Emotionales Gespräch über Sauenstall

Rat lässt sich auf Diskussion ein

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Mediengruppe Kreiszeitung

Asendorf - Die Altenfelder und Arbster haben Angst. Angst, dass der geplante Sauenstall von Landwirt Michael Eckebrecht ihre Gesundheit schädigen, ihre Heimat zerstören, ihr Leben beeinträchtigen könnte. In ihrem Kampf gegen das Bauvorhaben suchen sie Verbündete.

Zwar machte der Asendorfer Gemeinderat bei seiner Sitzung am Dienstagabend immer wieder deutlich, dass er – selbst, wenn er wollte – kaum Einflussmöglichkeiten hat. Aber immerhin stellten sich die Politiker den Fragen und der Kritik der rund 20 Einwohner: Fast anderthalb Stunden diskutierten die Anwesenden im Gasthaus Steimke in Graue teils sehr emotional.

Wie berichtet, will der Kampsheider Michael Eckebrecht am Arbster Weg eine Anlage für 1000 Sauen mit Ferkelplätzen errichten. Den Bauantrag hat er beim Landkreis Diepholz eingereicht. Stephan Maaß, Fachbereichsleiter Planen und Bauen, rechnet damit, dass das Genehmigungsverfahren bis zum Frühling 2016 dauern wird. Noch ist nichts entschieden, aber die Anwohner machen sich große Sorgen. Sie haben die „Asendorfer Bürgerinitiative gegen Massen-Tierhaltung“ gegründet.

In der Einwohnerfragestunde forderten die Bürger die Ratsleute auf, Farbe zu bekennen – zum Teil mit Erfolg. „Es steht jedem zu, so zu leben, wie er möchte. Dazu gehört, dass einer sagen darf, dass er mehr Geld verdienen möchte“, sagte Sozialdemokrat Jens Grimpe.

Bürgermeister Heinfried Kabbert (Wählergemeinschaft) behauptete, dass die Schweinedichte im Kreis nicht zugenommen, sondern sich konzentriert habe: „In Altenfelde wurden früher in jedem Gebäude Schweine gehalten.“ Petra Deubel (CDU) sah die Verbraucher gefragt: „Dem einen wird ein Windrad vor die Nase gesetzt, weil wir alle Windenergie wollen. Dem anderen wird ein Schweinestall vor die Nase gesetzt, weil wir alle Fleisch essen wollen.“ Beifall erntete Sabine Voß (Grüne) für ihre Vision eines Orts ohne Massentierhaltung: „Asendorf als Ökodorf – warum nicht?“

Kabbert erläuterte, dass bei privilegierten Bauvorhaben allein der Landkreis über die Genehmigung entscheide – und sich dabei ans Gesetz halten müsse: „Die Gemeinde Asendorf wird dabei nicht einbezogen.“ Einzig zur Erschließung des neuen Stalls müsse der Gemeinderat Stellung nehmen. Allerdings müsse er sich dabei an die Vorgaben halten. „Wenn die Gemeinde einfach Nein sagt, wird ein neutraler Dritter die Situation überprüfen und der Kreis das Einvernehmen ersetzen“, sagte Gemeindedirektor Bernd Bormann.

Ob Eckebrecht die Voraussetzungen für ein privilegiertes Bauvorhaben erfüllt, prüft der Landkreis derzeit. Der Bauer muss unter anderem nachweisen, dass er mindestens die Hälfte des Futters für die Sauen auf eigenen Flächen erzeugen könnte. „Der Bauantrag muss auch ein Emissionsgutachten beinhalten, ein neutraler Gutachter muss nachweisen, dass die Grenzwerte für Geruch, Staub und Lärm eingehalten werden“, sagte Bormann.

Sollte der Kreis zu dem Schluss kommen, dass es sich nicht um ein privilegiertes Bauvorhaben handelt, dann wäre es ein gewerbliches. Die Karten würden dann ganz neu gemischt, und Eckebrecht hätte ein schlechtes Blatt. Bei einem gewerblichen Bauvorhaben ist nämlich nicht der Kreis für die Genehmigung zuständig, sondern die Gemeinde: „Die Gemeinde müsste den Stallbau mit einem Bebauungsplan ermöglichen. Dass sie das nicht machen will, haben Sie mitbekommen“, sagte Bormann.

Der Arbster Dieter Bischoff bezweifelte, dass „alles mit rechten Dingen zugeht“. Seine Bedenken wird er – ebenso wie die anderen Stallgegner – demnächst dem Kreis vortragen können. „Wenn die Privilegierung geprüft ist und alle Unterlagen vollständig sind, gibt es eine öffentliche Bekanntmachung auf der Homepage des Landkreises und in der Kreiszeitung“, erläuterte gestern Joachim Homburg, stellvertretender Leiter des Fachdiensts Planen und Bauen. „Eine Woche später kann jeder vier Wochen lang den gesamten Antrag einsehen und weitere zwei Wochen lang seine Bedenken vorbringen. Über die Bedenken werden wir bei einem öffentlichen Erörterungstermin reden.“

mah

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