Chinesische Manager und Motorjournalisten besuchen Bruchhausen-Vilsen

Erster Blick auf neue Borgwards

Der neue Borgward BX 7. Ab Herbst 2017 soll der moderne SUV auch in Deutschland zu haben sein. - Foto: Ulf Kaack

Bruchhausen-Vilsen - Dieser Anblick ließ echten Autofreaks gestern das Benzin in den Adern gefrieren: Sechs nagelneue Borgward-SUV vom Typ BX 7 fuhren durch Bruchhausen-Vilsen, um sich anschließend vor der Markenwerkstatt „Borgward am Bahnhof“ von Volker Wischnewski eindrucksvoll zu positionieren.

Doch zunächst zur Geschichte: Im Februar 1961 musste der Bremer Automobilpionier Carl F.W. Borgward seinen aus den Marken Lloyd, Goliath und Borgward bestehenden Konzern an das Land Bremen übereignen. Das Konkursverfahren folgte. Eine Katastrophe in der Hansestadt, 20 000 Menschen verloren ihren Job.

Auf Initiative von Christian Borgward, einem Enkel des Firmengründers, wurde ab 2005 mit Partnern an einem Neustart der Marke Borgward gearbeitet. 2015 wurde die Vision endlich Realität: Die Borgward Group AG mit Kapital aus und Produktionsstätten in China präsentierte ein erstes Fahrzeug, vor wenigen Tagen wurde die Vertriebsgesellschaft Borgward China Co. Ltd aus der Taufe gehoben.

Eine Delegation chinesischer Manager und Motorjournalisten war am Wochenende in Bremen zu Gast, um sich mit den Wurzeln der Traditionsmarke vertraut zu machen. Nach einem Besuch der ehemaligen Werksgebäude und der Borgward-Villa in Bremen machten die knapp drei Dutzend Asiaten Station bei Volker Wischnewski in Bruchhausen-Vilsen, der Europas einzige Borgward-Werkstatt betreibt und sich wie kaum ein Zweiter mit den hanseatischen Oldtimern auskennt.

Mit großem Interesse verschafften sich die Gäste aus Fernost einen Eindruck der einstmals innovativen Technik. Sie nahmen Isabellas, Arabellas, Leukoplastbomber und verschiedene Lkw-Typen unter die Lupe. Zahlreiche Borgward-Fans, die trotz höchster Geheimhaltungsstufe aus ganz Norddeutschland angereist waren, untersuchten im Gegenzug die vorgefahrenen, noch nicht zu kaufenden Neuwagen vom Typ BX 7 kritisch und mit Kennerblick.

Neue und alte Borgward treffen sich

„Mit den alten Borgwards aus Bremen haben die neuen Modelle aus China natürlich bis auf den markanten Rhombus am Kühler kaum noch etwas zu tun“, lautete Volker Wischnewskis Expertenmeinung. „Aber das ist vollkommen natürlich, liegen doch 55 Jahre und mehr zwischen den modernen und den damaligen Fahrzeugen. Und wenn die wiederbelebte Marke auch bei uns in der Oldtimerszene für neue Impulse sorgt, haben alle was davon.“

Und wie geht es nun weiter mit Borgward? Noch in diesem Jahr sollen die zwischenzeitlich produktionsreifen SUV-Typen BX 5, BX 7 und kurz darauf BX 6 TS zunächst auf den asiatischen Markt kommen. Für Ende 2017 haben sich die Autobauer schrittweise die Eroberung der europäischen Absatzmärkte vorgenommen.

„In Deutschland wird es unsere Autos ausschließlich mit umweltfreundlichem Plug-in-Hybrid oder Elektroantrieb geben“, erklärte Konzernchef Ulrich Walker, dessen berufliche Wurzeln bei Daimler liegen. „Wir müssen als Novizen auch etwas Neues bieten. Der Name Borgward ist eine Verpflichtung, steht für Innovationen, Kreativität und bezahlbare Premiumqualität.“

Geplant haben die Macher neben dem Gang an die Frankfurter Börse und dem Aufbau eines Service- und Händlernetzes auch eine Produktion in Deutschland, zumindest für die Montage von in China gefertigten Teilen. Zurzeit suche man einen geeigneten Standort, sagte Walker. In der Stuttgarter Zentrale arbeiten bereits 50 Personen.

„Schicke moderne Autos sind das schon, das könnte was werden mit den neuen Borgwards“, meinte gestern Gerhard Puls, der extra aus dem schleswig-holsteinischen Hohn nach Bruchhausen-Vilsen gereist war. „Doch so ein schmuckes und schlankes Isabella Coupé, elfenbeinfarben mit rotem Interieur und viel Chrom, hat doch einen ganz anderen Charme.“

Weitere Fotos unter

www.kreiszeitung.de

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