Verein lädt zu Tag der offenen Tür

„Ent-spurt“ für die ersten drei Wohnungen

Die jetzigen und zukünftigen Bewohner sowie Freunde und Handwerker während einer Arbeitspause (von links): Jela Theis, Michael Theis, Christina Mau-Hansen, Jerry Bohl, Andrea Arnold, Laurin Voß, Joscha Dittrich, Sabine Voß, Hala Jadalla mit Noah, Alex Voß, Reinhild Schnieder sowie (vorne) Gottfried Voß. Es fehlen die zukünftigen Mitbewohner Merle Claasen und ihr Sohn Ben Noah.

Kampsheide - Von Vivian Krause. „Ich träume schon davon, hier jeden morgen aus dem Fenster zu schauen“, sagt Reinhild Schnieder, die eine der drei neuen Wohnungen in einer alten Scheune am Kampsheider Weg beziehen wird. Ihre ist lichtdurchflutet, und aus dem Wohnzimmer kann die 66-Jährige ihren Blick über den weitläufigen Garten schweifen lassen. „Da ist das Badezimmer“, sagt sie und zeigt in einen weiteren Raum. Noch kaum vorstellbar, ist die Wohnung derzeit doch noch eine Baustelle. Lange gedulden muss sie sich aber nicht mehr: Am 1. Dezember ist der späteste Einzugstermin.

Insgesamt leben später zwölf Personen im Alter zwischen zwölf und 66 Jahren in sieben Wohnungen auf dem Resthof am Kampsheider Weg 6. Hintergrund ist ein generationsübergreifendes Wohnprojekt des Vereins „Ent-Spurt“.

Die ersten drei Wohnungen in der ehemaligen Scheune haben bereits Form angenommen. Auf einer Etage oder auf zwei Etagen mit einer Galerie wohnen die zukünftigen Mieter. Die neuen Lebensräume sind modern geschnitten und altersgerecht aufgebaut.

Der Hof, auf dem sich die Zwölf einen neuen Lebensraum schaffen, hat insgesamt eine Fläche von 2,3 Hektar, das entspricht mehr als drei Fußballfeldern. Die gesamte Wohnfläche misst 1 200 Quadratmeter.

Bauarbeiten voraussichtlich 2019 abgeschlossen

Sind die drei Wohnung fertig, geht es an die nächsten vier. Der Bau der drei Wohnungen im Obergeschoss des Haupthauses soll im Spätsommer 2018 erledigt sein, die Sanierung der unteren Wohnung dann Anfang 2019. Dann folgt der Außenbereich.

Die Gemeinschaft wird bei diesem Wohnprojekt großgeschrieben. So ist auch ein Gemeinschaftsraum mit Küche, Ofen und Sauna in der Diele des Haupthauses geplant sowie eine Werkstatt. Die Diele soll außerdem als „Kulturdiele“ genutzt werden. Dazu wollen die Vereinsmitglieder regelmäßig öffentliche kulturelle Veranstaltungen anbieten. „Musik, Diavorträge, Lesungen, Clownerie“, zählt Vereinsmitglied Sabine Voß beispielhaft auf.

Platz zum Beisammensein bietet außerdem der riesige Garten. Dort könne beispielsweise Gemüse angebaut werden. Jeder kann sich und seine Ideen einbringen.

Das Wohnprojekt sei keine Zwangsveranstaltung. „Es soll sich kein Gruppenzwang herausbilden“, sagt Michael Theis vom Verein. „Es soll für jeden Freiraum geben“, fügt Sabine Voß an.

Stolz präsentieren die Vereinsmitglieder ihre „Waldschänke“. In dem urig gestalteten Raum lassen sie den Tag ausklingen. „Das war unser erstes Projekt“, sagt Sabine Voß.

Vertrag läuft über 99 Jahre

Der Verein „Ent-Spurt“ gründete sich im April 2015 und besteht aktuell aus sieben Mitgliedern. „Es ist wichtig, dass jeder gehört wird“, sagt Sabine Voß.

