in den vergangenen Jahren stark verändert, die Anforderungen an die Erzieher seien gestiegen: „Wir haben den Sprachen- und Mathematikbereich aufgewertet, es findet viel mehr frühkindliche Bildung statt. Außerdem legen wir den Grundstein für die Bildung der Kinder“, nennt Anja Marcks einige Beispiele. Die Betreuung der Kinder sei sehr viel intensiver geworden, hinzu kämen die speziellen Anforderungen von Flüchtlingskindern und Kindern mit Migrationshintergrund.

„Was wir machen, ist kein Streik gegen die Eltern und die Samtgemeinde“, unterstreichen die Erzieherinnen unisono. Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann und die zuständige Fachbereichsleiterin Cattrin Siemers hätten Verständnis gezeigt. „Die stehen hinter uns“, sagt Anja Marcks.

Der Protest der Erzieher richte sich vielmehr gegen den Arbeitgeberverband, der in den Tarifverhandlungen noch immer kein Angebot vorgelegt habe. „Wir streiken nicht nur für uns selbst. Wir wollen auch zukünftig flächendeckend engagierte Erzieher, die motiviert sind“, macht Anja Marcks deutlich.

Sabine Hofmann sieht schon leichte Anzeichen für eine Trendwende. So bezahle die Stadt Hannover ihre Erzieher mittlerweile besser: „Es gibt dort einen massiven Mangel an Arbeitskräften.“ Für Hofmann spiegelt die Situation auch einen wenig wertschätzenden Umgang der Kommunen mit ihren Kunden – den Eltern – wider. „Da muss sich politisch etwas tun“, findet Sabine Hofmann. Für sie ist es elementar wichtig, dass sich etwas verändert.

Für rund 50 Kinder im Kindergarten Löwenzahn und 15 in der Krippe Zwergenburg wird in den Streikwochen ein Notdienst angeboten, der von den Eltern stark unterstützt wird. Auch im Waldkindergarten gibt es einen Notdienst. Die Kindergärten in Martfeld, Schwarme, Scholen und Uenzen zögen bei der Streikaktion ebenfalls mit, zum Teil jedoch nur an einzelnen Tagen, sagt Marcks.

ine

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