Die Großen verlieren, die Kleinen nicht

CDU verliert Stimmen in Bruchhausen-Vilsen

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Axel Knoerig (Mitte) auf seiner Wahlparty.

Bruchhausen-Vilsen - Von Mareike Hahn. Die CDU hat auch in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen prozentual an Zustimmung verloren, allerdings nicht so stark wie auf Bundesebene: 4.406 Bürger (43,37 Prozent) wählten Direktkandidat Axel Knoerig, 3.829 (37,58 %) gaben den Christdemokraten ihre Zweitstimme. Vor vier Jahren waren es 4.383 Erststimmen (46,02 %) und 4.051 Zweitstimmen (42,48 %).

Die SPD gehört ebenfalls zu den Verlierern: Sie zählte Sonntag in der Samtgemeinde 2.759 Erststimmen (27,16 %) und 2.471 Zweitstimmen (24,25 %). Bei der Bundestagswahl 2013 hatten die Sozialdemokraten 3. 081 Erststimmen (32,35 %) und 2.850 Zweitstimmen (29,89 %) geholt. Passend zum Bundestrend gewann die FDP: Sie brachte es auf 882 Zweitstimmen (8,66 %) – 477 mehr als 2013, als die Liberalen 4,25 Prozent erreichten. Zu den Gewinnern hierzulande gehört auch die Linke: Die Auszählung ergab 731 Zweitstimmen (7,18 %). Das Ergebnis 2013: 466 Zweitstimmen (4,89 %). 

Die AfD legte ebenfalls zu – von 347 auf 773 Zweitstimmen beziehungsweise von 3,64 auf 7,59 Prozent. 1.102 Einwohner der Samtgemeinde gaben den Grünen ihre Zweitstimme. Macht 10,82 Prozent. Vor vier Jahren waren es 1.057 Zweitstimmen (11,08 %). Gespannt verfolgten die heimischen Politiker die ersten Hochrechnungen der Bundestagswahl. Alles andere als zufrieden zeigte sich Sonntag Abend Heinrich Klimisch, Fraktionsvorsitzender der CDU im Samtgemeinderat, mit dem Ergebnis seiner Partei: „Da hilft kein Schönreden.“ Die CDU habe angesichts der „erheblichen Verluste“ definitiv „keinen Grund zum Jubeln“.

Klimisch bezeichnet gutes Abschneiden der AfD als tragisch

Nach Klimischs Einschätzung hat das schlechte Abschneiden auch mit der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel zu tun: „Ich bin sicher, es war ein Fehler, Flüchtlinge unkontrolliert reinzulassen“, sagte der Bruchhausen-Vilser. Dadurch hätten sich viele Bürger zu Protestwählern entwickelt und ihr Kreuz für die AfD gemacht. Das gute Abschneiden der „Alternative für Deutschland“ bezeichnete Klimisch als „tragisch“. Ein weiterer Grund dafür sei vermutlich, dass die CDU sozialpolitische Themen vernachlässigt habe. Die Regierungsbildung werde sicher nicht einfach, meinte Klimisch. „Ich denke, Schwarz-gelb-grün könnte klappen, aber es wird ein hartes Stück Arbeit werden.“ Wenn die SPD in die Opposition gehen wolle, gebe es „aber praktisch keine Alternative“ zu „Jamaika“. Weshalb die CDU auf Samtgemeindeebene deutlich besser dastand als auf Bundesebene, vermag Klimisch nicht einzuschätzen. 

Wahlparty bei Axel Knoerig in Kirchdorf

Auf jeden Fall ist er sicher: „Ein ,Weiter so‘ kann es für die CDU nicht geben.“ Auch Lars Bierfischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, ließ Sonntag nicht die Sektkorken knallen. Er sprach von einem „Riesen-Debakel“ für die Sozialdemokraten. „Ich hatte mir etwas mehr erhofft. Nun hoffe ich, dass die SPD bei der Landtagswahl besser abschneidet.“ In der Großen Koalition stehe der „kleine Partner“ in der Regel etwas schlechter da, weil er Regierungsverantwortung trage und nicht so „trommeln“ könne wie die Opposition. Deshalb würde Bierfischer es begrüßen, wenn die SPD nun als Oppositionsführer die Chance nutzt, „zu sich selbst zu finden“ und bei der nächsten Wahl wieder anzugreifen. Froh ist der Bruchhausen-Vilser indes, dass seine Partei wenigstens in der Samtgemeinde unterm Strich besser abgeschnitten hat als im Bundesschnitt – und dass die AfD hierzulande nicht so viele Stimmen gewinnen konnte. „Aus grüner Sicht zufrieden“ mit dem Ergebnis ist der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ulf Schmidt. 

„Nicht überraschend, aber bitter“

Mit den Worten „nicht überraschend, aber bitter“ kommentierte er dagegen den AfD-Zuspruch. Dass die SPD angekündigt hat, in die Opposition zu gehen, findet Schmidt nachvollziehbar. Mit einer „Jamaika“-Koalition könne er sich anfreunden. „Vor vier Jahren hat man die Gespräche in diese Richtung zu schnell beendet“, sagte er. „Man muss akzeptieren, dass man nicht nur mit seinem Wunschpartner zusammenarbeiten kann und dass man als Zehn-Prozent-Partei nicht 100 Prozent seiner Ziele durchsetzen kann. Politik heißt auch Kompromisse.“ In der Samtgemeinde sind die Grünen klar drittstärkste Kraft geblieben: „Das ist sehr erfreulich.“ Und für Schmidt ein Zeichen, dass die Grünen vor Ort „wahrgenommen werden und eine vernünftige Politik machen“. 

„Bundeswehreinsätze wollen wir nicht“

„Ich bin zufrieden“, sagte auch Ulrike Lampa-Aufderheide. Sie ist das einzige Samtgemeinderatsmitglied der Linken und sieht ihre Partei „im Aufwärtstrend“. „Ich bin froh, dass wir Beständigkeit gezeigt und eine feste Wählerschaft haben. Das motiviert weiterzumachen. Nun müssen wir daran arbeiten, dass es noch ein bisschen mehr werden.“ Dass die AfD und die FDP so zugelegt haben, habe die Große Koalition zu verantworten: „Da sind Wähler aus Protest abgesprungen.“ Heilfroh ist Lampa-Aufderheide, dass die AfD in der Samtgemeinde schlechter als im Bundestrend abgeschnitten hat. Eine klare Haltung hat sie auch zu „Jamaika“: „Da würden wir nie mitmachen, weil wir keine Kriegspartei sind. Bundeswehreinsätze wollen wir nicht.“

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