Belal Alyahya erhält Festanstellung

Erfolgreich integriert - dank „Lebenswege begleiten“

Belal Alyahya (links) übernimmt bei der „DuBraBau GmbH“ unter anderem Spachtelarbeiten sowie den Innenausbau. Sein Chef Fatmir Braha (rechts) ist mit ihm zufrieden.
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Belal Alyahya (links) übernimmt bei der „DuBraBau GmbH“ unter anderem Spachtelarbeiten sowie den Innenausbau. Sein Chef Fatmir Braha (rechts) ist mit ihm zufrieden.

Br.-Vilsen - Flugzeuge verdunkeln den Himmeln von Idlib in Syrien. Täglich werfen sie Bomben ab. Die Stadt liegt in Schutt und Asche. Mitten in dieser Kriegssituation sollte das Baby von Belal Alyahya und seiner Frau Ghoufran Al Alousch auf die Welt kommen. Doch dazu kam es nie: Das Neugeborene starb aufgrund fehlender medizinischer Versorgung, denn ins Krankenhaus konnten die beiden nicht. Die Gefahr vor Angriffen war in Idlib zu dem Zeitpunkt zu groß, um das Haus zu verlassen. Dieses grausame, für Deutsche kaum vorstellbare Ereignis, brachte Belal Alyahya dazu, mit seiner Frau und seinen zwei Kindern Abd al Hadi und Ahmed 2012 das Land zu verlassen und zunächst in den Libanon zu fliehen.

In Syrien wie auch im Libanon arbeitete der heute 29-Jährige dann selbstständig im Gemüseverkauf, als Lastwagenfahrer sowie später als Maurer, Dachdecker und Zimmerer. Nach fünf Jahren im Libanon wurde auch dort der Druck immer größer. „Sie steckten mein Auto an und ich bekam Morddrohungen“, sagt Belal Alyahya. Daraufhin ging es für die junge Familie erst einmal zurück nach Syrien, um von dort aus die Flucht nach Europa vorzubereiten. Für seine Frau Ghoufran Al Alousch und seine beiden Kinder ging es zunächst allein zu Fuß in die Türkei. Der 29-Jährige bezahlte währenddessen den Schleuser und organisierte die Überfahrt. Von der Türkei aus ging es per Boot, Bus, Auto und zu Fuß nach Griechenland und durch weitere Balkanstaaten bis nach Deutschland. Nach 22 Tagen war die erste Station dann Twistringen. Anschließend erfolgte die Zuweisung nach Bruchhausen-Vilsen, wo die Familie auch heute noch lebt.

Dort angekommen, kümmerten sich der Verein „Lebenswege begleiten“ aus Bruchhausen-Vilsen sowie die ehrenamtliche Asylbegleiterin Erika Labbus um die Familie. „Uns wurden unter anderem sofort zwei Kinderwagen und zwei Fahrräder zur Verfügung gestellt“, erzählt Belal Alyahya.

Die deutsche Sprache zu lernen, fiel dem gebürtigen Syrer schwer. „Ich habe in der Schule damals nur Arabisch gelernt und nur wenig Englisch“, erklärt er. Doch mit der Hilfe eines Sprachkurses bestand der 29-Jährige die A1-, A2- und B2-Sprachprüfungen. Seine 23-jährige Frau bessert ihre Deutschkenntnisse von zu Hause aus auf, denn momentan fehle es insgesamt noch an Kursen, die eine Kinderbetreuung anbieten, sagt Axel Hillmann von „Lebenswege begleiten“. Ihr Deutsch sei mittlerweile schon so gut, dass sie oftmals die Dolmetscherrolle für ihren Mann übernimmt. Im nächsten Jahr nimmt sie an einem Integrationskurs teil.

Seine Kinder Abd al Hadi und Ahmed sowie seine 2018 in Deutschland geborene Tochter Aleen würden kaum Arabisch sprechen. „Das ist einer der Gründe, warum wir nicht zurück nach Syrien wollen. Den Kindern würde es dort schwerfallen“, meint Belal Alyahya und weiter: „Außerdem ist die Situation dort viel zu gefährlich. Und in Deutschland ist der Strom immer an, was in Syrien aufgrund des Kriegs nicht der Fall war.“ Kulinarisch mag es die Familie auch gerne mal Deutsch. Belal Alyahyas Lieblingsfrühstück: Käsebrötchen.

Eine weitere wichtige Person im Leben der Familie ist Gerda Sundermann-Oldenburg, die als Hauptamtliche bei „Lebenswege begleiten“ arbeitet, und die Geflüchteten von Anfang an unter ihre Fittiche nahm. Unter anderem half sie ihnen bei den Kita-Anmeldungen, den Anträgen für die Krankenkasse, den Formularen für Strom-, Gas- und Telefonanbietern sowie bei den Anträgen für das Jobcenter. „Diese Formularflut mit zahlreichen Dokumente, die wir Deutschen ja schon kaum verstehen, ist für Sprachunkundige noch viel schwerer“, sagt die gelernte Berufsberaterin. Sie war es auch, die Belal Alyahya an seinen heutigen Arbeitgeber Fatmir Braha von der „DuBraBau GmbH“ aus Stuhr, der ebenfalls als Geflüchteter nach Deutschland kam, vermittelte.

Dort übernimmt der 29-Jährige nach einer sechsmonatigen Probezeit jetzt als festangestellter Bauhelfer unter anderem Spachtelarbeiten, den Innenausbau sowie Maurer-, Fliesen- und Holzarbeiten. „Belal war motiviert, er brachte bereits Vorkenntnisse mit und auch die Kollegen kommen mit ihm gut klar“, meint Fatmir Braha. Zudem sei er selbst daran interessiert, die Integration der Geflüchteten zu unterstützen. Tagtäglich übt er mit Belal Alyahya Deutsch: „Ich komme aus dem Kosovo, meine Muttersprache ist Albanisch. Seine ist Arabisch. Unsere Verständigung funktioniert also nur in deutscher Sprache.“

Axel Hillmann und Gerda Sundermann-Oldenburg freuen sich über dieses positive Integrationsbeispiel. „Arbeitgeber wie Herr Braha, die bereit sind, Flüchtlinge einzustellen, sind für unseren Verein wahnsinnig wichtig. Wir hoffen, dass uns die Firmen zukünftig auch selbst ansprechen, denn auf diese Weise können wir dem Fachkräftemangel gemeinsam entgegenwirken“, sagt Axel Hillmann.

Belal Alyahya ist stolz, seine Familie selbstständig ernähren zu können. Sein größter Wunsch ist es, einmal ein eigenes Haus zu bauen. Auch Freundschaften haben sich in Bruchhausen-Vilsen entwickelt, die Familie hat unter anderem zu ihren Nachbarn ein sehr gutes Verhältnis. Es scheint so, als wären sie endlich angekommen, doch eine Hürde gilt es noch zu überwinden: Die Ehe von Belal Alyahya und Ghoufran Al Alousch wird in Deutschland nicht anerkannt. Belal Alyahyas Heirats- und Geburtsurkunden seien jetzt in den Libanon geschickt worden, teilt Gerda Sundermann-Oldenburg mit. „Wir hoffen, dass nach drei bis sechs Monaten die notwendigen Beglaubigungen erstellt werden“, erzählt sie.

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