Generationsübergreifendes Wohnprojekt auf Bauernhof

Endspurt für „Ent-Spurt“

Die engagierten Mitglieder des Vereins „Ent-Spurt“: (von links) Laurin Voß, Werner Sauer, Michael Theis, Claudia Iglesias Ungo, Ole Theis, Jela Theis, Reinhild Schnieder, Birger Alberts, Antje Alberts, Sabine Voß, Gottfried Voß, Hala Jadala und Alex Voß.

Kampsheide - Von Karin Neukirchen-Stratmann. Nach drei Jahren Planung nimmt ein generationsübergreifendes Wohnprojekt auf einem Bauernhof in Asendorf am Kampsheider Weg nun konkrete Formen an. Schon seit langer Zeit lebt Sabine Voß, bekannt als Klinik-Clown und Grünen-Ratsfrau in der Gemeinde Asendorf, auf dem alten Hof. Sie hat mit Gleichgesinnten den Verein „Ent-Spurt“ gegründet, um das Projekt gemeinsam voranzutreiben.

Der Name ist auf einer Party entstanden: „,Ent-Spuren‘ heißt so viel wie: Wer den Weg nicht verlässt, bleibt auf der Strecke. Wir verlassen den normalen Weg“, erklärt Voß (Jahrgang 1960). Wie dieser normale Weg oft aussieht, weiß sie aus ihrer Clown-Arbeit in Altenheimen. „Niemals möchte ich dort enden“ – das stand für Sabine Voß schon früh fest. „Sind die Kinder aus dem Haus, beginnt ein neuer Lebensabschnitt auch für die Eltern. Es ist wichtig, dass man früh genug beginnt, sich damit zu befassen, nicht erst mit über 70. Jetzt haben wir noch die Kraft und Energie dafür.“

Im Alter in einer Gemeinschaft leben, jeder für sich in einer abgeschlossenen Wohnung, aber dennoch zusammen auf einem Hof mit gemeinsamen Räumen und einem gemeinsamen Garten – diesen Traum hatten und haben nicht nur Sabine Voß und ihr Mann Gottfried. Als die Idee vor Jahren entstand, waren schnell fünf weitere Gründungsmitglieder für den Verein gefunden: Michael und Jela Theis, Michael Eisenhardt, Reinhild Schnieder und schließlich als Jüngster Laurin Voß, Sohn von Sabine Voß. Weitere Gleichgesinnte stießen bald dazu.

„Wir planen ein Miteinander, sozusagen in der vor-pflegerischen Versorgungssituation, bei dem wir uns später neben der ambulanten Betreuung gegenseitig unterstützen können und füreinander da sind“, sagt der Vereinsvorsitzende Michael Theis.

Sieben barrierefreie Wohnungen entstehen

Dass das Wohnprojekt auf dem alten Bauernhof in Kampsheide realisiert werden kann, ist ein glücklicher Umstand. „Wir hatten den Hof lange Jahre gepachtet. Wir haben uns auch nach vergleichbaren Immobilien zum Kauf umgesehen, aber nichts gefunden. Es sollte ja auch nicht zu weit weg von allem sein“, erklärt Sabine Voß. Dann willigte der damalige Eigentümer des Kampsheider Areals in den Verkauf ein, und so ging das sogenannte „die Kulturlandschaft prägende Gebäude“ samt 2,3 Hektar Land in den Besitz des Vereins über. „Im Haupthaus und in der ehemaligen massiven Scheune dürfen sieben altersgerechte und barrierefreie Wohneinheiten entstehen“, sagt Sabine Voß.

In Martin Heller vom Architekturbüro „Das Syndikat“ aus Bruchhausen-Vilsen fanden die Bauherren einen Kenner alter Bausubstanz. „Herr Heller arbeitet sehr klar und strukturiert, und er hat in vollem Maß verstanden, was wir hier vorhaben“, sagt Michael Theis. Wichtig ist den Gleichgesinnten dabei die Nachhaltigkeit: „Als Energielieferant werden Wärmepumpen sowie eine Fotovoltaik-Anlage installiert“, sagt Theis. Neben den Wohnungen in der großen Scheune und im Haupthaus sollen auch eine Ferienwohnung und eine Hobbywerkstatt entstehen. Mit gutem Grund, denn Reinhild Schnieder malt, und Michael Theis ist Bootsbauer und Tischler.

Auf Langlebigkeit ausgelegt

Das gesamte Wohnprojekt ist auf Langlebigkeit ausgelegt, betonen die Vereinsmitglieder. „Um einer Reprivatisierung des von uns geschaffenen Lebensraums zu begegnen und mit Blick auf zukünftig hier lebende Generationen wird zurzeit ein Kooperationsvertrag mit der Stiftung trias, einer gemeinnützigen Stiftung für Boden, Ökologie und Wohnen in Hattingen in Nordrhein-Westfalen, vorbereitet“, erzählt Michael Theis. Die Stiftung soll das Grundstück erwerben und mithilfe eines Erbbaurechtsvertrags, der zunächst über 99 Jahre läuft, an den Verein zurückgeben. „Gleichzeitig bietet trias dem Projekt die Möglichkeit einer Zwecksicherung an, was bedeutet, dass zum Beispiel die Gebäude nur für gemeinschaftliches Wohnen genutzt werden können“, erklärt Theis.

Jede Wohnung hat eine eigene Küche, zusätzlich entsteht in der Scheune auch eine große Gemeinschaftsküche. „Wir wollen etwas zusammen machen, zum Beispiel kochen. Und auf der großen Gemeinschaftsdiele können Veranstaltungen stattfinden“, sagt Sabine Voß.

Die Umbaumaßnahmen haben bereits begonnen. Im ersten Bauabschnitt sollen bis zum Sommer nächsten Jahres die Wohnungen in der Scheune entstehen. Es folgen die Renovierung und die Herrichtung des Wohnraums im Haupthaus. „Alles in allem rechnen wir damit, 2018 fertig zu sein“, erklärt Sabine Voß.

An einer eigenen Homepage arbeitet der Verein derzeit. Sie soll Anfang nächsten Jahres online gehen.

Noch ist eine Wohnung frei. Wer Interesse hat, kann sich mit Sabine Voß unter Telefon 04253/801263 in Verbindung setzen.

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