Der Verein hat die Gebäude gekauft und das Grundstück gepachtet. Und zwar von der Stiftung „trias“ aus Hattingen (Nordrhein-Westfalen). Diese hat das Grundstück gekauft und verpachtet es im Rahmen eines Erbbaurechtvertrags, der über 99 Jahre läuft, an den Verein. Das Grundstück kann während dieser Zeit ausschließlich für gemeinschaftliches Wohnen genutzt werden. „Das ist eine Zwecksicherung. Wir leben ja keine 99 Jahre mehr“, sagt Michael Theis und unterstreicht damit den Gedanken der Langlebigkeit, der dieses Projekt begleitet. Auf die Stiftung sei Gottfried Voß im Internet gestoßen. Denn das Internet gehört auf dem Resthof ebenso dazu wie der Fernseher. „Wir sind ganz normal“, sagt Sabine Voß und lacht. Sie wohnt mit ihrem Mann bereits seit 20 Jahren auf dem Hof am Kampsheider Weg. Gemeinsam mit Reinhild Schnieder kamen die Drei auf die Idee eines alternativen Wohnprojekts. „2013 haben wir dann Jela und Michael kennengelernt“, sagt Sabine Voß. Weitere Gleichgesinnte schlossen sich ihnen an.

Verein bekommt Förderung vom Land Niedersachsen

Michael Theis lebte damals noch mit seiner Frau auf einem Hof. „Wenn die Kinder aus dem Haus sind, überlegt man: Was macht man, wenn man jetzt älter ist?“, sagt er. Sie verkauften ihren Hof, wohnen bis zur Fertigstellung der Wohnungen mit im Haupthaus des Resthofs in Kampsheide.

Für den Umbau erhält der Verein eine Förderung des Lands im Rahmen des Programms „Wohnen und Pflege im Alter“ in Höhe von 100 000 Euro. Dadurch werden Projekte gefördert, die insbesondere im ländlichen Raum Alternativen zu einer vollstationären Betreuung und Pflege schaffen.

„Ich möchte nicht ins Heim“, sagt Sabine Voß und steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Durch das Projekt soll eben das vermieden werden. Die Gruppe möchte lange mobil bleiben und so lange es geht, in ihren eigenen vier Wänden selbstständig und selbstbestimmt leben – gerade im Falle der Pflegebedürftigkeit. Sie ziehen die häusliche der stationären Pflege vor. Und vielleicht „können wir den jungen Leuten etwas vorleben“, wirbt Reinhild Schnieder für das Projekt.

Projekt erfordert Mut

Sobald Sabine Voß jemandem von dem Projekt erzählt, ist er begeistert. Aber wenn es ernst wird, käme bei den meisten Angst auf. „Viele finden die Idee klasse, sagen aber dann ,für mich ist das nichts‘“, sagt die 57-Jährige. Für dieses neue Konzept benötige es eben auch eine Spur Mut – und vor allem Zeit.

Nicht jeder ist letztlich wirklich bereit für ein derartiges Wohnprojekt. Drei potenzielle Mieter haben sich gegen das Leben auf dem Resthof entschieden. Dafür sind jetzt drei „Neue“ an Bord. „Auch das gehört zum gruppendynamischen Prozess“, sagt Sabine Voß.

Die Vereinsmitglieder zeigen Interessierten den Hof am Kampsheider Weg 6 sowie die Baufortschritte und beantworten Fragen. Dazu laden sie morgen zu einem Tag der offenen Tür zwischen 11 und 17 Uhr ein. Für Suppe, Kaffee und Kuchen ist gesorgt.

Das Projekt

„Ent-Spurt“ ist ein Verein, dessen Ziel es ist, die Aufgaben des Alltags gemeinsam anzupacken, im Alter möglichst lange mobil zu bleiben und selbstbestimmt leben zu können. Dazu entstehen auf einem ehemaligen Bauernhof sieben barrierefreie und altersgerechte Wohnungen. Auch das Grundstück selbst wird altersgerecht gestaltet. Die jetzigen Vereinsmitglieder möchten damit einen Grundstein für zukünftige Generationen legen. Das Motto des Vereins: „Wer den Weg nicht verlässt, bleibt auf der Strecke.“ Weitere Informationen gibt es morgen beim Tag der offenen Tür und im Internet.

www.wohnprojekte-portal.de

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