Conny Heidmann befreit das Gewässer mit seinem Amphibienfahrzeug vom fauligen Geruch

Ententeich-Sanierung abgeschlossen

Ein starker Wasserstrahl spült die Wurzeln des Schilfs frei. Die angeschwemmte Schilf wird anschließend von der Wasseroberfläche abgefischt.

Heiligenberg - Von Anne-kathrin Schwarze Und Nala Harries. Rein optisch komplettiert der Ententeich an der Klostermühle das stimmungsvolle Landschaftsbild am Heiligenberg. Doch was für den Sehsinn ein Vergnügen ist, war für den Geruchssinn zuletzt eine Qual. „Der Teich war komplett übersäuert“, weiß Maik Behlmer, Leiter des Bauhofs der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Entsprechende Gase sorgten für einen fauligen Geruch. Jetzt sieht es am Heiligenberg nicht nur wieder schön aus, die Nase kann sich auch wieder an den angenehmen Gerüchen der Natur erfreuen. Nach 20 Jahren ist der Teich im Frühjahr von Grund auf saniert worden.

Dort nämlich lag das Übel. Vor allem das Lampenputzer-Gras hatte sich weit ausgebreitet, die sogenannte Entengrütze bedeckte das Gewässer vollständig. Umstände, unter denen kein Lebenwesen existieren kann. Familie Brüning als Eigentümerin der Klostermühle hatte auf eigene Initiative bereits für einen Frischwasserzulauf gesorgt, schildert Maik Behlmer, aber es war an der Kommune, für eine Komplettlösung zu sorgen. Dafür hat sie sich einen Fachmann aus Stuhr geholt.

Conny Heidmann hat ein Gerät entworfen und bauen lassen, mit dem sich offene kleinere Gewässer reinigen lassen. Das Amphibienfahrzeug ist rund 3,5 Tonnen schwer und hat einen 75 PS starken Motor verbaut. „Es kann sich an Land bewegen, aber auch mit den beiden im hinteren Bereich installierten Schnecken, die Schiffsschrauben ähneln, im Wasser fortbewegen“, erklärt er. Conny Heidmann setzt dabei auf biologisch abbaubares Öl – „Salatöl“ wie er es nennt –, denn falls bei einem Einsatz doch einmal etwas beschädigt werde und ins Wasser gelange, sei dieses weniger schädlich für die dortigen Lebewesen als normales Hydrauliköl.

Idee zum Fahrzeug aus Holland

Gesehen hat Conny Heidmann das Amphibienfahrzeug erstmals als Blechmodell auf einer Ausstellung in Holland. „Daraufhin habe ich mir gleich einen Zettel der Firma mitgenommen. Dieser lag dann allerdings ganze sieben Jahre lang in meiner Nachttischschublade“, erläutert er.

Der Grund, warum er das Stück Papier wieder hervorgeholt hatte, waren die zu der Zeit stattfindenden Bauarbeiten an den Regenrückhaltebecken in vielen Gemeinden. „Das größte Problem war deren Pflege. Die Anwohner hatten in der unmittelbaren Umgebung Büsche gepflanzt, sodass die Rückhaltebecken nur schwer zugänglich waren. Ich schlug vor, dass man doch auch über den Wasserweg an die zu säubernden Stellen gelangen könnte“, erklärt Conny Heidman seine Idee.

Daraufhin ließ er das Amphibienfahrzeug in Holland bauen und startete 2003 mit der Säuberung der Regenrückhaltebecken. Anschließend weitete er sein Angebot auf die Pflege von kleineren Teichen aus. In den vergangenen Jahren kam sein Gerät unter anderem bei der Entschlammung des Kirchwehyer Sees sowie beim Entkrauten des Naturfreibads Eystrup zum Einsatz.

Wasserstrahl spült Wurzeln frei

Mit einer Pumpe sei es möglich, Schlamm in einer Wassertiefe von bis zu drei Meter abzusaugen und ihn an den Uferrand zu befördern. Um Kraut zu entfernen, könne die Pumpe abgebaut und durch einen 2,50 Meter breiten Rechen ersetzt werden.

Beim Ententeich an der Klostermühle musste allerdings noch eine ganz andere Technik angewendet werden: „Zwar haben wir auch mit der Schlammpumpe gearbeitet, diese sollte jedoch nicht absaugen, sondern mit einem starken Wasserstrahl die Wurzeln des Schilfs freispülen. Dieses nur zu mähen, hätten keinen Sinn ergeben, da es sofort wieder nachwachsen würde“, berichtet Conny Heidmann von seinen Auftrag in Heiligenberg. Das Schilf samt Wurzeln sei daraufhin an die Wasseroberfläche geschwemmt worden und konnte abgefischt werden.

„Diese Technik bringt einen unheimlich nachhaltigen Effekt mit sich“, meint er. Die Arbeiten am Ententeich seien innerhalb eines Tages verrichtet worden. Meistens bestehe das Team dabei aus zwei Personen. Die eine steuere das Fahrzeug und die zweite befinde sich am Uferrand, um mit einem langen Rechen bereits auftreibendes Material abzufischen. Letztere sei auch für die Sicherheit zuständig. „Manchmal treiben Flaschen oder andere Gegenstände aus dem Wasser auf, die das luftbereifte Fahrwerk oder die Schnecken beschädigen könnten. Die müssen dann natürlich auch sofort entfernt werden“, erklärt Conny Heidmann.

Leben soll zurück in den Ententeich

Nach diesem Einsatz ist das Wurzelwerk aus dem Teich verschwunden. Die Lampenputzer sind nur noch dekorativ am Ufer zu finden. Von den Böschungen hat Conny Heidmann alles, was das Leben im Teich schwer macht, abgetragen. „Wir hoffen, dass sich bald wieder Tiere im Teich wohlfühlen werden und für ein natürliches Klima in diesem früheren Schlatt sorgen“, sagt Maik Behlmer. Das Wort „Schlatt“ kommt aus dem Niederdeutschen und beschreibt ein Kleingewässer von geringer Tiefe.

Bald wird die Natur die Spuren der Sanierung getilgt haben. Dann ist der Ententeich an der Mühle wieder das, was ihn schon zum Postkartenmotiv gemacht hat: ein schönes Fleckchen Erde von Bruchhausen-Vilsen.

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